Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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148 nicht wie Gold, und der dabei doch nicht so nach -ist, M daß er nicht wissen sollte, wie weit Biel« in den Gemeinden Deutschlands und manche Gründer des Bundes §>on seinen religiösen Ansichten entfeWt sind. Luch «in W«Müß»ngSsch»Aben der Anglo-Jewüh Fssoqjation ist «itthMe>Ow«xth; pflegen wir doch sonst auf stie Stimm«», a»f de» ßd«stall «eskändjscher BeurtheUer etwas zu geben. ^»»don, 22 Lst«l 1872. Sir, da ich aus den Blättern erfahren habe, daß die Eonsttuirung des Gemeindebundes bevorsteht, so bringe ich Ihnen, dem Urheber dieser bedeutsamen Bewegung, und durch Sie den vereinigten deutschen Gemeinden meine tiefgefühltesten Glückwünsche dar zu dem hochwichtigen Ereigniß, daß sich soeben unter ihrer Führung vollendet. Es ist überaus erfreulich, zu sehen, wie unsere dorttgen Glaubensbrüder, die Mitbürger der großen deutschen Nation, die theilnehmen an deren Ernst unb geistigem Leben, wie diese zu der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer Einigung durchgedrungen sind und sich hiedurch in die Lage versetzt haben, den ihnen gebührenden Vlatz einzunehmen in der gewaltigen Entwickelung, durch die das jüdische Volk in der ganzen gebildeten Welt sich auszeichnet. Jetzt erst, nachdem sie diesen Mittelpunkt gebildet, werden die deutschen Juden fähig sein, jenen heilsamen Einfluß auf das Schicksal ihres Volkes zu üben, welcher der hervorragenden Stellung gebührt, die sie in gesellschaftlicher, bürgerlicher, geistiger und sittlicher Beziehung einnehmen. Ich fühle mich um so mehr gedrungen, dieses bedeutsame Ereigniß zu begrüßen, als auch wir in England einen Bund gebildrt haben, der die Bestrebungen concentriren soll, die bisher von Einzelne» oder von vereinzelten Gemeinden gemacht und welch« daher zur Anregung und Unterhaltung einestetigen Vorwärtsgehens weniger geeignet waren, als wenn sie unter der Leitung einer Centralbehörde und mit den gesteigerten Mitteln vrreinter Thättgkeit verfolgt worden wären. Indem ich Ihnen und durch Sie den vereinigten Gemeinden unfern brüderlichen Gruß darbringe, und Sie unserer warmen Sympathie und Bereitwilligkeit versichere, mit Ihnen bei jeder Gelegenheit zusammenzuwirken, bei welcher gemeinsame Thätigkeit für das Wohl Israels sich als nützlich Herausstellen sollte, bleibe ich, geschätzter Herr, mit der größten Hochachtung (Unterz.: Jacob Waley). Moritz Kühner, Esq., Präsidnit des Gemeindetages." Die Antwort BismarkS auf die an ihm gerichtete Adresse lautet: Berlin, den 23. April 872. ,,'Zw. Wohlgeboren und Ihren Herren Auftraggebern unterlrsse ich nicht, für die mir in der geehrten Zuschrift ä. ä. Leipzig den 14. d. M. ausgedrückten Gesinnungen des Vertrauens und der Ergebenheit"meinen verbindlichen Dank auszusprechen. gez. v. Bismark. An den Vorsitzenden der constituirenden Versammlung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Herrn Moritz Kohner." Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende folgend:» Rechenschaftsbericht, der über die Thättgkeit des geschäft-führenden Ausschusses während deverflossenen Provisorium- Aufschluß gibt: „Der Unterzeichnete Geschästsführind«'Ausschuß, vom eiche» Gemchrdetäg in seiner Sitzung vom 2. Juli 1869 ernqpcht, hat stine Thättgkeit mit Veröffentlichung der über den gedachten ersten Gemeindetag am 29. Juni, 1. und 2. Juli 1869 aufgenommenen Protokolle begonnen, im August 1869 ein« Einladung an sämmttiche deutsch -israelittschen Gemeinden zur Beitrittserklärung bis 1. Oktober 1869 mit angefügtem Anschlußformular erlaffen und am 1. und 2. Januar 1870 in Leipzig eine Sitzung abgehalten, an welcher die vom Ausschuß zugezogenen Herren Prof. Rr. Fürst, Rabbiner Dr. Goldschmidt, Prof. Dr. Lazarus, Jakob Nachod, Dr. Philippson außer den Unterzeichneten theilnahincn. Zn dieser Ausschußsitzung — bis zu welcher 42 Gemeinden sich aiigemeldet — wurden die dein Gemeindebund zunächst obliegenden Fragen des Armen- und Pensionswesens, die Stellung zur Alliance und zur Hochschulfrage erörtert. In seiner zweiten am 1. Mai 1870 wiederum zu Leipzig abgehaltenen Sitzung, an welcher die Herren Feigl, Ado. Iosephthal und Unterzeichnete theilnahmen, ward der Grundsatz einsttmmig zum Beschluß erhoben, daß der Gemeindebund lediglich dasjenige ins Auge zu fassen und zu fördern habe, was die Religionsgemeinden eint, also die Pflege und Förderung ihrer Verwaltungs- und Wohlthättgkeitsinstitute. An diese Ausschußsitzung schloß sich eine öffentliche Versammlung von Glanbensgenoffen in der Synagoge zu Leipzig, (mit eine solche bereits am 28. April stattgefunden), in welcher die Förderung des Gemeindebundes angeregt und besprochen wurde. Eine dritte derartige Versammlung ward ebenda nach glückUcher Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges am 20. April 1871 abgehalten, bis wohin 58 Gemeinden beigetreten waren. Die Verhandlungen dieser Versammlung sind gedruckt versendet worden. Der Geschäftsführende Ausschuß erließ im Jahre 187 i einen deutschen und hebräischen Aufruf an die russischen Glaubensgenossen zur Bildung von Centralausschüffen, die auf Förderung der Cultur und auf Beseitigung der Wanderbettelei hinwirken sollen. Bis dahin waren 75 Gemeinden beigetreten. Außerdem hat der Ausschuß sich in fortwährender Correspondenz, wie unter sich, so mit Gemeinden, Redacttonen und Privaten befunden, durch seinen Vorsitzenden mehrfache Veröffentlichungen erlassen und veranlaßt, und ist am 12. März, nachdem die vom ersten Gemeindetag erforderte Minimalzahl von 100 Gemeinden nahezu erreicht war (96), zur Berufung des zweiten Gemeindelags vorgcschritlen, mit dessen Eröffnung ein Mandat sich erledigt." (Schluß folgt.) Berichte und Correspondenzen. Stelli«, 1. Mai. Zn Beziehung auf die im vorigen Blatte in der Eorrespond. aus Norddeutschland erwähnten „Wiener Briefe" des „Israelit", werden wir noch ersucht Folgendes mitzutheilen: Herr Dr. Brüll hat niemals eine Rabbinats-Autorisation von Herrn Dr. Güdemann verlangt, letzerer ist also nie in der Lage gewesen, jenem eine solche zu ertheilen. — Das Localcomitö der ^Ilmoos Jar. Univ. in Verlad hat an den Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde ein Dankschreiben für deffen Verwendung bei dem Fürsten Bismark gerichtet.