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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 17-18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 17-18.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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138 vor dem Bild« „sich von selbst entzünde." Gevatterinnen, .-Schinnen und «in Heer von Kunden dieses Kleinhändlers trugen die Kunde davon in der Stadt herum, und so kam eS, daß „die Gläubigen" in die Wohnung deS Händlers strömten, Kerzen weihten und Svenden darbrachten — bis schließlich die Polizei einschritt, den Haufen auseinander trieb und den Besitzer nebst seinem Heiligenbilde arrettrte. Der Vorfall wäre an und für sich unbedeutend, wenn er nickt Zeugnis für die Sttmmung des Volkes ablegte, die zu Anschlägen seitens des Stadtchefs Veranlassung gab, welche das Zusammenrotten und Stehenbleiben auf den Straßen verbieten. Der Grund zu diesem Vorfall ist einfach genug: Dem Gemüsehändler wurde vom Hausbesitzer, einem Zuren, die Wohnung gekündigt, und da erdachte ersterer das Märchen von dem Wunder, um solcher Weise nicht an die Luit gesetzt zu werden. Was den eigentlichen Diebstahl anlangt, so ist der Schmied, welcher den falschen Schlüssel angeirrttgt und bei dem Diebstahl Wache gehalten hat, verhaftet worden und geständig." Wie die „Magd. Ztg." meldet, ist das aus der Kathedrale von Odessa abhanden gekommene muuderthätige Bild der Kasperowka'schen Mutter Gottes von einem Soldaten der Quarantäne-Compagnie unweit deS Michaelklosters in einer zu Baumpflanzungen bereiteten Grube gefunden worden. Dasselbe war in ein Tuch gewickelt; dabei ein Schlüssel und ein Stemmeisrn. Frankreich. Paris. Am 27. März verschied Leopold Zaval, Abgeordneter des Departements Aonne, Mitglied des Central- Corisistoriums für den Oberrhein (bis zur Annexion) und des Central-Comitäs, Offizier der Ehrenlegion. Der Präsident der National-Versammlung zeigte seinen Tod mit folgenden Worten an: „Meine Herren! Ich habe der Versammlung eine schnierzliche Mittheilung zu machen. (Bewegung.) Wir haben einen unserer ausgezeichnetsten Collegen verloren, der zugleich vielen unter uns ein ausgezeichneter Freund war: Herr Zaval, ein vollkommener Ehrenmann, dessen Verlust der Versammlung einmürhiges Bedauern verursachen wird. (Ja, ja, geiviß!) — Es wurde hierauf eine Deputation ausgelost, welche die Versammlung bei der Beerdigung zu vertreten hatte. Auch der Prinz von Zoinoille befand sich unter den Ausgelosten. Bei der Leichenfeier wurden Reden gehalten: von Z. Kak n, Obrrrabbiner, Guichard, Deputirter der Aonne, Franck, vom Institut, und zum Schlüsse vom Oberrabbiner Isidor. Stop. Zaval war 1810 in Mühlhausen geboren. (Zn einem Journal ist 1804 angegeben.) Er widmete sich erst dem Kriegsdienste, machte Feldzüge in Algier mit und zeichnete sich bei der Eroberung von Blidah aus. Er wagte sich nämlich ganz allein in die Stadt, bestieg das Minr.ret einer! Mo'che« und gab von dort auS ein mit General Clauset verabredetes Zeichen, worauf der Sturm gelang. Auch an der Eroberung von Medeah nahm er Theil, musste jedoch dann, j seiner geschwächten Gesundheit halber, den Dienst verlassen.! artiges landwirtschaftliches Institut in der Gironde. Seit 1852 verttat er das mehrgenannte Departement ununterbrochen. Die Nachrufe der verschiedenen Blätter und die Auszüge aus den Leichenreden lassen in Zaval einen Mann erkennen, der — von seinen bedeutenden Geistesgaben abgesehen — rin seltenes Herz besaß. Wohlthättg liebenswürdig, überaus bescheiden, Israelit mit ganzer Seele, human in der der edelsten Bedeutung des Wortes; wenn noch etwas ganz besonders hervorgehoben werden kann, so wäre es seine Familtenliebe. Aber, sagte einer der Redner „in seinem Geiste stellte die ReligionSgemeinde, der anzugehören er seinen Ruhm nannte, nur eine erweiterte Familie dar." Während der Belagerung blieb er in Paris und war aufopfernd thätig. Zn seinem Departement war er sehr populär, die französischen Juden müssen seinen Verlust als einen herben empfinde». — Arch. Jsr. machen die, allerdings frappante Bemerkung, daß schnell nacheinander drei Zierden des französischen Judenthums abgerusen worden seien. Zaval, der Arzt, Michel Levy (siehe Nr. 15) und Gustav Halphen, und daß von diesen der erste in Mülhausen, der zweite in Straßburg, der dritte in Metz geboren sei, so daß jedes der drei abgettennten Departements in dieser Trauerliste vertreten sei. — Amerika. Aew-Hork. , Zew. Mes." widmet einen Leitartikel der Klage über das Borgehen mehrerer, besonders jüngerer Lehrer in den öffentlichen Schulen der Stadt, welche jüdische Schüler mit religiösen, d. h. christlich dogmatischen Fragen, Verfänglichkeiten und Anzüglichkeiten tribuliren und durch das Verlangen, daß sie specifisch christtich Lieder lernen sollen, quälen, andernfalls aber in Censur und Sangordnung zurücksetzen. — Das von dem schon vor mehreren Jahren verstorbenen Arzt Simeon Abraham hinterlassene Testament komnit laut der darin festgesetzten Bestimmungen nunmehr theilweise in Ausführung. Nach denselben erhält das Berg-Sinai-Hospital und das jüdische Waisenhaus je 25,000 Dollar. Ein zu Gunsten des Waisenasyls zu Cleveland in Cincinati veranstaltetes Fair (Ausstellung) erzielte eine Netto - Einnahme von 25,000 Dollars. Australien. Meköonrne. Auch hier befindet sich eine Missionsgesellschaft zur Verbreitung des ChristenthumS unter den Juden; dieser stehen aber die bedeutenden Mittel, wie sie die Londoner Gesellschaft besitzt, nicht zu Gebote; ihre Sammlung vom verflossenen Jahr« weist eine kaum nennenswerthe Summe auf. — Am Jahrestage der Gründung der South-Australia- Colonie (28. December 1836, ein Tag, der hier als Feiertag . gehalten wird) gab Herr Emanuel Salamon in Adelaide, früher Mitglied des gesetzgebend:» Rath es, ein großes Banquett, an welchem 510 Bürger Theil nahmen. Seine Einladung erging nur an Personen, die vor 1841 in dieser Colo- Er ttat erst in das Geschäft seines Vater« zurück, associrte sich! nie ansässig waren. Die Tafel war nur mit “IM Speisen dann mit dem bekannten Hause Kichlin, rief die erste Eisenbahn in Frankreich (Mülhausen - Cornay) ins Leben und wandte dann seine Thättgkeit besonders der Landwirthschaft zu. Im Departement der Aonne gründete er eine Musterwirthschaft, und man verdankt ihm die erste landwirthschaftliche Ausstellung in Frankreich. Ebenso schuf er ein großbesetzt. Der Präsident des gesetzgebenden RathrS und Mitglieder des Ministeriums wohnten dem Festessen bei. (Austr. Z»r.) Bterz« et«« Beilage. Druck und Verlag der Hof-Buchdruckerei von Carl Friese in Magdeburg.

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