Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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4? -Schrift für die religiösen »nd soriLen Interessen des Iudeuthums PrM tiettesttchrltch S0 e^&et*r•^4en. -m—•»* — ■ - — * - 9SVi*WR9|9M|c (■eMe toetfroltife yrttytU *kct kenn Kaum l'/i «T- Aabbiner Dt. Magdek ut und Heraut-rbrr Trenenfeli in Stettin. 15. Mai 1872. Zu deziehm durch all« Buchhandlungen und Poßanstalun. Jtfmin Vuualtut la kn Hof-Buchdrucktrri von Qatl jjriefe in Magdeburg. Inhalt. fietttube Artikel! Deutsch.Israelischer Taub: Berlin. Berlin, drefelb. München. — Oefterreichi < uub neuefte Raebtiehttur Äojmln. Sachsen-Meiniugen. tmbou Wilna, «onftantinopei. Bukarest. Persien. Kew-York Venisch-Jsrnriitischer Se«ei>ded«nd. (Schluß.) Die au« 16 $$. bestehenden Statuten werden Debatte genehmigt. Der Vorsitzende exklärtnunmehr d«n( Hund für constttuirt; iu den» u «s ch u ß für di««rste(dreijä .waltun giperiode «erde» einftimmig durch Acrlamation \ Mt HH. Dr. Houigmaun (8rt«Iau),' Rochtsauwalt (Nürnberg), Advocot Lehmann (Dresden), vr. Ortenan (Fürth). Herr Kohner referirt nun über den ersten Gegenstand derBerathungeniArmenpflegewesenundGemeindebeamten- Pensionswesen. Rach einem Blicke auf die biblischen <9e» setzeSbestimmungen, „welche eine Grundlage für die Humanitären Gesetze aller Kulturvölker bilden und schon damals die sociale Krage zu Ibsen bestrebt waren," und auf di« Entwickelung, welch« die israelitische Wohthbtigkeit im Geiste jener biblischen Gesetz« genommen hatte, fährt der Redner fort: „Za, während de» Mittelaller«, während der blutigen Verfolgungen ... haben unser« Ahnen durch ihre Fürsorge für die Kinder der Armuth sich den Adelshrtef edelster Humanttät erworben, durch Dahin» gäbe de« Zehnten vom geretteten Gute, während die Verfolger sich bereicherten durch Erpreflung und Raubritterthum. Aber auch da« Mittelalter, da« für uns fast bi« in unsere Tage hereinreichte, ist überwunden worden. Wenn geistreiche voll«» wirthschaftliche Historiker beim deutschen Volke, besonder« in seinen wirthschaftlichen Verhältnissen noch heute die Folg« und Spuren de« Dreißigjährigen Kriege« Nachweise» zu können behaupten, so darf da« deutsche Israel von sich sagen, e« habe im Mittelalter viele Dreißigjährige Kriege durchgemacht und sich doch gänzllch von denselben erholt durch Energie, Fleiß, Sparsamkett und strenge Sitte in Familie, Hau« und Gemeinde." Auf die socialen Verhältnisse der deutschen Juden könne man demnach im allgemeinen mit Befriedigung blicken. „Ein trübere« Bild zeigt sich jedoch dem Blick, wenn wir un« nach Osten wenden, nach jenen, in der Kultur zurückgebliebenen Staaten, wo unsere Glaubensgenoffen sich noch durch politischen und socialen Druck i« Zustande de« Mittelalter« befinden. »einbebunb. (Schlug.) — Berichte und Korrespondenten. ©eutfdw Bleu. Wien — Ru gl and und Polen- Warschau. — Vtrmisehtt ’ a. M. München. Lemberg. Paris. Pari». Monlbüllard. Bordeau::. Ittou: Keifebriefe au» dem Orient — Iuseratt. Berichtig»»«. Diesen haben wir unsere volle Theilnahme zuzuwendm und deren Hebung in Bildung und Wohlstand zu fördern, in dein Sinne, wie die« der Geschäft-führende Ausschuß in seinen Rundschreiben an die Gemeinden Rußland« und Polen« iu August 1871 ausgedrückt, in welchem dieselben aufgefordeei werden, ein bevollmächtigte« Central-Comitö zu bilden, mit welchem der Gemeindebund wegen Förderung guter Zwecke in Eorrespondeuz treten könnte. Mtt oster Macht aber «äffen wir die Art bekämpfet, sucht durch die Wanderbettelei. Diese« wandernde social« Äeu d, da« unsere Straßen durchzieht und die Gemeinden überflutbet, ist eine Schmach für Israel und fruchtto« für die Betreffend-u selbst. E« ist genügend erörtert, daß die Unterstützung dies.-« vagabondirrndcn Leben« nur demoralistrend und entehrend wirkt; aber weniger bekannt ist, welch' verderbliche« Beispiel e« giebt. S« hat stch eine Art Industrie, eine gewiffe.Speculation auf den Wohtthättgkeitsfinn herau«gebildet, die stch im plötzlichen Auftauchen von gleichmäßigen Berarmunglursachen ausdrückt, sobald nur ein allgemeine« bekannt gewordene« Unglück irgendwo stattfindet. Ist irgendwo ein Brand ausgebrochen, so wird dara ff gereist; uiid ich entdeckte in Fällen, wo ich direct bei der Ge meinde anftagte, entschieden« Fälschungen. Simulirte Krankheften werden von gewissen Aerzten in bedenklicher Weise attestirt. Rach dem Kriege entstand eine Kategorie junger Wehrmänner- Wittwen höchst zweifelhaftester Art. Simulirte Opfer de« Kriege« vom Elsaß her oder der franzöfischen Au «Weisungen erschienen mtt nachgebildeten Stempeln (Sensation). Dies» Unwesen ist eine Folge der stet« offenen Unterstl,tzung«haud der Gemeinden und Armenvereine. Au« meiner Sammlung stattstischer Angaben über den Aufwand der Gemeinden für die vagabondirende Bettelei ergeben stch schon hohe Ziffern. E» gab ,. B in, letzten Iabtr München 3800 st, Wärzburg 2980 st, Fürth über 30(0 st, Köln gegen 8000 Thlr. für die Wanderbettelei; ich glaube, wenn die Zusammenstellung vollständig sein wird, »erden stch in Deutschland gegen 200,000 Thlr. als an der Wanderbetteiei verschwendet ergeben. (Rufe au» der versammlunz: Wett »ehr, wett mehr!)