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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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» 37. - 1872» S. Jahrgang Isrsrttttfch» Vochen-Schrifl fit die religiöse« u«d soriale« J«tereffen des Iudeulhums. »fchetM jeden Mittwoch. WM vierteljährtich 20 Stlberxroschev. De Ml dnispelttD» yetttzeil« »der deren Raum 1'/» «»r. verantwoctticher Skebätteu» und Herautgeber Rabbiner vr. X (Emnfels in Stettin, Magdeburg, 11. September 1872. Zu beziehen durch alle Buchhand rmgeu und Poftanstalten. Imser ate»»Annahme i» ut Hof-Bnchdiuckerri von Carl Friese tr: Magdeburg. Zuhalt. Leitend« Artikel» Mose» und die Jesuiten. Ein wort der Abwehr von Rabbiner vr. Goldchmldt. — Zur jüdischen Ochulfrag«. <I.) (Fortsetzung), von Rabbiner vr. Rahmer. — ««richte »nd Eorrespändenzrnr Deutschland Magdeburg. «Inig»b«rg. Hanuomr. «u» Oderhessen. — Oesterreich: Lin». — vermischte NN» neueste Nachrichtenr Berlin. Osten»«. Warschau. Peteriburg. Petersburg. London. — Feuilletonr Unsichtbare Fesseln. Original.R»oell« ou» dem jüdisch.amerikanischen Lebe, von I. R. Lichtenberg in Re»-York. (Fortsetzung.) — Inserat«. M<ser «,d die 2es«ite». «t» Wort btt Abwetzr.») . von Rabbiner vr. Baldschmtdt in ikolterg. Extreme berührm sich! In einer Zeit, in der empfindsame Seelen e» sich angelegen sein lasten, Mohre/weiß zu waschen, — Unmenschen, über welche die Geschichte längst zu Gericht gesessen und den Stab gebrochen, vor dem Richterstuhl der Asternunst und Moral zu rechtfertigen, — einen wahnsinnig -flteg'frM». Jalifl«!«, »ine» närrisch grausamen, Nero tn^__ ^Ile Rechte venÄWg sittlicher Mrnschen 'wlider^'rfi^useh'^n: ^Ewkstetz in einer solchen Zett darf eS wohl nicht Wunder nehmen, wenn auch die Kehrseite der Münze sich zeigt, und lichtvolle, hehrr Menschengestalten, zu denen die Menschheit bisher ehrfurchtsvoll aufbliklte, um ihnen zu huldigen und unverwelkliche RuhmeSkränze zu flechten, von ihrem Throne herabgestürzt, beschimpft, beschmutzt und mit Kolh beworfen werden. Die Geschichte kannte bis zur Stunde keinen edleren, reineren, uneigennützigeren, selbstloseren, aufopferungsvolleren, geduldigeren, — mit einem Worte größeren Menschen, als Mose. Und wa« erkühnt sich die jüngste Ausgeburt der modernen Phantasie, — was wagt die Eintagsfliege eines Leitartikel-Schreiber» der Gegenwart aus diesem Manne zu machen? Lache nicht, lieber Leser! ES ist kein schlechter Spaß, sondern Ernst, wenn Du hier durch mich zuerst die zu Lübeck erscheinende „Eisenbahn-Zeitung" nennm hören und erfahren solltest, daß dieselbe in einem von Nr. 190—193 sich fortspinnenden Artikel mtt der Ueberschrift: „Die Jesuiten-Thesen sind echt 1 Die hier besprochen« Artikel der Lübecker „Eisenbahn- Leitung" sind un« von Hamburg au» eingesenbet wordm, mit dem vemerken, daß et« Widerlegung geboten erschein«, weil fragliche» Blatt im nordwestlichen Deutschland sehr »erbreitet sei. Auf unser Ersuchen hat Herr vr. Solbschmidt »big« Entgegnung geschrieben. Um indessen recht wirksam zu sein, Hütte «ine solch« in der „Eisenbahn-Zeitung" s« lbst stehen müssen und »war alsbaldI E» ist geradezu Pflicht de» Ortsrabbiner», solch« gehässig« Artikel »u widerlegen» er darf st« nicht underichiigt pasfiren lassen. Ein« angemessene Widerlegung nimmt jede Halbweg» anständige Sjedaction aus. Herr vr. Earlebach hat jüngst, wie gewisse Blätter mit Begeisterung erzählten, einen Aufzug mtt Musik von Moissling nach Lübeck »eranftaltet; aber di- «doä», «c., hier gilt es zu« Kamps« zu blasen und dem Seg- «er „aufzuspttlea." Mit Befer Lora umherzieh«« ist eben keine Kunst; Judenfeinde zum Schweigen bringen ist bessere Mitzwah. (Red.) biblisch!" sich mit allem Aufwand« deS Witzes und deS Scharfsinns eines christlich-germanischen Gelehrten, mit dem wissenschaftlichen Apparate eines allwissenden unfehlbareu Kritikers redlich« Mühe giebt, um haarscharf und bündig zu beweisen, daß MoseS ein Jesuit, «in Papst war. Der Berfasier jener Artikel versteht zwar, wie es den Anschein hat, kein Wort hebräisch, ja seine ganze Bibelkenntniß läßt sich auf nicht viel mehr alS die Summe desie» zurückfahren, was er als Kind in der Schule einst in winzigen Theelöffeln, mit ch»ttt^A»i»-dtr. .Haud de« Lehrer» hat entgegennehmen müssen und sich seither zu vergessen die erblichste Mühe gegeben hat, — und dennoch, lieber Leser! wagt er eS einen Mose zu kritisiren, ihn zum Jesuiten, zum Papste zu stempeln. Und was er sagt, wird ihm von Hunderten, vielleicht von Tausenden seiner Leser, die von der Bibel und ihrem Inhalt gerade so wenig alS er selbst wiffen, gedankenlos und gläubig nachgesprochen und nachgebetet, — denn ein Leitartikel Schreiber ist heut zu Tage allwissend, unfehlbar, — und „ ... wo Begriffe fehlen, „da stellt ein Wort zur recht:n Zeit sich ein. „Mit Worten läßt sich trefflich streiten u. s. w." Darum, lieber Leser! laß es dich der Mühe nicht verdrießen und folge mir ein wenig in die labyrinthischen Gänge eines theologischen Artikels in einen, politischen Blatte. — Der Berfasier jener Artikel beginnt seine Philippika gegen den Papst, die Jesuiten und — sit venia verbo — Moses mit dem Satze, daß „seines Dafürhaltens unsere Geschichte Nicht« von Zwiespalt zwischen Staat und Kirche, Nicht» von den maffenhaften Verheerungen und Metzeleien wegen unbegreiflicher Dogmen, Nicht« von den Zerfleischungm Europas durch Religionskriege, Nicht« von der Folterkammern und Scheiterhaufen der Inquisition wüßte, — wenn nicht da« absolute, semittsch mosaische Hohepriesterthum, da» Princip de» kanhedrin», die Sittenlehren der Ehingen, Indier und Egyptier, die Eultur der Griechen und Römer zersetzt, gefälscht und verhüllt hätte." — Ich mag nun mit dem Herrn darüber nicht rechten, daß er sich so sehr nach den Zöpfen der Chinesen, den Brahmanen der Indier und den Fleischtöpfen der Egyptier sehnt, — steht e» ihm ja immerhin frei, di« Lücken seiner Sittenlehre auSzustopfen mit der indischen Satzung.

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