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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 30. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 30.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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«- 30. - 1872. H-r^irttsch» S Jahrgang. Wochetz-Zchrtst für die religiöse« ««d ssei»e» Jntereflen des J«de«1hums. Erscheint seken Mittwoch. Preiä »terttijä-elich 20 Lilkergroschen. De Mt MfHl««* Petltzett« *btr kenn Staun 1'/, S-r. Sfrranm.rtlUkn »onrttm und $aaulg<ba Rabbiner Dr. Lresenfel» in Stettin. Magdeburg! 24. Juli 1872. Lu ktjitV durch «Bt Buchhandlungen und Poganjtalttn. Inseraten »Annahme ta n Hof-Bnchdrncktrei Mn Sari Artest In M agdedurz. Inhalt. Seift««* Wrtifcls Erziehnnpsresultat«. A Born Den (sch-Israeli tischen Memeindedunk. — Veri litte nnk ckkarrespantenz»l Deutschland Berlin. Berlin. (»nnaoerZ Jnawraelaw. >u» Vderhessen. Oeperrtich: «u» Mähren. Trautenau. — Rumänien: Berlad. — Eenilleton» Makam« de» ZaseptzHeu Jaktr «u» Zchenhausen. Nach Mittheilung des vr. VH. Bloch ln Vch«. — PeterDhmg. — Inserat*. Lrzieb««g«result«te. (Bekenntnisse au« Amerika.) „Möchten deine Ohren hören, «vas dein Mund fcnii so läßt die Sage den Jüngling Abraham zu seine« Bl sagen, als dieser geäußert hatte, daß die von ihm sabrieil »der seilgrhaltenen Götzenbilder weder sich regen noch könnten. An jene« Wort haben auch wir gedacht, als jüngst einen Artikel, überschrirben „Reform l« {xutfc", Irwish Time«, einem «merikantscheu Orgapp her. Resermeschttentz. 4afeC ishlAu Mer Äser die Auszüge, Mt wir hier folgen laste», durchgesehen haben, werden auch sie wohl denken: „warum überlegt und warum wendet der Mann nicht richtig an, was er da niedergeschrieben hat; fleht er denn nicht, wohin di« von ihm gepriesen« Richtung führt?" Der Artikel begiuut mit einer begeisterten Lobrede auf de» Erfolg der Cultusreform in Nordamerika. „Orgel und Eher, Famlltensttze und die Entfernung der Kopfbedeckung bei» Gottesdienst, GSete in der Landessprache, Abdankung des Laiüh und des Sterbekleides am Iomkippur hat das Inner« unsrer Gotteshäuser ganz umgestaltet. Wir haben di« modernen Ideen angenommen und sollten nun ganz vorbereitrt sein, um ununterbrochen fortzuschreitrn in der Ausführung der großen uns anvertrauten Mission, das Licht der Völker zu sein, di« Bannerträger der Wahrheit und des Recht», hochzuhaltrn die Fahnen der Eivilisation, Weisheit, Aufklärung und Wissenschaft." Es wird dann geschildert, wie sich das Alles allmälig fast uumerNich vollzog» bab« „Eivilisation, Zeitgeist, Mod. ltnadiou,) Aufklärung, oder wie man'« nennen mag, treiben vorwärts — das ist so, wie es sein soll, sein muß, überall »erd» muß". — Doch nun folgt das Aber. „Aber wir fürchten, daß der Fortschritt der religiösen Bildung viele unserer Glaubensgenossen nur blendet und betäubt; er kräftigt sie nicht; er schmeichelt ihrer Einbildung, läßt jedoch ihr Herz kalt; er ppefeinert ihr« Sitten, aber veredelt nicht ihre Gefühle; er wkndet sich an ihr» Geschmack, bleibt aber von ihrem Geiste DUbegrissrn; er schasst prächtige Tempel, läßt aber in de« Familienkreise «in« Stert, »acht aus der Synagoge ein Paradies und aus de» Haus« eine — Wtldnißl Und es kan» kau» anders sei», wo alles Anziehend« in Prunk und Schiunuer gefunden wirdl Da« goldene Kalb ersteht au« seinem Grabe, nur in anderer Form, aber nicht weniger ein Götze, es empfängt der Menschen Anbetung und Verehrung, verlangt, wie einst, gleiche Ehren mit dem lebendigen Gotte. Der Dienst des golden»'Kalbes nimmt die Thatkraft, dir Gefühle und Bestrebung» unsres Volke« in Anspruch; Ibm werdm Tage und Rächte, Werk- und Rnhetage gewidmet, die Erziehung der Kinder ist dahin gerichtet, daß sie mit Geschick uni» Erfolg _ __ Ach re» wahr» Gottes hat nicht mehr sein« Stätte' im Familienkreise, er ist ganz ln d» „Tempel" »erlegt, wo er mit dein Leb» wmig in Berührung tritt — denn wenn Mn and sia („Mutter und Schwester^ dahin geh», so Hab» sie ja ebmscsehr ihr Auftret» im sashionablm Anzüge, um zu sehen und gesehen zu werdm, im Auge, als zu lern» und gute Eindrücke zu empfang». Die alt» Familim-Zusammmkünfte an Gabbatb» und Feiertagen sind vergest», und der Zunge schätzt ,,d» Alt»" nach dem Betrage der Gremback«, die er ihm wahrscheinlich hinterlaffm wird. Geist und Herz geh» leer au«, und diese Leer« wird nicht einmal empfund», so lange der Altar Molochs, die Tasche, mit Weihrauch gefüllt wird. Alle unsere Reform im Gotteshause kann uns nichts helfm, w»n sie nur al« eine Entfaltung unsre« Reichthums dastebt, w»n sie kein» Einfluß auf unser häusliches Leb» übt; sie hört dann auf ein Tribut unsre« Herz»« für Gott zu sein und wird rin Monummt unsrer Entwürdigung. Zst es da noch auffallmd, daß so wmlge unter unsrm jung» amerikanischen Israelit» eine hervorragmd« und ausgezeichnete Stellung einnrhmm, daß amerikanisch« Israelit» kaum ein» Vertreter in dm Kreis» der Wissenschaft und Kunst Hab», daß sie einige „Polttimfle" (politiciaiu) aber keine Staatsmänner auszuwest» Hab»? Aller Antrieb zu Hanse fehlt. „Der Kartentstch, an dem der Vater Abend für Abmd und dm größt» Theil seiner Ruhetage Erholung findet, ist nicht geeignet, dem Gemülh« des Jünglings Eindrücke eines höher» -eben-ideal« zu geben, und bas fashionabel» alberne Geschwätz bet Besuch» ist nicht darauf berechnet, Geist und Geatttth der ftmgm Dam« zu verckeln. Der Tisch, «inst ei« Mar im Hause jkdes Israelit«», ist jetzt lediglich imzu da, d» Gaumen zu kitzeln eded benHeneger zu ßR»; die Kin-

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