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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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o a 17 Wreska«. Hm ersten Lag« de» neu«« Jahre« endet« da« reichbrwrgte Leben eine« Manne«, welcher sich um b«l J Wohl unserer Stadt und um die Linderung der Noth der Armen und Hilfsbedürftigen hohe Verdienste erworben hct. Gewiß will» de«halb die Nachilcht, daß Moritz Schreiber 411« der Reihe der Lebenden geschieden ist, in wetten Kreisen Schmerz und Trauer erwecke». HI« Mitglied de« Verwaltung«- rach« der Oberschlesischen Eisenbahn. al« Vorsteher der Syna- ^og engem rinde und der Industrieschule für Israelitische Mädchen, al« Vorstandsmitglied und Kaffirer der hiesigen Taubstumme i» Unstalt, zeichnete er sich durch seltene Umsicht und rastlose Thätigkeit au«, während er anderseits als Mitglied deS Stadtverordneten»Collegium« lange Jahre hindurch das Wohl der Stadt eifrig zu fördern bemüht war. Sein« wahrhaft humane Gesinnung, bethätigte er in schönster Weise durch liebreiche Unterstützung der Annen und Nothleidenden. (Er war der Schwiegervater Berthold Auerbach's). (Brrsl. Ztg.f den 1. Januar. Gestern Abend ist t>e:; hiesige Oberrabbiner N. Sqmuel Benjamin Schreiber, eine Säule der ungar. Orthodoxie, zum ewigen Leben eingegangen. Da« Andenken des- Fronimen bleibt zum Segen! Feuilleton. Die Humoristik bei ben Juden de« Mittelalters. (Au» einer von Dr. @flbemann in Wien gehauenen Vorlesung) (Fortsetzung.) ES sind nicht gerade die bekanntesten jüdischen Dichter und Dichtungen, für die ich mir Ihre Aufnierksamkeit erbitte, eS find humoristisch erzählte Geschichten, die un« erst in den letzten Jahrzehnten auS Manuskripten und seltenen Drucken zugänglich gemacht worden sind. ES sind allerdings nur kleine Bitter, die ich Ihnen vorführe, aber gehören denn nicht klein« Bilder auch zur Kunstgeschichte? für Denjenigen gewiß, der den Werth der Bilder nicht mit dem Zollstock mißt, und der über» die« ein ebenso große« Interesse für die Entwickelung der Kunst, wie für den einzelnen Kunstgegenstand hegt. Zuerst nenne ich Ihnen den Spanier Don Schemtob b. Jsak Ardutal*). Er schrieb um 1345. Bon seinen Leben«»mständen ist un« nicht« bekannt. Er hat rin schöne« ' Gebet für den BersöhnungStag verfaßt, daß dem spanischen Machsor rinverleibt ist. Außer diesem religiösen Glicht« be» fitzen wir nur noch da» hier zu besprechend« humoristische. Er handhabt darin das Hebräisch« meisterhaft, die witzige [\ Anwendung biblischer Stellen Im Verein mit der Sonderbarkeit I de« Gegenstände« der Dichtung, macht eine grote«k-komische I Wirkung, die sich in der Uebrrsetzung kaum wiedergeben läßt. 7 Di« Dichtung behandelt „den Streit der Feder und der I Scheere". Der Dichter hat nänrlich zuweilen und auch bei Niederst Schreibung dieses Gedichte« sonderbarerweise nicht der Feder, f sondern der Scheere sich bedient, mit deren Spitzen er die Buch- D staben in da« Pergament einkratzt«. Dieser Umstand selbst bildet die veranlasiung und den Gegenstand unsere« Gedichte«. Er beginnt: M war der Winter gekommen, — halt« mit Frost und Reif von Sofien und Feldem Besitz genommen; — und vor dem Sit nie, dem rohen, — war die behagliche Wärme geflohen; — er fiel hernieder so dicht, — daß eine ellenhoh« Schicht — bedeckte der Erd« Gesicht, — denn einen widerstand fand er nicht. — E-n heftiger Nordwind stürmte einher, — schuf zum Festland um ka» Meer, — legte in Bande di» Mühlen, — selbst kein Wasser war, den Durst zu stillen. — Denn jeder Bach und Fluß war geronnen, — erstarrt jeder Dropsen im Brormen, — und selbst da» ermattet« Licht der Sonnen, — ließ nur verstohlen sich blicken, — wie ein Dieb mit scheuen Lücken. — Sin finsterer Nebel hüllt,- sie ein — ein wolkenschleier wrgog ihrm Schein, — und in den Schatten, dt« ring» um fl« lagen — macht, ihr selbst «ohl wärmende Kleidung behagen. — Denn e» war bitter kalt. — und «er widersteh« de« Froste« Gewalt? — Drum saß ein Jeder zu Haus«, — in gemütlicher Klause, — leer war'» auf dm Gassen. —. und auch bet mir «olltr Niemand stch blickm laffm. — Und die tmun Gefährten, — die Freunde, die liebm und wert hm, — mit den« man gern ein Stündchm verpl>- **«, — . »arm vor der Kälte zurückgeschaudert — uno geblieben zu Hau». — Ich schaute umsonst hinan», — um eine.» Freund zu erspäh«; — e» ließ keiner sich sehen. — Da sprach ich: „To muß Ich mir helfm allein, — mir selbst Gesellschafter sein; — Nicht soll, daß die Frmnd« daheim g» bliebm, — mir meine Stimmung trüben; — ein Sprüchwort sagt; wo kein Anderer Dir helfen kann — da sei selbst ein Mann, und wer mit de: Feder weiß umzugehn, — der hat stch dm 'besten Freustd ersehn. — Dem Daumen der rechtm Hand — ward der Zeigefinger (zur Au»,eichnung so genanni), — von Sptt al« Gehvlfe zuerkannt. — Die beiden in raschem Spiel — führen dm Federkiel, — wie ein Lotte»stab sei er verehrt, — ob dem, wa« er schafit — ist er küssm»werth; — denn wie der Baum der SrkmnMiß — so giebt er für Alle« Berständniß. — Nicht minder al» jmcr ruhmumkränz» — sein Name glänzt; — von de» Bösm Gewalt und de« Gutm Kraft — spricht er mit gittlicher Wissen, schast; — drum Prei« ich ihm bringe — und finge: Schreiber, führst Du Flammmblitze, Oder eine« Schwerte» Spitze? Schafist Du schriftliche» Berständniß Mit dem Baume der Srkenntntß? Ließ den Stab Dir Mose» reichen? Woher stammm diese Leichen? (Fonsetzung folgt.) Lönigswarteriaua. Au« der Fülle von Anekdoten, die au« dem Munde KönigSwarter'S stammen, seien hier noch") einige erzählt. Als di« große Börsenkrisis im Jahre 1869 herrinbrach, wurde diese Kalamität an der Börse selbstverständlich lebhaft besprochen und ein Financier warf im Scherze die Phrase hin: „Wenn e« so weiter geht, müssen wir alle noch „schnorren" gehen". „Bei wem"? fiel scharf und bezeichnend der alte Jona« ein. Zu den vielen „Kostgängern" de« Baron König«warter zählten auch die Börsianer Adalbert P . . und Moritz P .. zwei Brüder, die jedoch von dem Baron K. nicht gleichmäßig brüderlich behandelt wurden; denn während er von dem Einen 2 fl. Kostgeld pr. Tag nahm, mußte ihm der Ander« 4 fl. zahlen. Darüber von diesem befragt, warum er da« Doppelte per Tag zahlen müsse, meinte KönigSwarter: „War wollen Sie, bei Ihnen muß ich auch die Rächt zu Hilfe nehmen, denn da muß ich sorgen, wir ich von Ihnen da« Geld bekomme". Die Birsen-Kouliff« betrachtet« er al« sein selbstverständliche« Opfer und al« er an einem kostspieligen Theaterabend, an welchem die Loge 50 fl. kostete, einen plötzlich reichgewordenen Koulisster auf so einem Fünfzlaguldenplaht sah, klagte er scherzend: „Der Mensch verschwendet je mein Geld". Der persönliche Luru« war eben seine Sache nicht. Der vielfach« Millionär war tagtäglich in dem Bäckerladen bet der Börse unter den Galopin« zu sehen, wo er, gleich ihnen,' sein „Salzstange! mit Butter" zu fünf Neukreuzern aß. So einfach er für seine persönliche» Bedürfnisse auch sorgte, die Wohlthättgkeit hat er in fürstlichem Sinne geübt und jährlich mehr al« 30,000 fl. an di« Armen gegeben. Ni« e ein Nothleidender unbeschenkt au« seinem Haus« und dt« ,ang seine« Herzen« war stet« eine edle. Al« er vor zwrt Jahren der Prüfung de« Taubstummen-Jnstitute« beiwohnte, stch lobend über die Leistungen der Schüler aussprach, erwiderte der Direktor: „Ja, man könnte mehr leisten, wenn ein größerer Fond« zur Verfügung stände". „Lasten Sie stch morgen 25,000 fl. bei mir abhole«", sagt« KönigSwarter lakonisch, al« wenn e« sich um eine Bagatelle handeln würde. *) Einige bracht« diese» Blatt unter obiger Rubrik bereit» im Jahrgang 1870 S. 359. *> Sv «enigsteu» sprechen die Sfardim den Namen au».

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