Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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8. tzahrgsmp ochen^Zchrift skr Hie religiösen und loriale» Jnteresien des Judeuthum Z» beztetzcn durch all» Buchtzundlungm u»d Postmi-alln, Iufrrute» - Vmlm t» Ht Hot-Vuchbnnteeei wn *«rf Briefe A in Magbebue^. ms Anhalt. ffeitrnfct «rtttell Cnltur und Syrlstenthu». gtzn Dr. Sslblchmlbt, Rabbiner in llolter». — Gericht« orrb CCor W»ds»js»l Deutschland: Berlin. vredlau. lrlsah. Oesterreich: »ich dem südlichen Mähren, van der un,arischen Grm,e. Rnmäni »«lad. «nhland: Petersburg. — vermlsebtt und «iMestr Skachräetzttnr Berlin. Leipzig. Hamburg- Hamburg. Obnhesscu. «ien. « «aäfiel. Luremdur» Pari». rSashtuglon. — Fanilleto»» Di« Humqaistik k. »an Di. «üdemann, ><«chluß> — chine »uuderd. Geschichte. — «riefkasten. Vaennzen-List«. — «ellru-Gesmhe. — Inseratt. — QptmHm fj< Mt Perser.; ' Erscheiut jeden Mittmuch Pmi» «ieNetjährtich 20 «ldeegrasche». IusertluutgedNtzi (to — Mfprihfi Petit^ile »der deren Ramn 1'/. «Vveranruartliiher Redakteur und HerauUgeder Rabbiner vr. X lrtunseli in Stettin. Magdeburg, 14 DWruar.1872. T km. Man merkte ei dem Redner an, daß er sich dem» W»r, damit eine Wahrest ousznsprechey,übtt die sich f äicht mehr streiten ließ«, — und man «PKst «st auch den i Brern, seihst den jüdischen, an, daß sie ftm jener Formel ti Wristenthunk^nnd der Cultur etwa» hörten,' das sie schon ^tzört, in sich aüfgmommm und bereils gut verdaut hab^ sä tzqß est sich gar nicht mehr verlohn«, darüber noch wr, «a^zudmkm. Ist dem aber wirklich so? Ist Christmtho »nch Cnltur in der Thal dasselbe, so daß Christenthu« od «»d. dich «hmejchy» «rdolkhV Nyne1 diese Frage und zwar aust zwei Gründen, über die ich m hier weiter erklüren will. j Ich sage also, Christenthum und Cultur sind darum ni^ zwei einander deckende Begriffe, weil erstüch die Cultur sch^ lange, bevor das Christenthum in die Welt getreten ist, il Knospm und Blüthen getrieben und vielleicht keine viel tief Stufe inne hatte, als sie heute erreicht hat. Diewird frei! von niemand bestritten werden, es ist aber zweckdienlich, Gedanken niher zu begründen. Bekanntlich ist die Wiege al Cultur Aegypten, mit seinen noch bist zur Gegenwart erhalt« k Riesen- Baudenkmälern. Bon hier wurde sie nach Asien' w tragen, und von Asien wandert« sie nach Europa zu Griechen und Römern. Wielhoch «st diese beide, so glückl^ austgestatteien Völker in der Cultur gebracht, davon hat der faty, ein« Ahnung, der nicht, wie di« klassischen Alterthumstforsch, sich in den ganzen Reichthum ihrer geistigm Erzeugniffe »t verttefen weiß. Man sagt kaum zu m'el, wenn man behaupt?" daß fast unsere gauze heutige Cultur nur ein Kind, oder vi leicht nicht gar vielmehr als ein Abklatsch best Klassischen Alle Gebiete unserer geistigm Errungmschaftm warm von l*nj' Griechen und Römern bereitst fleißig angebaut; Wiffensch»«» und Kunst standm bei ihnm in höchster Bttthe und gelangt " ans eine möglichst hohe Stufe ihrer Entwickelungstfähigk? , Wer weiß «st uicht, daß unsere heutige Philosophie und Stav kunst, Porste, Rhetorik und Geschichtstschreidtmg, Rechtswisse— schaft und Mathematik, daß die darstellend« und ptafdr*au Kunst der Gegenwart, Maleret, Skulptur und Archttecsirr M dm altm heidnische». Griechm und Römern in die (sch^ gehm noch? daß alle diese Zweige der Knust und Wiffrnsck vielleicht bei dm oriental Biller» trotz ihrem Lvltnr »«ß Lhriflenttz»«. 9m Rabbiner Dr. 6. Eoldschmidt in doüctg. ' Mtt landläufigen Wahrheiten ist est gerade so, wie mit Münzen aust Edelmetallen: sie gehen so lange von-Hand zu Hand, von Volk zu Volk und werdm für vollvsichtig und vollgültig. angenommen, bist ein Zweifelsüchsiger oder Vorsichtiger sie auf die Wage legt oder ihr Mischungsverhältniß prüft, — und Gewicht oder Mischung zu leicht befundm wer- Gerade so ergeht est Mir.mtt der fast zum Dognza gerv«L<^ri Cnl»» mib, »H.IstnriiNM'P, ade, identische Begriffe wärm. Hirte man jene Worl« nur in Kirchm und aus Kanzeln im Mund« christlicher Theologen, — «st wäre Unrecht, an dieser Stelle auch nur ein Wort darüder zu verlieren. Allein die Formel von der Cultur und .dem Christmthum ist fast wie eine Münze geworden, die von Hanh zu Hand geht und nach dem Nmnwerth« ihres Geprägest für vollgültig angesehm wird; auf der freien Straß: und dem offenen Morde, in den Schulm und Lehrsälm, auf dm Redilerdühnm und Kathedem, überall selbst von Männern der unabhängigen Wiffenschast und freier Forschung Hirt inan Cultur für Christmthum und Christmthum für Eulrur nennm, alst ob «st kein Christmthum außerhalb tet Cultur, und keine Cultur außerhalb best Christmthumst je gegebm hätte. Ich hatte unlängst Gelegenheit, einm Borttag best bekanntm Lfrika-Reismdeo,- vr. Rohlf», mitanzuhörm, — und was mit der erste Satz, mit dem er seinm Borttag einleitete? Er schilderte die Schwierigkeiten und Hindernisse, di« sich dem europäischm Rttsendm in Afrika mtgegmstellm und bezeichnete al» dast grüßte, fast unübersteiglichste Hinderniß dm Moharmuedanistder sich gegm jede Berührung mit christlich« Civilisation derm Vertretern schm adschließe und auf sich seU'st zurückztche, gleich alst ob er instinctartig fühle, daß mtt dem Eintritt best Christmthumst und der Cultur über di« Grenze snnest Gebiete» auch er in sich selbst zusammmstürzm müsse. Diese Iber, alst ob Christmthum und Civllisatiou dasselbe bedeittm, zog sich fast wie ein kettender Fadm durch dm ganzen vmttag vri »erstieg sch zuletzt selbst bist zu der Ansicht, daß die von Spanien über Afrika bi» Palästina zerftreutm Ä)esk»Ll« »»»rischer Architektur zum Wmtgstm vo» dm Maw« silbst, fmda» wahrscheinlich nur von Christrnhändm erbant