Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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226 Hagod« gelangt, wo man innehält und di« Fenster öffnet und laut de«« Elijah Hanovt, den Propheten Elia«, den Erlöser, ruft. „Im Augenblick, als sie so riefen, stieg Elia« durch da« Fenster herein, und sagt«: Hinneni, Eliah Hanovi!"*) „Die ganze Familie erhob sich mit einem wilder Geschrei und stürzte zur Thür, hinau«, nur den Hau»vater «»«genommen, der sich auf sein Antlitz «varf und sagte- Gesegnet, der da kommt im Namen de« Herrn! Jetzt werden die Tage der Heimatlosigkeit trüber sein!" „„Nein", antwortete der Prophet, „ich komme nicht um Israel zurück in'» gelobte Land zu führen, sondern zu Dir allein. Der Herr hat e« mir erlaubt, Dir eine Gunst zn envetsen, einen Wunsch zu erfüllen. Wähle jetzt mit Verstand." „Nach langem Bedenken sagte der Mann: „Dann bitte ich, daß ein Zeder, der au« dem Brunnen dieser Stadt trinkt, Wohlgefallen a» mir finden möge." Elia» antwortete: „Da» scheint mir vernünftig! E« muß in Urbereinstimmung mit Dir selbst sein; denn um da« Wohlwollen Anderer zu wünschen, muß man selbst wohlwollend sein. « ist erfüllt." «Indessen hatte sich mit Blitze«schnellr di« Kunde in der Stadt verbreitet, daß der Prophet Elia« gekommen sei, und hatte Alle in große Bestürzung versetzt; denn man wußte ja nicht ob dir Ankunft de« Propheten den Aufbruch nach Canaan oder die Reise zu den Vorfahren im Himmel bedeut«. Sobald man aber merkt«, daß nicht« Ungewöhnliche» auf der sStraße vorging, daß der Himmel nicht donnere und die Pomune nicht geblasen wurde, beruhigte man sich, ja war betrübt varüber, daß nicht« von den großen Ereignissen eingetrossen, und daß man getäuscht worden sei. Zuletzt zweifelte man sogar, daran, daß e« wirklich der Prophet Elia« gewefta u»fc fing an zu spotten; allein da« dauert« nur so lange, bi« man au» dem Brunnen getrunken hatte. Wenn man auch nicht überzeugt wurde, glaubte man doch und verehrte und liebte den Mann. Dieser mußte sich freilich sagen, daß nicht ihm sondern dem Brunnen da« verdienst zukomme; aber thell« trank er selbst au« dem Brunnen, theil« wurde «» ihm nach und nach! einleuchtend, daß «veil der Prophet sich ihm offenbart und ihm «inen Wunsch gestattet hatte, auch etwa« Ungewöhnliche« und Ausgezeichnete« an ihm sein müsse. Er «vard deshalb unermeßlich stolz, aber e« that ihm keinen Schade««, «veil er zur ftlben Zeit wohlwollmd war, und «veil ihm von allen Seiten Wohlwollen, Ehrfurcht erwiesen wurde. Zu seder Zeit, wenn er sich seinen Mitbürgern zeigte, strahlten aller Augen von Hingebung und Bewunderung, und in Folge davon strahlten auch seine Augen von Zufriedenheit und Liebe. Er war überzeugt, da« seine Stadt die besje der Welt sei, und al« er die« seinen Mitbürgern sagte, da waren diese darüber so hoch erfreut, daß sie ihn al« einen ausgezeichneten Patrioten wo möglich noch höher schätzten al« zuvor. Fremd«, die nach der Stadt kämmen, wunderten sich zwar über die hohen Ehren, welche diesem Mann allein erwiesen wurden; allein sobald fie aus dem Brunnen getrunken, wurden ihre Ansichten ganz diejenigen der Bürger. „Nun traf e« sich, daß in einer nicht entfernten Stadt ein hoch angesehener Mann lebte, der erwachsene und tüchtige Söhne hatte. Dieser sagte eines Tage« zu feilten Söhnen: ,Jkommt, laßt uns die Stadt besuchen, von der so viel Seltsames erzählt wird; denn entweder müffen Diejenigen, welch« einander so sehr