Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang No 44
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mi 44. - 1872. 3. Jahrgang ochrnjSchrifl religiösen nnd soeialew Interessen des Audeathnms. Erscheint jeden Mittwoch. Pni» vierteljährlich 20 Vilbergroschen. InsrrtivnSgrbshr f», u» dreispaltige Prtitzetl« «der deren Raum 2 «gr. Derantwortlicher RedakteH und Heraudgeber Rabbiner vr. ä. Lretleafels in Stettin. -HH - Magdeburg, 80. Mober 187Ü. Zu deziehen durch all« Buchhanddmgen und Postanstalten. Iusrrete«»Annahme t» kff Hof-Buchdn:ckerei von Carl Fries« in Magdeburg. Inhalt. Leitende Artikel: Der Radicalitmu» und da« Judenth« Universelle. — Beriehtr and Lorespouden^nr Deutschland, vregh — Oesterreich: «Vien. (2) — Frankreich, Pari». — vermischte und Pari«. Brüssel. Amsterdam. Rotterdam. Perertburg. — Femilletonr Novelle au« dem südisch - amerikanischen Leben von I. N. Lichtenberg in Ne . (Schluß.) — Die Dahlen jum G«ntral<(?cmite der Alliance Israelis Frankfurt a. d. O. Niel. Au« Ostpreusieu. Ostrom». Stuttgart. Neueste Nachrichienr Berlin. Me«. Wien. (2) Lemberg. Preßburg. narm ist der Herr ji. Haus«? — Unsichtbare Fesseln. Original- V«rk. Fonsetzung). — Eingesandt. — Inserate. — Ostrowo. ver NadirlMrmus und das Jvdenthum. (Schluß.) ES tritt aber, wie schon gesagt, in dem Tchmähartikel der »Kspudliqus fransnis«' zu dem Haffe gegen da- Judenthum eine ebenso wilde und blinde Wuth gegen die Juden, die jetztleienden, hinzu. Auf den Charakter derselben werden alle erdenklichen Schmähungen gehäuft, der Jude wird der Schlange verglichen, „und dieser seltsame Gevatter der Schlange vom Eden (heißt rt) ist heute in vielen Beziehungen unser Gebieter." Denn dies« im ganzen Aszerlh»» verachZett-Aace hat t«r Welt alle m-glichen Laster gebracht, „sie hat nicht nur dm Banguierchdrn Trödler, dm Horo-copfteller für darömische Volk, dm päpstlichm Leibarzt, dm Seckelmcistiw der Könige erzeugt, sondem sie hat auch den Heidm ihrm Monotheismu» gebracht, sie hat das Christmthum in die Welt gesetzt." (Folgst die bereitwörtlich mitgetheilte Stelle). Dennoch will der Pamphletist nicht blind in seinem Hass« sein. Er will einzelnen Judm nicht alle Tugmd und nicht jede- Talent absprechm, aber die wenigen Jsraelitm, welche in früherm Zeitm sich hervorgethan, und die einzelnm heutigen Juden, welche man alreine und edle Herzen liebm oder be» wuntern müsse, bildm Au-nahmm! Sie ragen in eine Race, „der der philosophische Geist, die wiffmschastliche Tüchligkeit, die hohe Sittlichkeit, di« Ehrlichkeit, die uneigennützige Lieb« zum Schinm und Gutm gänzlich fehlm," um so höher hervor I In einem geschichtlich und wissmschaftlich sein sollenden Ueberblick versucht dann die ,Bepnbl. iVany." die schmßliche Eigmart dejüdischm Charakterzu erklärm. Wir haben unfür manche Einzelheit dieser Geschicht-wissmschaft lei — Herrn vr. Geiger zu bedankm, dessen Zadokttm, „klrrikale Aristokratm," ihren Weg in die Spaltm dehaßerfülltm fran« zösischm Joumal« gefundm habm. Die Ouintessmz der Darstellung geht dahin: die seit der Rückkehr au- Babylon ge« knechletm Judm isolirm sich immer mehr, wiegm sich in Träume zukünftiger Größe und exclusiver Reinheit, hassm alle Welt, Hochmuth und Sclavmfinn bilden die Grundzüge ihre«! Wesens. So habm sie mit der übrigm West nicht« gemein. Die tief« Kluft, welch« dm semitsschm Geist von dem der arischm Völker trmnt, wird nt« verschwindm. Da- Mittelalter fühlte iUtinctiv die Unverträglichkeit beider Bolkscharaktere, daher sein idenhaß, noch wehr genährt durch »ie Ueberzeugung, daß Natur de- Juden nicht im Stande sei, die neuplatonischr taphysik der christlichen Mysterien gu fassen. Den sinnlosen Widerspruch, der dmin liegt, daß trotzdem Juden da- Ehrtstenthum eräugt, den .^arischen Raren" gedrängt und sch dadurch „zu ihren Gebietern gemacht" m sollm, erkenrt jeder Leser, aber licht der Artikelschreiber Gambetta'schen Blatte-. - ^err L. Leo^-ßin^, Banouier, ierdete letzterem eine Replik rin, dieselbe ivrrde n/cht aus^etwminI ^tstBerschsm delstn» im „Constitutione!". E« ist eine seltsame Erscheinung, den Israeliten Levy-Bing zunächst als Brnheidiger de- ChristenthumS auftreten zu sehen. Diese Relig on, welche dem Judenthum entsprossen it, sagt er, hat dcch die ttef versunkene römische Welt um,gestalte? und gerettet, sie hat viel Gutegewirkt und wird tieS noch femer thu». Ihr dürft nur nicht lediglich nach dem Katholici-muuriheilen, welcher durch sein AutoritätSprineip die Denkfreiheit des Individuumvernichtet hat. Wenn ihr a:f protestantische Länder, z. B. auf Amerika blickt, werdet ihr unS weniger zürnen, daß wir euch zu Chri» stm gemacht habm. Wir übergeher, wa- Levy-Bing gegen die Au-fälle auf den Charakter der Judm erwiedert, eist hier überflüssig. ES ist ohne Zweisei sehr löblich und eifreultch, daß ein jüd. Banquier in Parimit Einsicht, Kmntniß und in höchst gemessmer und wirkung-reicher Art den, Feinde entgegentritt. Wir wiederholen, d rß wir längere Auszüge au-seinem Artikel nur deshalb nicht geben, weil unser« Lcher sie nicht nithig habm. Aber zwei Punkte, und gerade di« wesentlichsten, hat Herr Lmy-Bing übrrsehen. Den einen hätte er freilich, auch wenn er ihn erkarm haben sollt«, niiht au-sprechm dürfen. „Wer andere tadel:, tadelt stets sein« eigenen Fehler." sagt der Talmud. Da« zeigt sich hier; de.« Organ Gambetta'« malt in seiner Schilderung der Judm den eigenen Herrn und Meister und leider viele Tausende seiner Landsleute. „Der Jude, zur politische, Ohnmacht herabgrdrückt, tröstet sich, in» dem er sich trotzden für die erste der Rationen hält; er wartet mit unerschütterlichem Glauben'^uf „dm Tag Gottes," an