Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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217 — Das Organ der ung. Orthodoxie „Trad. Judrnth". ist eingegangen. (Auch die „Revue Jsr." ist uns schon seit einigen Wochen nicht zugegangen.) As«sta»t1»*»er, 28. Juni. Die Mission Costaforu's soll gescheitert sein: Der Großoezir habe erNärt, er könne nichts gegen die Berechtigung der sich vorbereitenden Intervention der Pariser Vertragsmächte einwenden: die Zustände in Rumänien seien eben unhaltbar. Der russische Gesandte Jgnatieff, auf den der Rumänische Agent noch seine Hoffnung gesetzt, soll aber durch seinen Stellvertreter haben erklären lassen, Fürst Gortschakoff könne die Judenhetzen ebenfalls nicht länger dulden. (Magdb. Zt.r.) <£{««. Die in der Hauptstadt Peru's erscheinende Zeitung berichtet: Henri Meiggs (Christ) hat der hiesigen Jsr. Gemeinde ein Stück Land von seiner Besitzung zu Bellavista zur Anlage eines Friedhofs geschenkt. Die Regierung hat alsbald ihre Einwilligung gegeben. (Arch. Jsr.) Feuilleton. 2« eine« postwage«. (^r,ählungm von M. Goldschmidt. * (Fortsc-ung). Meine Reisegefährten kamen nun darauf zn reden, wie mangelhaft »nd unvollkommen die Welt für Diejenigen sei, die das Wort (Schem, Gottesnamen) nicht keiinen und die daher in einem Augenblick der Roth oder Dedrängniß nur wünschen können, ohne mit Sicherheit auf Erfüllung zu rechnen. „Wie schön wär's", sagte Herr Pertsch, „wenn mann den lieben Gott zu seinem speciellen Vertrauten hätte! Was gebe man nicht darum!" Herr Nathan sagte: „Darüber hat ja schon der Herrgott mit Enoch und Elias gesprochen." „Wieso? Ich habe nie davon gehört!" rief Herr Pollock aus. „Wenn ich sage, daß der liebe Gott davon gesprochen, will ich mich nicht versündigen. Der Herr spricht nur zu seinen Erwählten, und wer bin ich, daß ich sollte berichten können, waS Gott dem Enoch und dem Elias gesagt! Aber, mit Ehrfurcht sei eS gesagt, man legt dem lieben Gott die Worte in den Mund " „Laßt unS hören! Erzählen Sie, Herr Nathan", sagte Herr Pollock, Herr Nathan erzählte darauf wie folgt: „Man berichtet — aber, wie gesagt, ich trage nicht die Verantwortung dafür, es ist nicht Ernst, es ist Gedicht und Bild — daß der Herr gesegnet sei sein Name! sich eines Tages mit Enoch und EliaS auf die Erde begeben habe. Sie verstehen ja, es ist nicht so gemeint. Wie könnte der Herr, der den Himmel und die Erde erschaffen, als ein Mensch einhergehen? * Es ist nicht so gemeint, und wen» man zum Voraus sagt, daß eS nicht so ist, darf nian es erzählen. „Der Herr also kam mit Enoch uud Elias nach einer Stadt, und es war eben Peßach- (Oster-)Abend; die Familien saßen am Czedertisch (zur Festfeier geschmückten Tisch); die Hunde bellten, als sich die Fremden nahten. „EliaS, der voran ging, kehrte sich um und sagte zu Enoch: „DaS ist ein Empfang für den Herrn und uns Beide!" „Darauf antwortete Enoch scherzend: „Der Empfang ist richttg. Di« Hunde erinnern sich Dessen, was Du ihren Borelttrn versprachst: ,^vie Hunde sollen Jsebell freffen an den Mauern JesreelS." (Könige I. 21, 23.) „Elia« sagte: „Demnach haben di« Hunde einen schärfer» Sinn als die Menschen, die jeßt ohne Ahnung von Dem, waS sich ihnen naht, dasitzen l Wenn sie eS wüßttnl Wie j würden sie emporspringen und mit Anträgen und Bittschriften > sich herandrängen, wie wenn einer ihrer Könige sie besuchte! i Und welch' ein