bewundern, sich durch Gerechtigkeit, Sanfttnuth, Mäßigung, Hochsinn und andere Tugendm ««»zeichnen, oder sie müffen Narren sei». Im ersten Falle werden «vir eia Beispiel zur Nachahmung, im andern ein« warnende Lehre finden." — Die Söhne erhoben sich, und sie zogen von dannen. „Al« sie fich der Stadt nahten »var eben jener Mann zu seinem Weinberge» der an «ine« Orte lag, wo mehrere Wege zusam«nenstießen, gewandelt, und hier geschah e«, daß der Vater, der mit sein« Söhnen kam und de« WegeS nicht lundig war, den verehrten Mann in einiger Entfernu««g sah und ihm zurief: Heda! Du! Wo geht der Weg nach der Stadt?" „Der vrrehrt« Mann war nicht gewohnt, in solchem Tone mit sich reden zu laffen und Gesichter zu sehe«, di« nicht von Liebe und Bewunderung leuchteten: es stieg daher In seinem Gemüth ein plötzlicher und heftiger Zorn gegen „die fremde» Tölpel" auf, und er kehrte ihnen ohne zu antworten, den Rücken. „Der eine der Söhn« ging auf ihn zu und sagte ihm: „Bist Du taub?" „Der Verehrte drehte ihm den Kopf ein wenig zu, ant- 'wortrte mit einem bissigen „Nein", uud setzte seinen Weg fort". Da rief ihm der Sohn nach: „Du ungezogener Mensch, der Du meinem Vater nicht antworten wolltest! Ist die« die Bescheidenheit und Gastlichkeit, die in Eurer Stocht gelehrt wird? Wenn Du, dem A««»sehen nach, nur ein gemeiner Bürger, Dich so beträgst, wa« müffen wir dann von den vornehmen erivartrn, die bi« zum Wahnsinn stolz und eitel sein sollen!" „Der r,»:hrte Mann sagte kein Wort und eilte zur Stadt. Sein Zorn und Unwillen war über die Maße«: groß. Er, wie ein gemeiner Bürger auüsehen! E« kochte ordentlich in ihm. Zivar wußte er sehr wohl, daß er nur nöthlg hätte, die Fremden in dir Stadt zu führen und au« dem Bimrmen trinke» zu laffen: aber sein Zorn war so groß, daß er von ihnen gar nicht geliebt sein wollte. „Ihr ekgenrr Haß lall sie verzehren", sagte er; „sie sollen ihn kn sich kragen wie ein Gift, da« in Einem fort brennt, ohne zu tödtvn." (Schluß folgt.) Die Wiener „Deutsche Zeitung" bringt in ihrem Ins«- ratentheil folgenden „Heirathsantrag für Israeliten". Eine jüdische Waise, orthodox erzogen, im Alter von 22 Jahren, brünnet, und — wie ihre Courmacher verflcheru, ein wenig schön, wünscht sich zu verehelichen. Da sie über ein nicht unbeträchtliche« vermögen gebietet, so ftihlt sie den Muth, ihrem Zukünftig-n auch Bedingungen ungewöhnlicher Art aufzuerlegen. Sie ist nicht blo« streng religiös, nach aitjüdischem (polnischem) Ritu« erzogen, sondern sie hat auch ai« einzige Tochter eine« berühmten Privaigelehrten kostbare Schätz« der jüdischen Wiffenschaft in sich ausgenommen. Di« Schreiberin dieses erröthet also nicht, e« öffentlich au«zufprechen, daß der Mann, welcher ihr Herz gewinnen will, vor Allem ihrem Geiste inponiren «ad sich zu einer theologisch-jüdischen Diskussion bereithalten »ruß, welche über eine bestimmte Disciplin de« halachischen Talmud (die belletristische Hagadah ist absolut ausgeschloffenj geführt werden soll. Ich werde nächsten« die rabbinische» Autoritäten bekannt geben, welche nach dieser Discusston ihr Urtheil über dm HeirathScanbidaten abzugebm, ich für würdig halte. Jeder also, der ein Wrib auf dem jüdisch - theogischen Kampfplatz« erringen will, und da« Zusammmlebm mit einem sanften, auch in profanen Wissenschaften heimischen hebräischen Blaustrumpf nicht scheut, richte seine Offerte an die Expedition dieser Zeitung unter „Judith II.“ ') Hier bin ich, iklia, der Prophet.