Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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¥•■; p (Mi frank«, «ich» «Nmiger all ßtü IrflMMftfH £okW % «Mcrilgcftfftn, welch« in der Nachbarschaft M <»mord«t«u im Dienst gestanden, fogaumqttl „Handgeld" erhalten hatten. lluserm Hanbelsmanne war diese Nachricht bald zu Ohren %■ gekommen, und nun war sein Entschluß bald gefaßt. Erfühlt« sich st» dazu berufen, den Schlupfwinkel der Mörder seines -Binders ausfindig zu machen, und wenn er auch jene Gesellen zuvor nie geseben, so rieth ihm doch eine innere Stimme, den Faden der bis dahin vergeblichen Nachforschungen iveiter und weiter zu spinnen; „Gott werde ihn die Schuldigen schon finden lasten" meinte er, — „fort also!" Nachdem er der Schwägerin seinen Entschluß mitgetheilt und seinen Paß sowie einige hundert Thaler, die sein Vermögen auSmachten, zu flch gesteckt, begab er sich in dem noch Hlutspuren zeigenden Wagen seine- Briiders auf die mühevolle und nicht eben ungefährliche Wanderschaft, auf denselben Weg, der seinem theuren Entseelten daS Leben gekostet. — Warum er gerade diese Richtung einschlug? Dorthin, sagte die Fama, wären die Werber mit ihren Söldlingen marschirt — und dir Fama hatte nicht gelogen. Gegen Abend in der nächstgelegenen Stadt angelangt, hörte unser Reisender einig« in der Gaststube versammrfte Bürger gar viel von den neulich für „das Reich" Angeworbenen erzählen, „und einige Burschen Hallen einen Haufen Held bei flch" äußerte Einer auder Gesellschaft. Ein rvahrer Criminalcomistar, werkte der schlichte Handelsmann bei diesen »Worten sichtlich auf; allein was konnte ihm der "neue Verdachtsgrund helfen, da die Trupp« eitlen Vorsprung von mindestens zn»ei Wochen vor ihm hatte. Trotz alledem setzte der beinah« Siebzigjährig« sein« wichtige Expedition fort, hin nach der nächsten Stadt, nein! — es läßt sich ja denken! immer weiter und iveiter, nach vielen, Mich allen den Städten, durch welche, »vie er auf die jeweilig «iagezogenen Erkundigungen erfahren, die an Zahl immer größer gewordene junge Kriegerschaar nach der neuen Heimath gezogen war. Der alte Handelsmann, der wohl noch niemals di« Grenzen seineengern DaterländchenS überschritten hatte, stand hold auf österreichischem Boden. Nunmehr mußte er aber sein kühne« Unternehmen erst recht fortsetzen: wußte er doch schon ganz bestimint, daß alle Angeworbenen nach der Reichs» ' Hauptstadt dirigirt würden, um von dem General eu edek gemustert zu werden. „Rach Wie» also auch noch!" dachte der tteue Bruder, und als er nun nach Verlauf einiger Tage dort angekommen und in einem Gasthause abgestiegen war, eilte er, beflügelt von einer Angst, die ihn nicht rasten ließ, zu dem commandirenden General, deflen Namen und Wohnung er bei seinem Mrth« erftagt hatte. Der General, obwohl ein leutseliger und leicht zugänglicher Mann, mochte im ersten Augenblicke dem romanhaften Berichte des Krenrdlings keinen Glauben schenken. Als der letzter, aber gar di« Bitte aussprach, »uan möge ihm gestatten, bet der bevorstehenden Musterung sämmtlich« Neuangeworbene ftt umnittelbarer Nähe ansehen zu dürfen, entgegnet« der gut- «Mchige General: „Alter Man», wie können 2i« so thöricht stflt». und glauben, aus einem Truppeukörper von zweitausend Oka«, die vermeintlichen Schuldige» henruszustüden, zumal ~ Och, gleiche Patfmi.fcofl»!" „Doch", sähe der General ftzrt, da er in de« Augen des alten Mannes Thränen wahr» uähm, „doch" .... „gut! ich will mir die Sach« noch überlegen. Kommen Sir übermorgen um neun Uhr vormittags wieder!" Die ersehnte Stund« kam, für den Handelsmann allerdingSsehr langsam, heran. Jetzt stand er am Ziele seiner Reise — und seiner qualvollen Nachforschungen. Werde» dieselben den gewünschten Erfolg haben? Eine Stund« später hielt der General auf dem. hinter seinem Hause belegenen Erercirplatze die Revue über die eingekleideten Angeworbenen ab. Er hatte die Bitte des Handelsmannes gewahrt, ihn jedoch auf das Schärfste gewarnt, einen Unschuldigen etwa laut verdächttgen zu »vollen. — Zu Bier marscbirten die Rekruten an ihrem Befehlshaber vorüber. Drei-, vier-, fünfhundert Mann hatten bereits defilirt — da giebt der Alle dem ritterlichen Beschützer seines Rechtes ein verabredetes Zeichen; ein „Halt!", und schon weist er mit hem Finger auf den ihm verdächttgen Mann. Der General übrrgiebt denselben einem seiner Adjutanten; der Marsch wird fortgesetzt, wieder find mehrere hundert KriegStüchttge vorübergezogen — noch einmal wird, auf ein zwettes Zeichen, „Halt!" befohlen, und wieder veranlaßt der alte HandelSmann ein« martialische Gestalt, au» Reihe und Glied zu treten und dem Winke jenes Adjutanten zu folgen. Die „Vorstellung" »var bald zu Ende, wie es unsere Geschichte auch sogleich sein wird. Der General zog sich mit seinem Stabe und den zwe „Angehaltenen" in sein Zinnner zurück, «»ährend der private Ankläger der letzteren im Borsaal rvarten mußte. Nach kaum einer halben Stunde zum General geruftn, redet« ihn derselbe aufs Freundlichste, ab«- auch in sichtlicher Ueberraschung mit den Worten an: „Sagen Sie mir, kluger Mann, wie haben Sie diesen beiden Frevlern ihre Schuld vom Gesichte ableseu können? Beide find in der Thal die Mörder ihres Bruders und dessen Begleiters; sie haben bei dem vielen Geld«, welches wir bei ihnen gefunden, ihre Thäterfchast nicht leugnen können, und soeben haben sie auch eingeftanden, daß sie den Leichnamen die Zunge deshalb auSgrschniv'i, weil sie befürchteten, die Zunge auch eines Tobten könne sie verrathen. Doch wie, wie konnten Eie, ein schlichter Mann, zivri Mörder aus so »Men unschuldigen, braven Burschen herausfinden?" „Eben darum", entgeznete der Handelsmann, „eben darum war mir'» um so leichter. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, einem jeden der Borbeimarschirenden scharf in's Auge zu sehen; nur bei den beiden Festgenommenen war esmir nicht möglich, weil sie sich den Schirm ihres Czako fest über die Sttrn gedrückt hatten. Da vermuthtte ich sogleich, daß unter den verdeckten Augen ein böse- Gewissen schlummere; die Augen sind ja der Spiegel der Seele." Welchen «u-gang das richterliche Verhör der sofort unter Anklage Gestellten genommen, wird Jedermann wohl richtig errathen. Die Familie des Handelsmannes, seine Schwägerin und deren Kinder, erhielten da» bei den Mördern Vorgefundene Geld, aber freilich den Gatten, den Vater, den Bränttgam nicht mehr, zurück. Die Schuldigen aber büßten ihre ruchlose That auf dem Schaffst, und ivenige Minuten nur, bevor das Henkerbeil sie erreichte, gaben sie dir Stelle an, an welcher sie äie Zungen der Ermordeten vergraben.