Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 50 (13.12.1871)
- Date
- 1871-12-13
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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401 Geldaristokratie herrscht, die alle Bormtheile gegen Joden theilt» deshalb ist da» Resultat um so intereffanter. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 30. Novb. Einen sehr schönen Zug erzählt man sich vom Geh. Commerzienrath Herrn Bletchröder Hierselbst. Ein Paar Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde, die gewillt ist, durch die Liberalität ihrer Mitglieder einen neuen Flügel an ihre AlterversorgungS-Anstalt anzubauen, um >:r. fünfzig HülfSbedürftige mehr aufzunehmen, gingen mit einer Lifte herum, und zuerst zu Bleichröder. Derselbe fruz, wieviel er zeichnen solle. „20—25,000 Thaler," war die Antwort, „ist die Summe, die wir brauchen." Bleichröder nahm die Liste und schrieb: „Fünfundzwanzig Tausend Thaler, zahlbar an die jüdische Ge» meinde zur Erbauung eine» neuen Flügel» für deren AlterversorgungS-Anstalt," und setzte lächelnd hinzu: „Hier haben Sie, wa» Sie brauchen; nun gehen Sie aber nicht weiter, ich zahle Alle»." (Schl. Z.) Berlin. Am 23. Novbr. starb der Geh. Sanität»»Rath Herzberg, 72 Jahr alt, seit 40 Jahren Armen» und Hospital» Arzt der jüd. Gemeinde. 1830 war er nach Warschau berufen, um dort al» KriegSchirurg thätig zu sein. (I. Pr.) Leipzig, 19. Novb. Ein am hiesigen Bezirksgerichte an» gestellter Referendar jüdischer Consessioa (Wachtel) hatte gegen die hierzulande noch bestehende Beschränkung, daß „jüdische Richter den Bekennern de» christlichen Glauben» dm Eid nicht ibnehmen dürfm", beim könizl. sächsischm Justizministerium Verwahrung eingelegt, unter Berufung auf da» Reichsgesetz vom 4. Juli 1869, welche» alle noch bestehmdm, au» der Verschiedenheit deS religiösm BekmntnisieS hergeleitetm Beschränkungen aufhebt. Obwohl e» Richtern christlicher Confesfion nicht verwehrt ist, jüdisch: Parteien zu vereidigm, und dir» auch oft gmug vorkommt, so hat dmnoch daS Justizministerium dahin mtschiedm, daß eS bei dieser Be» fchränkunz auch fernerhin zu verbleibm habe. Der gmannte Refermdar hat einftweilm dm sächsischm Justizdieust quittirt und wird die Sache vor dm Reichstag bringm. Auch steht zu hoffen, daß der sächsische Larktag noch die Entscheidnng de» Justizminister» umgestaltm wird. (D.A.Z.) Parts. Der „TempS" theilt einm seltenen Act großartiger Wohlthätigkeit mit. Der Banquier Bischofsheim, Chef de» großen Bankhauses Bischostheim und Goldschmidt, Hot bei Ge» legmheit der Feier seiner goldmm Hochzeit der hiesigen iSraelit. Gemeinde die Summ« von 500,000 Franc» zur Gründung eines Asyl» für israelitische Mädchm geschmkt. Hr. Bischostheim ist der Schwiegervater de« talmtvollm Componistm Juliu» Beer, de« Neffen Meyerbeer», und ein naher Verwandter des geist« reichm ParlammtSmitgliede» für Mainz Dr. 8. Lamt>erg«r, der bekanntlich währmd einer Reihe von Jahren da» Hau» Bischofsheim und Goldschmidt leitete. Marseille. Die Hinrichtung Gaston Crömieux' ist unsem Lesern sammt dm Detail» der Exemtion bereit» bekannt. Auch die einstimmige Vemrtheilung dieser Erschießungm von Seitm der gesammten europäischen Preffe habm sie gelesen. Die Hinrichtung Crömieux' ist um so unmotivirter, al» er weder Militär war, noch an Mord, Plünderung und dergl. gemeinm Verbrechen sich bethriligt hat. Doch gehört ein weiteres Urtheil hierüber nicht in diese» Blatt. Wir regiftriren nur, daß der noch jugendliche Mann nicht nur gesagt hat: »ich werde zeigen, wie man stirbt", sondern eS auch gethan hat. Die Blätter meinm, der Haß der Versailler gegen ihn rühre daher, weil er ihre Majorität zuerst als „Bauerüversammlung" bezeichnet habe. Ob nicht auch der Jude in Bettacht gekommm ist? ES wird sich wohl auf» klärm. — BHTJ run TOT Dil Auch nach der Seite hin ein jüdische» Opfer mehr. Algier. Der judmfeindlichen Agitation zegm da» Crömimx'» fche Gesetz und der Excejse vom März ungeachtet find sowohl in die Gmealwie Municipalräthe recht viele JSraelitm gewählt wordm. Laudon. An einem der jüngstm Samstage wurdm im London Hospitale Schwurgericht abgehalten und merkwürdigerweise warm alle Geschworenm JSraelitm. Der Präsident, de» Gericht» sagte nach einigen einleitmden Bemerkungm zu dm Geschwormm: .Meine Herren, da ich sehe, daß Sie