Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 52 (27.12.1871)
- Date
- 1871-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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sie, eon rttigai Ehorege» angeführt, einmal auf den Bretter» «schttaeu, welch« da» „Indentham" dienten, «ach wie vor wieder durch ihre alte Thttlncchmlofigkeit und Gleichgiltigkeit. Hier tu Wien ist e» inpetschen nach nicht einmal z» einer solchen Galavorstellung gekommen. Nachdem mcm eia ganze» Jahr hin» durch tu llßlöffttwttfe verabreichte» „Eingesendtt" im Publicum Stimmung für die Steform« zu machen »ersucht hatte, stellte sich heran», daß von über 4000 Wühlern nur etwa 740 bet der Wablun»» erschiene». Also die übrigen 8300 hatt« offenbar nicht» dagezen, wenn man alle» bet« Alten belaffe» Hütte. Die« ist aber noch da» mindest intereflaate Ergrbutß de» jüngsten enLa^v unirorool. Jntereffautrr und für alle Reformer gewiß ungemein echetternd ist e», daß die hiefige Sieformparttt auch dir conservctiveaEandidatea Königkwatt« uao Soldschmidt auf ihr« Liste gesetzt hatte. Erkläret mir, Graf Oerindur, diese» Räthstt — reformistischer Eonsequenz. (GeschäftSconjuucturl Red.) Wäre da» licht von der Reformpartei geschehe», so würde ich den ganz bescheidenen verdacht äußern, die conservativen Barone wollte man nicht vor den Kopf stoßen, mtt den conservativen Bürgerlichen nahm «an e» leichter. Braudet» und Pollak fehlte« näll Uch auf der Liste der Reformpattei. Aber frttllch, unsere Refumer stad über solche» verdacht erhaben. Nicht minder komisch ist e» anderersett», daß di« Eoafervattve», wenn auch nur btt der Nachwahl, eine« Eandidatea der Reformpattei, Herrn Gutinaun, auf ihr« List« gesetzt hatten. Die genannten Herren wurden alle wieder — uad dazu Hr. vr. Knepler neu gewühlt. Letzterer, obwohl von der Reformparttt aufgestellt, verdankt jedoch seine Wahl nicht zum geringste» Theile den Polen, die, obwohl orthodox, ihm au» landlmaanschaftlichen Rückfichten ihre Stimmen zuwendtten. E» zttgt sich also klar, daß die aux «bliche Printtpienfrage auf ttne bloße Personalfrage zusammenschrumpft. Will mau jedoch au» der Wahl auch nach der Sett, de« Pttnttp» hin et» Ergebniß ziehe», so ist «» die», daß die Geoieind« vorwiegend conservattv ist und btt dem jetzlgea Stande der Dinge ihre Befttedigung findtt. Die» muß jeder ehrliche Vevrthttl«, er nehme welchen Standpunkt immer ei», zugesteh«». Man kann beiden Parteien nicht genug zurufen, da» Möglichste zur Erhaltnng de» Frieden» zu thun, da e» bet einem so große« Gemttndewesen gar nicht abzufehea ist, wa» für Unhell der llnstteden ln ihm aastisten würde. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Die »StaatSb. Ztg.' bettchttt, daß die Poliztt hier dieser Lage btt Aushebung eine» Spielernest«» auch einen Juden gefanzea hat, der da» saubere Gttchäft bettteb, den hier auf Bettelei zurttseaden polnischen Juden die Adreffe» der wohlhabenden m d dabtt «l» wohlthütig bttannte» Mitglieder der jüdischen Gemeinde an die Hand zu geben. Da die Gaben btt denselben wctt rttchlicher fliehen, wenn der „Schnorrer" ttu sogenannter Talmudgelehrt« ist, so statttte L. seine Leute — natürlich gegen entsprechend« Provision auch noch mit Zeugnissen und Empfeh «ug»briefen der größten talmudsschen Autoritäten an«. Diese Papiere hat 'der Judusttterittrr natürlich gefälscht und selbst len größten Ignoranten gegeben. Btt seiner Verhaftung faud man ttne ganze Menge derattiger, mtt den saubersten Stemptt» versehener Cettificate in seinem Besitz, während seinen Kunden die crwähnten HaoSlistm abgenommen worden find. — Der au» dem langen Gtrttt zwischen dem Abgeorduttenhattfe und dem Eulturminist« bekannt« jidssche Obettehrer an der Realschule zu Posen, vr. Jutroftniki, ist nach den Poseuer Zeitung« zum Dirrttor de« von Herrn