König, der jetzt kommt! " „Der Herrgott sagte — Sie verstehen, er sagte es nicht —: „Ich bekomme ihre Bitten und Gesuche jeden Tag, besonders aber am Abend." „Elias frug: „Sind sie gescheidt?" „Der Herrgott antwortete: „Wenn sie sie aus meinevi Buche vorttagen, so sind sie gescheid, aber sehr lang." „„Sind sie sonst noch gescheidt?" frug Elias. '"„„Selten", antwortete der Herrgott. ' „„Wenn Deine Majestät es erlaubt", sagte Elias, „möchte ich fragen, ob du nie versucht hast, einem Menschen zu willfahren, wenn er um Etwas bat, daß nicht im Buche stand?" „Der Herrgott antwortete: „Ja." „Und dann? will Deine Majestät mir erlauben zu fragen, ob es einen guten Ausgang genommen hat?" „„Niemals", antwortete der Herrgott, „einen einzigen Fall ausgenommen." 1 „Elias sagte: „Ist es Deinem unterthänigen Knecht erlaubt, zu fragen: welchen Fall?" „Der Herrgott antwortete — aber ich sage es Ihnen noch einmal, daß ich keine Berantworttichkett übernehme und meine Worte seien ohne Entheiligung gesprochen! — der Herrgott antwortete: „Ziel und Endzweck des Menschen ist Uebereinstimmung mit sich selbst. Bei der Schöpfung sind ihm die Mittel dazu gegeben worden. Andere Mittel bringe» Disharmonie hervor." „Elias rief eifrig: „Sollte es denn in dieser ganzen Stad: keinen ^Einzigen geben, der um etwas Gescheidles bitten wird? — nicht um Rrichthum, denn er führt zu Uebermuth und Thorheit — nicht um ein Weib, denn es mag die Seele von Dir, o Herr, abwenden — nicht um langes Leben, denn dabei wird man einsam, freundelos — sondern um etwas Besseres und Vernünfttgeres, um Etwas, das mit ihm selbst übereinstimmt." „Der Herrgott antwortete: „Es ist in dieser Stadt Einer, der Nichts von all' dein wünschen wird." (z«rs«»ung folgt). - I Gut abgetruurpst. Auf seiner Jnspectionsreise durch Steiermark enrpfing der Statthalter v. Kübeck jüngst allerhand Deputationen. Unter diesen befand sich auch die Gemeindevertretung einer benachbarten Ortschaft, welche weit und breit als ulttamontan vom besten Wasser gilt. Die guten Leute kämen, um gegen die neuen Schulgesetze zu protestiren und den Statthalter zu bitten, diese- Teufelswerk, das die Jugend nur entchristliche und die Bevölkerung demoralisire — „abzuschaffen". Baron Kübeck hörte den Sprecher der Deputation ruhig an und fragte ihn dann: „Gut, ihr wolt eine katholische Schule. Ist euer jetziger Lehrer denn ein Jude?" — „Nein," war die Antwort, das nicht, aber es könnte ein Jude Lehrer werden." — Der Statthalter fzchr fort: „Wer unterrichtet wol eure Kinder in der Religion? — „Gott sei Tank, der Herr Dechant, athmete der Sprecher auf. — „Ist der Dechant vielleicht ein Jude?" lautete die nächste verfängliche Frage. — „Gott bewahre." fiel der Sprecher rasch ein und machte Miene, fich zu bekreuzigen; „um den Herrn Dechant ist es uns auch gar nicht zu thun, sondern um den Lehrer, der nach der neuen Ordnung heirathen und uns Kinder auf den Hals setzen kann." — Ja, aber das konnte ja der frühere Lehrer auch?" fragte Baron Kübeck verwundert. — Die Deputation lächelte pfiffig. „Das schon, aber wenn er eS gethan Hütte, würden wir ihn davongejagt haben, was wir jetzt leider nicht mehr dürfen." — „Wenn das," schloß der Statthalter entrüstet, „eure christkatholische Nächstenliebe sein soll, von der ihr so viel Aufhebens macht, so habe ich weiter, nichtmit euch zu sprechen " Darauf kehrte er der Depnta/ tton den Rücken. / n