alle jüdischer Religion sind und Ihr Gesetz Ihnen daö Schreibm am Sabbat verbietet, will ich Sie von der Unterzeichnung Ihre» NamenS dispensiren und soll dieS mit Ihrer Erlaubniß der GerichtSfchreiber für Sie thun. (Jew. Chr.) Laudou. In einer der letzten Sitzungen de« Loarä ok l)sputie» wurde auf Antrag deS Herrn Marc. Adler (Sohn de» Oberrabb.) der Beschluß gefaßt, daß, da die HunzerSnoth in Persim immer noch im Zunehmen ist, und insbesondere unsere GlaubmSzenosim daselbst sehr hart darunter leidm, an alle be« dmtmdm jüdischen Gemeinden in den englischen Kolonien, in den großen Städten Europa» und Amerikas ein Aufmf zur Unterstützung der persischen Juden gerichtet werde. (I. Chr.) — Demselben Blatte entnehmen dmtsche Zeitungen folgende Notiz: .die vielen Judenbekehmngm haben zu einer Gegenmaß» regel geführt, und unter dem Namm ,Anti-Jewisch Conversionist Society' hat sich eine Gesellschaft gebildet, welche sich die Aufgabe gestellt hat, dm Missionärm zur Judenbekehrung, wo sie sich nur in Großbritanien oder Irland zeigm, zu opponirm. Die Ausgabe dieser Gesellschaft, die übrigen» ihr Hauptquarti r in Birmingham hat, scheint jedoch rein defmsiver Natur zu sein, und keineswegs die Bekehrung der Christen zum Judenthum ein» zuschließen." Für jüdische Leser versteht sich letztere« von selbst, und statt „der vielen Judenbekehrungm" ist „der vielm Versuche dazu und der Belästtgung durch zudringliche Missionäre" zu lesen. Literaturbericht. Iestßur»«. Zeitschrift für die Wisimschaft deS JudenthumS. Verantwort!. Redacteur Dr. Joseph Kodak, Stadt» und Distrikt»»Rabbiner in Bamberg. 7. Jahrgang. 1871. Schletter'sche Buchhandlung. BreSlau. Die Anzeige diese« Buche» kommt spät, aber da e» sich um eiu« Sammlung vou Aufsätzen, die eiaeu mehr als vorübergeheadeu Wenb deanspruchea handelt, so kommt fie nicht verspätet, tt verbeut allen Dank, da» der Herausgeber in dieser wissenschaftlichen jüdischen Zeitschriften keine», weg» günstigen Zeit sein Unternehmen nmthig weüersllbrt. Da» Heft zerjällr in einen deutsch und io einen hebräisch abaesaßten Theil. Der deutsche Theil bring« zuerst einen Artikel von Rabb. Brüll, der die „rabbin.sche Romululsaae" behandelt, d. h. einige agadilch« Stellen, in welchen von der Gründung Rom» die Rede ist, bespricht. Die Haiwtftelle formt die Sage um zu entschieden jüdisch^thischeu Tendenzen und ist deshalb sür den Zweck de« tzrn. Brüll nicht zu verwertheu. Don heißt e«: „R. kewi sagte: Am Lage, da Salomo die Tochter der Pharaonen fteite, senkte der Angel Michael einen Pfahl (>"chd) in» Meer, um den sich schlammiger Boden ansetzte, aus diese« erhob sich sodann eia Sald, und die» war der Platz sür da» späten Rom; am Tage, da Jerobeam die goldenen LLlder anfrichtete, gründeten Romulu» und Remn» Rom; am Tage, da Eliah zum Himmel ausstieg, wurde «in Lönig in Rom erwählt." Dem Dichter dieser Legende war Rom die feindliche Macht, die Inda gestürzt hatte, die Persouificaiioo de» Bösen: da« Reich J»rael war sein natürlicher Gegner al» der Träger der Offen, baruag; da wird denn sehr anmuthig erzählt, wie Rom nun aufkam durch die Sünde Israel»; ja der Platz sogar, auf dem Rom stand, wäre nicht auf der Welt gewesen ohne Israel» Schuld; und diese Stadt wäre nicht gegründet worden, «cou diese Schuld nicht gestiegen wäre, und fie hätte nicht Macht gewonnen, wenn nicht mit Eliah der Schutzgoist de» i»raelit. Bolle» gewichen wäre. Da» ist sehr schön, aber im Grunde keine Romulu»- sage, keine jüdische «olttsage über Romulu». Diesem Aufiatze folgt eine Arbeit von vr. L. Eger über den Onia»tempel; eia datenreicher Artikel über R. Sabbatai Lohen von David Holub, der un» leider nur da» Haupt» sächlich von dem großen Manne erzählt, worin er den, meisten andern Menschen gleich ist: da» er geboren wurde, fich vrrbeirathete, Linder haue und starb. Bon den Werken erfahren wir nur die Titel; eine an»führliche Schilderung seine» Geiste«, seiner Stellung in der halachischeu Literatur lache» wir vergeben«, einige lobende Phrasen thun e» nicht. Der hebrätsche Theil de» Hefte» ist reichhaltiger. Hr. l>r. Brüll bespricht einen talmudlschen Termin»«, Hr. Lewisobn liefert eine Biographie Rav'«, de« großen Talmudlehrer«; der Herausgeber mehrere treffende exegetische Bemerkungen; zudem werden einige interessante Manuskripte hier zum ersten Mal edirt. 2.