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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 17-18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 17-18.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I'-1718.-1872. 3 Jahrgang. Wochen^Zchrift für die religiösen und sorialenzJntereyen des Jndenthums. Erscheint jeden Mittwoch. Prell Herteljihrlich 20 Stlbergroschen. Iufertivusgebühr f»r »u dreispalttg« Petttzeilr oder deren Raum 1'/, «gr. Verantwortlicher RedakteEnnd Herautgeber Rabbiner vr. Ä. TretMfels in Stettin. Magdeburg, 24.Mpril 1872. Zu beziehen durch all« Buchhandlungen und Postanstalte». Iuserate«»Annahme t» kn Hof »Buchdruckern von Earl Friese in Magdeburg. Inhalt de» Hauptblatte». Leitende Artikel» Israel in stimme au» Rußland. — Berichte und Korrespondentenr Den« deutschland. Au» Oberschlesien. — Oesterreich: Nickoliburg. — Rußl Australien: Melbourne. MT* Dt« PrssachfeKrS w'kstkll stkben wir beste eint Doppel ^Urzeit und in der Gegenwart. Zum Pessachfeste 5632. — Nn- (lonb: Stettin. Berlin. Nönigiberg. Neu-Stettin. Au» Norde Odessa. — Frankreich; Pari». — Amerika; New-York. — »er. Die nächste Nummer erscheint am 8. Mai. "W8 Israel in der Urzeit und in der Gegenwart. An« Pessachfeste 3632. DaS Geburtstest Israels naht heran, das Fest unserer Befreiung. Viele Jahrhunderte hindurch hat ein gewaltiger Muth, ein felsenfestes Vertrauen dazu gehört, wenn unsere Ahnen das Fest gefeiert, sich der Befreiung gefreut und den Befreier gepriesen haben, während sie selbst in einer Sclaverei gehalten wurden, die an Härte und Schwere der egyptischen wenig nachstand. Wir wissen, wie ungebeugt ihr Muth geblieben ist, wie fie unverzagt von Jahr zu Jahr gerufm haben; „im nächsten Jahre werden wir frei sein," und wie sie täglich das Bekenntniß ausgesprochen haben, „Gott hat uns zu ewiger Freiheit geführt." Es ist besser geworden für uns, unvergleichlich bester; aber ist nichts vorhanden, was uns im Hinblick auf das Geburtssest Israels tvibe stimmen könnte? Vordem seufzte Israel nach Freiheit, aber es war geeinigt in sich und lebte ganz, einig und einzig, in seinem Gotte und in seiner Religion — jetzt haben wir in Beziehung auf Freiheit wenig mehr zu wünschen, aber es schwindet die^Einheit, das alte, schöne, stolze Wort: „Israel ein einiges Volk" hr»ht zur Lüge zu werden. Und wenn Jemand glauben sollte^ der Gegensatz von Freiheit und Einheit sei mehr politischer als religiöser Art, so halten wir uns an den echt jüdisch-religiösen, auch schwer entsprechend wiederzugebrnden Begriff „Schalom!“ „Friede" nach außen hatten unsere Vorfahren selten, die Welt stand'ihnen feindlich gegenüber, aber sie harten „Frieden" in sich und waren schalom „ganz" in Gott und mit ihm — jetzt fehlt dieser Fried« und dieses „Ganz sein," diese volle Hingebung, dieser 8chalom schwindet aus den Herzen, den Häusern, den Gemeinden, der Gesammlheit; und doch „wenn kein Frieden da ist, ist nicht« [©uttä] da." Ein Blick auf die Urzeit wird uns Lehre und Beruhigug gewähren. Denn „waS da gewesen ist, das wird wieder sein, und was geschehen ist, wird wieder geschehen," und „waS den Vätern begegnet ist, ist ein Wahrzeichen für die Nachkommen." Da« Peffachfest zeigt uns unsere Vorfahren schon am siebenten Tage ihres VolkSdaseinS in verzweifelter Lage am Schilfmeer. Eben waren sie „mit erhobener Hand" ausgezogen und sahen sich plötzlich in Gefahr, größer als die, der fie entronnen re». Wir wissen, wie sie errettet wurden, aber jene Stunde der Urzeit Israels ist bedeutungsvoll. „An seinen Thaten b der Knabe erkannt;" sehen wir, wie Israel sich betrugen damals, als es nach der Propheten Wort, „ein Kunde von Gott geliebt und aus Egypten gerufen." Wi>: hat el in jener Stunde sich benommen? Es ist Lehrreich für Gegenwatt. die mit der damaligen Lage Israels Aehnlichö-igt. Auch wir sind in allen Ländern der europäischen Bildung ung von derKnechtschast frei^8»orden,diepharaonisch auf uni gelastet. Aber indem nun Israel immer vorwärts zieht, wie wir hoffen immer weiter dem Land der Verheißung, immer befferen Tagen entgegen, dürfen wir nicht vergessen, daß hinter uns immer noch der Feind einherzieht, zwar nicht ganz wie damals mit Rossen, Reitern und Wagen, aber doch mit anderen Waffen, immer mächttg und übermächttg genug für uns, und wie Pharao und seine Diener damals sprachen: „was haben wir grthan, daß wir die Kinder Israels aus der Knechstchaft entlassen haben," so spricht noch jetzt mancher erbitterte Gegner, mancher große und kleine Pharao. Alle die finstern Mächte, die Israel tausend Jahre gehetzt und öluttg verfolgt haben, sie folgen noch unserer Spur und haben sie nicht verloren und rufen noch: „ich hole sie ein!" Und vor uns liegt das Meer! Ein rothes Meer des Blutes? das verhüte Gott! Aber ein anderes Meer, besten Wellen brausen, und das geistige Erbtheil Israels, seine Eigenthümlichkeit und Selbstständigkeit und damit sein Bestehen selbst zu verschlingen drohen. Ein Meer des Zweifels, des Unglaubens, d«S Weltsinns und der Weltlust., Daß mancher Sproß Israels in ihm schon versunken, daß es manches kostbare Stück von unserem Erbe verschlungen, daß mancher sich nur gerettet hat, nachdem er alles von sich geworfen und nun dasteht, wie der Prophet das Won anwendet, „nackt und bloß" — das allebedarf wohl kaum einer Andeutung. So stehen wir, nrrnrt *t ,JO!? an der Aufgangspforte der Freiheit, OTTfa ^1*UÖ 'S* zwischen dem „Thurme," der Zwingburg der alten Knechtschaft und jenem Meere. Und nun wollen wir vergleichen. Am Meere theilte Israel sich in Parteien. Die Schrift selbst sagp^as nicht ausdrücklich, aber die alte Deutung liest es au-< .n Worten, die Moses

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