Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 38.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 38.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ikage zur Israelitischen WochensHrisi. U 88. Magdeburg, 18. September 1872. 8. J«hrs«»g. Ankündigung. DHeil« trat de« u»«»«igfach at&gefptofcmem WSefche« «ach QtmtlHruug bt« ^. fSc da« „$e«ilIeton" z«ge»1ese»e« -ra««es, theil« »« de« mH der defLi«dig »ach- Ndo««e«te«zahl flch zugleich mehreude« J«ferate» -iech«»»g z» tieage«, |‘i: Hat die Nerlag«ha»di»»g, da« ihr e«tgege«gedrachte!vertra«e« wÜrdtge>»d, chh e«tföloffen, der „Wocheuschrif^ außer der vo» Zeit z» Zeit erscheiaead«» ^literari» scheu Beilage" je «ach Bedürfuiß auch ei«e ^Keuilleto«« mp. Auuouce»«Beilage";}.'' detz »geben. t; Der Mbouueiueut-preis bleibt de««ugeachtet der bisherige, N«r de« J»fertto««- } iprei« geht flch die Hofbuchdruckerei — der erhöhte« Arbeit«löh«e »ege« — ge«öthtgt,; «om 1. Oktober auf zwei Silbebgrvschen pro dreigefpalteue Zeile (oder d«rre« Sla«M) z« erhöhe«. /; ■ Die NdHwtio«. Feuilleton. y u > ' I ' llefichtdare Fesselu. Original > Novelle Mit d«m -jüdisch»amrrikanischen Leben von I. R. Lichteuderg in Nrw-Pork. (Forchgung.) . „Sieh' doch lieber Moscheh, wie schön blau der Himmel ist!" „Na soll er denn grün sein," erwiederte er mürrisch. Gudel wandte sich einigermaßen erschreckt zu dem Fremden, welcher aber nicht» gehört zu haben schien. Darauf betrachtete sie schmachtend ihren Anbeter und sagte: .^keiner will mich verstehen, al» Ihr, liebe» Bärchen. Ihr aber seid auch so traurig heule und habt noch nicht ein einziges Gasel gemacht. Macht doch rin Gaselchen, Bärche, denn «» ist ja so langweilig und todt. - Aber auf diese schmachtende Anfrage rief Moscheh von' seinen Hühnerkorb herüber: „Wenn der Wind noch ein bischen stärker wird, so macht Bärchen anstatt Gas'le noch lkälberl« heut." Jetzt glaubte Gudel über da» Gesicht des Fremden einen Schatten von Lächeln gleiten zu sehen und schrak in stch zusammen. Bittch« aber, ohne seine Hand von den Wanten loSzulafsen, schleuderte den Fremden einen fürchterlichen Blick zu und begann: .Vrfaft’ uns nur brr Slrubtl nicht, .Denn schwimmen kann die Gudel nicht, .Denn ach sie ist kein Pudel nicht .Und schwimmt deshalb im Strudel nicht.... da aber plötzlich wurde Bärche bleich, wankte und warf den Oberkörper nach vorn über die Wand de» Schiffe», und da» Gurgeln und ominöse Geräusch vom Wasser herauf, zeigte an, daß der Rest der Herrüchen Gaselen eben in» Meer sank. Bärchen ließ in der Anstrengung seinen Halt fahren und wäre leewärts seinen Gaselm gefolgt, wenn ihn der Fremde, die Situation begreifend, nicht am Rocke festgehalten hätte. Da aber bekanntlich Seekrankheü ansteckend ist, so erhob flch Gudel fast in demselben Augenblicke, stieß einm Angstschrei au», und Manen Himmel, Gaselm und Alle» vergessend'rief sie: „Moschehlebm, mir wird schlecht, mir wird übel, halt mir dm lkopfl" „Gottlob" sagte Moscheh, ohne stch von der Stelle zu rührm, „jetzt bricht die Natur durch!" Der junge Fremde hatte iudeß mtt «ine« tüchtig« Rucke aude» Rockschößm värcheu« l»erstuht,. dessen Gleichgewicht . heeptstrllm,. aber er.hottiHtzu Sacht g»t gemacht, und Bärche kam auf dmjenigen Theil auf bet« verdeck nieder, dm Mutter Natur dm Mmschm zum Sitzen bestimmt. Zn dieser Stellung gab Bärchm nun die zweit« Auflage seiner Gaselm — ohne Vorwort — heraus. Nun wandte der Fremde seine Aufmerksamkeit der unglücklichm Gudel zu und führte sie unter Beihülfe ihre», mittlerweile hinjugekommmm Manne» die Z wischmdeckstreppe hinab. Da» viar keine kleine Arbeit, dmn Gudel» Haupt ruhte wehmülhig auf der Schulter de» junzm Manne» und die Haare de» in Unordnung gerathmm falschen Scheitel» kitzelten seine Nasennerven so empfindlich, daß ein Nießkrampf nahe bmor stand. Der Fremde erlitt Tantalusqualen; dmn gab er diesem unglücklichm Reize nach, so fiel er »tt seiner schönm Last ganz sicher die Zwischmdeck»ttepz>« hinab, und der dicke Moscheh, welcher die Gudel, über der Lucke strhmd, am Halsluche hielt, würde mtt hinab in die schauerliche Tiefe gezogm wordm sein. Doch mdlich wurde Gudel glücklich in. ihre Koje gebracht und der junge Mann begab sich wieder auf da» verdeck um nach Bärchen zu sehm. Dieser saß noch immer auf dem Boden, sein Haupt ttef auf die Brust gesunkm, daß er, von hintm bettachtet, da» Auisehen eine» Haufen» alter Kleider hatte. Der Frnnde ergriff ihn ohr« Wettere» unter dm Armm und zog ihn in der Höh«. Bärchen war so jschwach gewordm, daß er nur schwankend auf settm Bein« strhm konnte. ,MchI smfzte er, „lieber fremder Herr, da» ist ja schrecklich für einm vemünftigm Mmschm, in einer halbm Stund« so herunterzukommm. In meinen Lebm fahre ich nicht mehr nach Amerika, da wir« ich lieber wieder im Zuchthaus." Wie von einer Viper gestochm, prallte der Frevle zurück, und Bärchm, seine» Halte» beraubt, fiel tie»mal der-Läng« nach auf da» verdeck nieder. Iammemd versuchte er sich allein wieder aufzurichten, aber vergeblich. Er sah «in, daß di« unzettige Bemerkung vom Zuchthaust, dm Fremden so erschreckt hatte und lmktt de-halb folgmdermaßm ein. „Mein lieber Herr! Sie brauchen sich nicht so zu fürchtm vor «tt, ein Ganeff*) bin ich nicht, wenn ich auch im Zuchthaus« war; ich bin ja um dort zr sitzen gekommm, in da» verfluchte Zuchthau», well ich Quadrille getanzt habe."- n«u.