Rttchenhttm hier gegründetm iörattttischen Saffmhause» gewählt und bitte Wahl vom RepräseutantemEollegima geuehmtgt worden, vr. JutrofiuSkt wird zu Osten» au» feiner Posen« Stellung scheide». »ürtemberg. Nach dem Ettcheiuen de» Gttetzr» vom 18. August 1864 üb« die bürgerliche» v«hältntssr d« Ilratttteu, wonach dt« Armenpflege nicht mehr d« töraelitssche», sondern der politischen Gemeind« obliegt, wurde au» Anlaß ttne» Pro» reffe» dt« Frage zur Erledigung gebracht: ob ott»armen Iörattite» von d« politischen Gemeinde „koschere" Kost oder eine der letz» term entsprechend« Geldunterstützung zu rttchra fei. Der betreffende Gemeinderath hat erklätt» « stt berttt, Kost und Wohnung im allgemttnen Armenhause zu gebe«, zu Wttterem, namentlich zur Gewährung ttn« Geldsumme anstatt d« Kost, stt « nicht verpflichttt. Da» Ob«amt entschied ebenso, die KretSregtenmg dagegen zu Gunst« d« jüdischen vitt^ü«; der Gemttnderath weudtte sich an da« Ministerium» wttche» demsttben Recht gab, in allerletzt« Instanz hat jedoch d« kgl. Gehetm«ath entschieden, daß di« poltttsch« Gemeind« jüdsscheu Armen entwed« Verköstigung in d« den iöraeltttschea Religion»« gttetzr« entsprechenden Form zu Thttl werden lassen, ob« ttne Geldunterstützung in demjenigen Betrag« rttchen müsse, wttch« dem auf di« Verköstigung ttne» christlichen Armen zu machend«» Aufwand, zu Geld b««ch«tt, gleichkömmt. Pest. Im »Pest« Lloyd' bettchttt vr. Ign. Mannhttm« üb« ein« wichttg« Rechtöentschetdung. Wie bekannt, pflege» die Vrüd« ttne» Lräuttgam» ttne« „Ehalizahbtttt" auSzusteüe», d. h. einen Kern», worin fie flch verbindlich mache», vorkommenden Falle» der Wittwe ihre» Bruder» unentgrltlich und ohne Verzögerung Ehalizah zu gewähre». Ab« wie steh» «», wird« vorkommende» Falle», mtt d« Rechtthülf« für dt« voll» ziehbattttt dies« Urkunde? Ist fie dann mehr all ein Blatt Papi«, wird d« Richt« der Wittwe bttftehe» und den Schwager anhaltea, sei« versprechen zu halt»? Wir lass« fetzt vr. Mauahttm« sttbst berichkkn, d« zwtt Fäll« au» sein« Anwattöpenxt« «zählt: „Ich hatte ttnen hiesigen Kaufmann auf Grund «in« solche» Urkunde geklagt. Durch ttnen Formfehl« de» Gegner» mußte ihn da» hiefige Stadtgrttcht nach dem Inhalt je«« Schrift zur Lttstung d« Ehalizah »«halten. Da» Gericht ging hiebtt gar nicht darauf ttn, wottn jene Lttstung bestehen solle, ob d« Act rituell« Natur od« eine profane Handlung sei. E« kam bi» zur Execatton; d« Gegenstand wurde geordntt. I» einem and«en Fall« dagegen, d« ttngehend und um» stündlich vtthaadttt wurde, «hob d« Geklagte die Einwendung, da« Dokument beziehe sich lediglich auf ttn religiöse» Etteuumtel, die gttordette Lttstung stt spettfisch ttne tttnell« Handlung; folglich gehöre die ganz« Sache ttnzig und allein vor da» Sett» sorger-Amt; da» Gettcht stt unzuständig. — D« Zweck diese» Einspruch«» leuchttt ttn: dem Urthttl de» Rabbi»«» gtebt kein Executtontmitttt Nachdruck. Da« Pest« EomitatSgericht zu K«»kem4t Zahl 1386 /1868 gab dies« Einwendung Folge und lehnt« jede mentorische Entscheidung ab. Die königt. Tafel bestätigte unt« Zahl 18,028/1870 diese» Erkenntniß. Ich ge» steh«, daß r» mir btt d« Berufung au den obersten Gerichtshof um die printtpielle Tragweite der Frage und um deren weit» rttchende Maßgabe für and«e Fäll« ebensosehr zu thun war, al« um den ttnzelnen damaligen Fall. E» galt hauptsächlich zwtt«ltt zum klaren Bewußtsein zu bringen: vor Allem, daß der Rever» selbst, wenn « auch in hebräisch« Sprach« abgefaßt sein mag, durchau» nicht zur Rituale d« früh«rn Trauung gehört Hab«, sonder» ein, Obligation stt, wie jede and«e, in d« man sich zu «in« bosttmmtm Lttstung verpflichttt, daß also d« Richt« ein« solchen Verpflichtung seinen Rechtsschutz verltthen müsse, bicfelbe mag sich auf Rituelle« od« Profane« beziehen, sobald nur «wiesen ist, daß dieser