Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 41. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 41.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935648--1391-5370994
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

■141. 1872. Z.Zahrgana Wochen-Zchrift für die religiöse« und fodalett Zutereffen des Justeuthums. Erscheint jeden Mittwoch. Peel» »terteljähklich 20 Silbergroschen. Inserti-nb-ebiihr fit Ml brrtspalttge Petttzeil« oder deren Raum 2 Sgr. verairtwocUlcher Redakteur und Herauilgeber Rabbiner Dr. 3L Srnmiftls in Stettin. Magdeburg, 9. October 1872. Zn beziehen durch aL Buchhandlung«: und Poftanftalten. Inseraten-Annahme t» kn Hof» Buchdrucker« von Earl Friese in Magdeburg. Inhalt. Leitend« Artikelr Mahnung zur Thai. — B«rieht« und Torespondenzenr Deutschland- Breilau. Danzig. Altona. Dftrowo. Aul Süddeutschland — Oesterreich: Prag. Von der Donau. Lin,. — vermisehte nnd neueste Skaehriihtrnr Lyck. Brüssel. Aul Schweden. Stockholm. Jerusalem. London. Nordamerika. Kingston. New-Uiirk. — Feuilleton« Unsichtbare Fesseln. Original- Novelle aus dem jüdisch-amerikanischen Leben von I. N. Lichtmberg in New-York. (Fortsetzung). Ein angeöohrter Tempel. — Inserat«. Mahnung zur Thai. Bahnet, bahnet, ebn« den Weg, Heb« weg den Anstoß aus dem Wege meine! Volke! l Wir legen da» Vorgesetzte Motto, den ersten Vers der Haftorah de« Dersöhnung-tageS, dem nachstehenden Aufsatz als „Text und Thema" zu Grunde, obgleich wir eine nüchterne und praktische Mahnung, nichts einer Predigt Aehnliche«, daran knüpfen wollen. „ES ist Zeit zu handeln für den Ewigen"; es muß etwaS, ti muß viel für das Iudenthum geschehen; ist hundertkach auüaeloroibm worden. Was uni tunäckkt sehft,. wa« wir erstreben und zu erreichen suchen müssen, ist allen Einsichtigen bekannt, ist oft genug erörtert worden. „Der Worte sind genug gewechselt," — eS gilt uns heul, zur That aufzufordern und, soweit unsere Einsicht reicht, den Weg zu bezeichnen, auf dem wir von Worten, Betrachtungen, Klagen, Anklagen, allgemein gehaltenen Vorschlägen endlich zu Thaten gelangen könnten. Haben wir, (wir meinen hier die deutschen Juden), als es die Erringung der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte galt, e« denn bei stillem Seufzen bewenden lasten? Haben wir nicht petitionirt und recurrirt, bis die letzte Schranke gefallen, bis die volle uneingeschränkte Rechtsgleichheit gesetzlich sanctionirt worden ist? Und doch — wir betonen dies immer von neuem — ist diese Gleichstellung von weit geringerem Gewicht als die Gleichstellung des Judenthums. Es handelte sich ja in der letzten Zeit hauptsächlich nur noch um das Recht zur Erlangung einzelner Ehren- und Brodstellen. Kaum ein Jude unter 20,000 ist dabei direct betheiligt; die Religion, das Judenthum, kam aber bei allem, was in in dem letzten Jahrzehent erkämpft worden ist (abgesehen von der Aufhebung des Judeneides) nur insofern in Betracht, als Einzelnen, aber nur sehr Wenigen, die Versuchung erspart worden ist, um der Ehre oder des Brodes willen die Religion zu wechseln. Der Leser sieht wohl schon, wohin wir heute zielen. Es läßt sich nicht alles mit einem Male erreichen, auch uicht alles auf einmal besprechen; wir haben für diesmal das im Sinn, waS wir für das Judenthum vom Staat, von der Gesetzgebung zu fordern haben. Auch da heißt es wieder: „wer zu viel erfassen will, faßt nichts"; die Richtung der Zeit weist uns indessen von selbst darauf hin, uns in dieser Beziehung zu beschränken. Der deutsch« Sraat wird nicht, wie es in anderen Ländern geschieht, unsere Synagogen bauen, unsere CultuSbeamten besolden, unsere religiösen Angelegmheiten verwalten; nicht (mehr) aus Abneigung gegen uns, sondern weil der Zug der Zeit einmal dahin geht, die ererbte Verbindung zwischen Staat und Religionsgesellschaften zu lösen, sodaß man jenem wirklich nicht zumuthen kann, vorübergehend noch neue Fäden zwischen sich und den jüdischen Gemeinden anzuknüpfen. 4^., .)k«rlangen daher auch vom Stcate keiü Geld oder doch dienur in dritter, vierter Linie, in höchst unbedeutenden Posten und mehr um de« Princips als um de« Geld«« willen. Wer siebt z. B. nicht ein, daß e« stch bei der ebenso lehrreichen, wie mit preiswürdiger Festigkeit durchgeführten Angelegenheit de« israelitischen Religionsunterricht« am Gymnasium zu Schneidemühl nicht um 50 Thlr. jährlicher Remuneration gehandelt hat! Und um wie viel wärm wohl die Juden iil Preußen weiter, wenn die Leitei' der Berliner Gemeinde mit so viel Intelligenz, Thatkrast, Liebe zur Religion und Gefühl für die Ehre des Iudenthum« (nicht für die Ehrenstellung, den Titel und das Bändchen des einzelnen Judm) vorgcganger wären, wie die jmer pauverm Provinzialgemeinde. Es ist wirklich auch nach der Richtung hin für Jeschurun nicht gut, wenn es „fett wird," moderner ausgedrückt; „heidenmäßig viel Geld hat," so daß es unter der Würde erscheint, in Geldangelegenheiten auf das Recht zu sehm; es ist nicht gut, wenn man dann nur darauf hält, daß Juden im Staate und in der Commune zu Ehren gelangen, ohne sich darum zu kümmern, ob die fraglichen „Judm" auch noch wirklich d«n Iudenthum angehören. Doch wir kommen ganz aus dem Context — oder sind das auch „Steine des Anstoßes?" Jedenfalls wollten wir nicht von diesen reden, sondem von denen, welche die staatliche Gesetzgebung „aus dem Wege unseres Volkes" himvegräumen soll. Das ist aber ein Punkt, dessen Wichttgkeit nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Dmn was tmr sonst zu beklagen haben, was den Frmnd des Judenthums im Hinblick auf viele Erscheinungen in jüdischen Kreisen mit Kummer erfüllt, das liegt mtwelrer in dem, „was man dm Geist der Zeiten heißt—''

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.