Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 40.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 40.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Weitage zur Israelitischen Wochenschrift. — I,, i ■ ■ I± 40* Magdeburg, 2. Oktober 1872. 8. Jahrgang. Ankündigung. Lheilo «« de» ««uuigfach ausßefproche»-« Wünschen ««ch Eru»«tter»«g des füt da- „Feuilleton" z«gew1efe»e« Rou«es, thetl» «« de« «tt der degä«dig «m^h» feude« Ado«ue»te«zahl sich -«gleich «ehrende« Inserate« Reshuung ,« trage«, hat die Berlagsha«dl»«g, da« ihr e«tgege«gebrachte Bettraue« würdige»-, ftch e«tschlöffe«, der ,FSoche«schrif^ außer der vo« Zelt z« Zeit erscheinende« Literarische« Beilage je «ach BedürfUiß auch eiue „Feuilleto»- mp. Auuonee« - Beilage beizugebe«. Der Abouueweutsprei« bleibt dewuugeachtet der bisherige, nur de« J«sertio«»- pret« fleht stet» die Hofbuchdruckerei — der erhöhte« Arbeitslöhne Wege» — geuöthtgt, vo« I. Oktober auf Zwei DilbergrofchtN pw> dreigefhalteue Zeile (oder deren Raum) zu erhöhe«. Die Redactio«. Feuilleton, llußchttare Jtfftlu. Original >9low0( an» tzem Misch - amerikanisch«! Leben von I. H. tf4tnk(r| in Ne«-Y»rk. lForrsk»»ng.s Bor Erstaunen und Schreck konnte ich Anfangnicht einmal gegrnfragrn, denn erstenhatte ich Pfarrer Retz auf meiner Liste nicht bemerkt, zweiten- — dawar da» Schlimmste — hieg so mein erster Lehrer, der un« in- Exil getrieben. Dennoch zweifelte ich; ekonnte ja noch einen Pfarrer mit demselben Namen geben. Hier muht« ich Gewißheit haben. „Einen Pfarrer diese- Namemkenne ich nicht und fand ihn auch nicht auf der vesuch-liste, er ist wohl noch nicht lang« hier?" fragte ich beklommen. „Nein, so gar lang« nicht, erst seit die Martintkirche gebaut wurde, di« Kirche für die untere Fabrik. Er kam von dem Dorfe H. bei Prag, und hat die Seelsorge für die Fabrik übernommen, und schon darum war eein großer Fehler von Ihnen, ihn zu ignoriren." Ich war sprachlos und hörte von Allem, wa» der Barbier noch sprach, kein Wort «hr. Al» ich aus meinem Sinnen erwachte, hatte er mich verlassen. Hier war guter Rath theuh. Et kam mir t« den Sinn, den Ort zu verlasfrn und irgendwo in der ÜLelt rin andere- Unterkommen zu suchen, aber da» schien mir bei reiflicher Ueberlcguug feig und unstatthaft. Daß mich der Pfarrer nicht mehr kennen würbe, war noch mein einziger Trost; er konnte mich ja nur auverletzter Eigenliebe verleumdet haben. Ich sollte bald eine- Besseren belehrt werden. Klopfenden Herzestördnete ich meinen Anzug Und kam fast athemlo» an dem Hause de- Pfarrer- Reh an. Auf mein Klopfen erschien eine Haushälterin, oder was fi« sonst war. Ich gebrauchte die Vorsicht, meine Karte nicht abzugrben, und auf ihr Befragen nach meinem Namen erwiederte ich: „Der neue Doctor." Nachdem sie mir die Thür« vor der Nase zugemacht, hörte ich sie sich entfernen; sie kehrte aber sogleich zurück und erklärte, & thue de» Herrn Pfarrer lekd, aber seitdem ihn ein Jude im eigenen Hause astgefaven, laste er keinen Juden mehr zu sich. j Da war also die Gewißheit, die ich so sehr gefürchtet. I Ich stand nun allein und waffenlos einem mächtigen Feind« gegenüber, ta noch dazu der Eeelenhirte und unumschränkte Herr derjenigen Gemüther war, von welchen ich meine Praxi» erwartete. WaS sollte ich thun? Den Kampf aufnehmen, oder dem Pfaffen den Triumph gönnen und da» Feld räumen? Nein! und abennal« nein! Ich blieb. Meine Praxi« war Null. Ich wurde zu dm vermögenderen nur gerufen, wenn die anderen Aerzte den Patienten äufgegeben, und obgleich eS mir da noch gelang, manchmal ein« glückliche Kur zu vollbringen, mehrte sich da- Verträum zu mir dennoch nicht. Einm Aderlaß oder dergleichm Blutentziehungen konnte ich nicht verordnen, denn hierin wurde «eine Vorschrift nicht befolgt, ja in einzelnen Fällen wurde ich sogleich wieder verabschiedet, sobald ich nur ein Wort davon fallen ließ. Ich würde bald verhungert sein, wenn mir nicht der einzige Glückifall, besten ich mich während meine» Lebenerinnere, zugestoßen wäre. Der Baron von B., dessen Eltern in der Nähe von Kuttenberg ein bedeutende- Gut besaßen, war ein Stüdiengenoste von mir. Er war der älteste von 8 Geschwistern, und da er eine- Tage» von Wim, wo er bei dem Ministerium angestellt war, nach Hause kam, besucht« ich ihn und erzählte ihm meine ganze Lage. Nachdem er mrr zugehört, sann er eine Weil« nach und sagte dann: „Lieber Moritz, Eie sind freilich in keiner deneiden-werthen Lage, aber vielleicht gelingt r» mir, den Enstchluß Ihremächtigen Feindezu paralystren. Sir uiüffen freilich ein Opfer dafür bringm, welche» ich in Ihrer jetzigm Stellung zwar al» nicht gering betrachte, welches aber trotzdem auch Ihre pekuniären Berhältniffe bedeutend verbessern dürfte. Tretm Sie al» Hofmeister für weine jüngeren Geschwister bei uns ein, für die »ufnahme Zhrerseitbei meine» Eltern werde ich sorgen. Zn einer Stellung alt Erzieher, ja sogar einer der ersten Familien de» Lande-, wird sich da- Boruriheil de« Volkesehr bald, wenn nicht verlieren, doch um vielemildern." Mit Freuden nahm ich den Vorschlag eine» Freunde» an, und von diesem Tage an schien sich meine Lage bester zu ge» staltm. In Kuttmberg grasstrte die Bräune und raffte die I Kinder «fc Fliegen dahin. Auch dakleine einzige Töchterchm