Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IS'"» ft 8. -1872, 8. Jahrgang. » Wochen-Zchrtst für die religiösen und soeiale» Interessen des Jndenthnms. Erscheint jeden Mttwoch. Pre«, vierteljährlich 20 Silbergroschen. I»s«rt1»»<g«b»hr ftr »i« dreispaltig« Petttzeil« oder deren Raum 1'/, Sgr. verantwortlichw Ridakteur »nd Herausgeber Rabbiner vr. 1 Lrenenfels in Stettin. --HK-r— Magdeburg, 21. Februar 1872. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalte». Inserat«« - Annahme t» der Hof» Buchdruckerei von llarl Friese in Magdeburg. Inhalt. Leitend« Arttkelr Jüdisch« ZustSnde u^^V^^nNse^n^ngäri^nd'^^eütschländ^^^BHickt^Ied Lorrespvndenzenr Deutschland: Stettin. Berlin. Brerlau. Rmstettin. Altona. Hamburg. Oesterreich: Dien. — Vermischte und nrneftr Nachrickrtoenr Bukarest. Berlin. Rybnik-Pleß. Aug»b«g. Praß. Pest. Pari». Babylon. Adeleide. — Feuilletonr Zwanzig Dukaten für Lösung der Iudenfrag«. — S» kommt aus 1,1« Ansicht «e. — vacanzen-Lift«. — Ltrllen-Gesuch«. — Inserate. — Briefkasten. 1: Indische Zustände «nd Verhältnisse in Ungarn und in Veutschlaud. Wir haben unS über die entscheidende Wendung, ivelche in dem jüdischen Gemeindewesen in Ungarn gegen End« vor. IabreS eingetreten ist, noch nicht ausgesprochen, wir haben nur daS Thatsächliche berichtet und die Betrachtungen zweier Correspondenten darüber gebracht. Die Art, wie in, auii u»»d über Ungarn polemifirt wird, hat un> jede Lust benommen, irgendwie an dem Gtrtitr ihellzunehmen, «nd wi^chkSeN eine paar weitere Correspondenzen über die Angelegenheit ebenfalls bei Seite gelegt, weil wir an den Angriffen gegen di« von un« gebrachten genug hatten. Wir wollen auch heute unser Urtheil über die ungarischen Zustände nur nach einer Richtung hin aussprechen; wir wollen nämlich die Unsere Leser interesstrende Frage zu beantworten suchen, ob Ahl eine Uebertragung jener Zustände und Verhältnisse nach Deutschland möglich oder, wie wir sagen müssen, 1« befürchten ist. Wir werden unS dabei lediglich auf Mittheilung und Klarstellung von Thatsachen, beziehungsweise beweisenden Schriftstücken beschränken. Daß wir unter den Israeliten Deutschland« dieselben religiösen Parteien, wie in Ungarn, haben, kann im allgemeinen zugegeben werden. Die Zahl derjenigen, welche da« Programm der ungarischen „Gesetzeüwächter" (Schomre hadath) unterschreiben und durchführen möchten, ist jedoch bei un«, auch verhältnißmäßig, nur sehr klein; dagegen wird e« solche Juden, welche sich event. gar keiner Gemeinde anschließen und sich für ganz religionslos erklären würden, in Ungarn ver« hältnißmäßig weniger geben, al« in Deutschland. DaS Zahlverhältniß ist jedoch nicht entscheidend. Der erste durchgreifend« Unterschied ist dieser. In Ungani bestand eine Organisation, welche di« Gesammt-Judenscha^t de« Lande« vereinigte; diese hatte gemeinsame Fonds und dergl., die Regierung verhandelte mtt ihr als einer Gesammtiorpsration. Der Songreß wollte eine neue Organisatton für die Gesammtheit derselben in« Leben rufen. Darüber ist ek zum Bruche gekommen; dt« Orthodoxen, Schomre hadath, haben erklärt, daß sie nicht m«r da« Congreßstatut nicht annehmen könnte«, sondern daß fi« überhaupt mit den nicht zu ihrer Partei Gehörend«« nichts Mehr gemein haben wollten, daß e«.Sur Zeit faktisch zwei „Konfessionen" im JudenthUm gebe, uijff daß der Staat sie als getrennte anerkennen solle. Sie hat» ein Organisationsstatut für ihre Gemeinde und derm GeHnmtheit entworfen und die Regierung gebeten, daffelbe zu samÜoniren. Dies ist geschehen. Di« ungarischen Juden haben als» da« Recht, zweierlei Gemeinden in einem und demselbim bilden und nach ihrer Wahl der einen oder der andern >d von dfr einen zur andern überzutreten, wobei jedoch Statut dafür aesorat bat, daß der A _ veigetretener mit dengrößtkn Schwtee-igkeite«^vkkbtywekk' tst.")^ Aber dürfen stch auch noch andere Gemeinden aust solchem bilden, die weder da» Congreßnoch da« OrganisationSstatat mögen? dürfen Juden auch außerhalb jede» GemeindeverbandeS *) Organis«iiion»statul. $. 7. Einzelne und Fraktionen — denen der etwaige Lu»trin au» dem verband« der llultudgemeind« gestattet ist — st»d gehalten, jenen Verpflichtungen, welche di« Religion »gemeind« di» zu ihrem Au»tritte dritten Personen gegenüber übernommen har, auch fernerhin zu entsprechen, au»genomm«n» wenn st« i',rm Au»ttitt mit zureichenden Gründen motioiren können. Darüber, ob die von dm äulttetendm Einzelnen «der Fractjonen angegebenen Gründe zuretchmd sind »der nicht? entscheid« da» Schiedögericht. Z. 11. In Ttteitigkeitm, welche im Schoße »der zwischm dm Sultu»- gemetndm auftauchen, entscheidm mdgtltig Schted»gerich«e, welche auch nur au» dm Mitgliedern der autonom orthodor.jlldischm Glaubm»gmossen> schaft und nach den dielbezüglichm Normm de» Schulchan-Nruch zu «ühlm und zusammruzustellm stnd- J. 12. Bei Streitigkeiten, welch« «»»schließlich administrativer oter stnancieller Natur sind, wählt jeder Stteittheil je 2 weltliche Mitglieder |u Richtem, btc dann zusammm «inen Rabbi zu sich al» Präfldmtest wählen. Da» Schied»gericht mischeidet mit etnsacher Srimmmmajorirät. ß. 14. Zum Appellattou»schi«d»gericht wählt jeder der strettmdm Dheil« je «inm Rabbi und «in weltliche» Mitglied zu Richtern, di« dann zusammm etnm Rabbi zu sich al» Präsidenten wählen. Di« wellltchm Mitglieder de» Appellaii«n»schled»gertcht«» haben nur ein rotam informatlrnm. Di« Rabbi > Mitglieder de» Appellationlschiedögerichte» mtscheidm mit einfacher Stimmmmajorität. j. 16. Bet wegm religtäsm Angelegmhettm oder Gebränchm austauchendm Diflermze« «ählm di« Stteittheil« da» Gericht ans di« in ß. 14 beschrieben« Weise. Die Rabbi-Mitglieder diese» Schtm»gerich«e» mtschetdm mit einfacher Stimmmmajorität; die weltlichen Mttchieder de»- selim habm nur «in rotmn ivkormatirum. Gegm da» llrsheil diese» Schiedsgerichte» giebt «» kein« Appellation." (Datei wexfm jene Leut« dm dev »schm Rabbinern stet» „hierarchisihe Gelüste" vor. Ist «» wohl denkbar, daß unter deutschen Juden solch« Varagrophen «oneiptrt „erden könnten?!)