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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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fft - tm. *♦ Achrga»g. WocheBSchrist für die religiösen und foeinli» Jntereffen des Jndenlhnms. Erscheint jeden Mittwoch. Prell »ierteljährlich 2V Silbergrvschen. Iuserttousgedtthr ftr die dreispaltige Petitzeile «der deren Rauir. 1'/, Sgr. Verantwortlicher lN«! Rabbiner vr. A m»d Her»>»«g«d?r 'els in Stettin. Magdeburg, 17Panuar 1872 Zu beziehen durch all« vnchhmdl ungen und Postanstalten. Ius».-arrn-Annahme t» Hos-vuchdruckrrri von Earl Friese in Magdeburg. Inhal», keitattd« Arfikrlr Die Zukunft de» Zudrnth Berlin. Breslau. Magdeburg. München. Oesterreich: Men. Me», «merika: New-York. Fruillet,«» Die Humoristi« bei de« Z»I «ir? »der mich? Vacanze»»Piste. Ltellett-Gestuh«. (Schluß). Berichte n»d Correspondenzr«r Deutschland, g. Pest. Frankreich: Pari». Pari». England: London. Mittelalter» »on 0r. Eüdemann. (Fortsetzung.) Nus Die IuKuuft des Zudeal tzums. (Sthluß.) Wir haben aus bemerkenswert he Zeichen einer Umuni» Rückkehr zum Positiven im Iudenthum hingewiesen und Iren Schluß gezogen, daß wir über die Zukunft desielben weniger besorgt zu sein brauchen, als es vor einem Mrnschenalter Iren Anschein gehabt hat. Dagegen wird man uns sagen, jem: Umkehr sei nur eine scheinbare! gehe vielfach nur auf b^i Anbtjfmmksmufukkb der UnwUenheit hervor. Nur'wUviel, Individuen sich um das religiöse Gemeindeleben gar nicht kümmern, überlasten sie denjenigen daS Feld, welche mehr oder weniger der konservativen, ja der stabilen Richtung huldigen. Das Drängen auf gottesdienstliche Reformen sei an den meisten Orten zurückgetrrten, weil der Gottesdienst vielen gleichgiltig sei, weil sie ihn nur selten und auf kurze »jrit besuchen, und nun billig oder auch apathisch genug sind, am dir ständigen Besucher der Synagoge nicht zu stören, wen« diese beim Hergebrachten bleiben wollen. Bon Abschaffung und Lenderung der Gebete reden durchschnittlich in Deutschland nur noch die älteren Reformer, weil die jüngere Generation von ganz anderen geistigen Jntereffen (wenn überhaupt!) beschäftigt werde, und weil sie von den den Reformern mißliübigen Gebeten ebensowenig verstehe, als von den Allen genehmen Die Synoden haben nur darum so äußerst wenig Anklang gefunden, weil diejenigen, auf deren Beifall sie gerechnet hatten, den „erlaubenden" Synodalbefchlüffen längst entwachsen seien, und alle begehrenswerthe Erlaubniß sich längst selber genommen haben. / Das Alles kann durchaus nicht geradezu bestritten, es muß nur eingeschränkt werden. Das im vorigen Blatte täc sagte und Entgegengesetzte ist ebenso thatsächlich. Der Widerspruch löst sich, wenn wir auf die Unterschiede zwischen dem älteren und dem jüngeren Geschlechte aufmerksam achten. T>as jüngere Geschlecht derdeutschen Juden ist theilweise, aber doch nur zu einem kleinen Theile, der Religion überhaupt und dem jüdisch-religiösen Leben, Denken und Fühlen insbesondere entftrmdet. Dieser Thell kommt hier nicht in Betracht. Der andere Theil dagegen steht zwar an Krnntniß des Zudenthums äck, besitzt nicht daS Derständniß des Hebräischen, des Riils rc., welches die Aelteren eingefogen haben; aber dafür die Jüngeren ftei von der Nachahmungssucht und der ^anie, alles Nichtjüdische im Gottesdienst und in religiöser litte schöner und bester zu finden als das Eigene, wie bei dem älteren Geschlechte oft der Fall ist. Sie ferner frei von der Reform sucht, die daS Hergebrachte »S ymändern piff, «eil el hergebracht. und «eil älteren Generatton giebt eS ziemlich viele' diesem Gkdaiiken beherrscht werden und Zahr aus Jahr ein von Reformen reden. Schreiber dieses hat wohl einmal solchem Drängen entgegen gehalten: „Wäre es nicht an der Zeit einmal auf den Händen zu gehen? man geht schon so lange auf den Füßen, wir müßten doch auch einmal da eine Reform eintreten lasten!" Die Mottve, welche ältere- und jüngeres Geschlecht verschiedenartig bewegen, sind nicht schwer zu decken. „Abwechslung ergötzt"; wer mag immer und überall im ausgetreteneit Geleise wandeln? aber der Veränderung, des Neuen, bietet das ganze Leben heutzutage gt.rug und übergenug, das religiöse Moment füllt nicht mehr daS ganze Sein und Denken der Juden aus, und so drängt nichts mehr, die Sucht nach immer Neuem, die Lust am Umgestalten upd Aendern gerade auf diesem Gebiete zu befriedigen. Noch mehr: Neben der Reformlust liegt auch in jedem Menschen ein conservatives Element. Dieses vertrat noch vor zwei bis drei Jahrzehnten in Deutschland der Staat, die Landkarte, die geschäftliche, gewerbliche, sociale Routine, die eherne Schranke deS Herkommens in allen Dingen, alles dasjenige, was sich „wie eine ewige Krankheit forstchleppt" und dem Dichter den Ruf: „Weh' dir, daß du ein Enkel bist" entpreßt hat. Fürwahr, wir haben einen großen Fortschritt gemacht! Jene „saul"-stabilen Elemente sind in Fluß gerathen, da haben sich in kürzester Frist schier ungeheure Revoluttonen vollzogen, und dieses Fortschreiten auf allen Lebensgebieten kann uns nun auch den Segen bringen, daß diejenigen, welche überhaupt ein religiöses Intrrestr haben, eine Ahnung davon gewinnen, daß.es eine Region des Lebens geben müsse, welche

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