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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-15 · 46 (15.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
46 (15.11.1871)
Date
1871-11-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Heber die Verwendung und Lertheilong der Spende» au Ort und Stille find eben fallbittere Klchgm laut ßklvorden, welche in der Thtt nicht au» her 8»ft gegttfrn wäre» uub große Mißbräuche enthüllt haben. E« ist da« vekdimst de« ftk. Hirsch Lehren in Awfterdam zuerst (vor faß 40 Kochten) die Sammlung und Verwendung der Gelder geordnet, de« ÜNwesen der Eammel» boten gesteuert und da« gute Werk der Unterstützung durch Organisation wesentlich gefördert zu haben; sein Lrnder Akita und andere Männer haben die Angelegenheit so fortgeführt, daß die verjährten Mißbräuche wohl in der Hauptsache abgestellt find — einzelne Mißgriffe und Ungerechtigkeiten kaffen fich nie ganz vermeiden. Die Reise Montesiore'« und Crömieux' nach Egypten, Syrien und Palästina (DamaScu«) im Jahre 1840 hat die Aufmerksamkeit der mropäischm Juden und da« Jutereffe derjenigen, denen überhaupt Palästina noch am Herzen liegt, ne« geweckt und di« Frage auf die Tagesordnung gebracht, «i« da dortigen jüdischen Bevölkerung aufzuhelfen sei, damit sie fich selbst ernähren könne. Diele« ist vorgeschlagen, unternommen, begründet, erbaut und ausgeführt, darunter manche« Zweckmäßige. Biele Männer haben fich durch ihr Wollen und Thun Verdienste um Palästina erworben. Zwei wenigsten« möchten wir auch hier nicht mit Schweigen übergehen, den« wir können keinem andern dadurch zu nahe treten: Montesiore — mit seiner edlen sei. Lady Judith — und Alb. Eohn; .beide haben wiederholt au Ort und Stelle Einficht in die Verhältnisse genommen und Institutionen verschiedener Arl ins Leben gerufen, welche vielen Segen gestiftet haben. Von den coloffalen Summen, welche verwendet worden find, welche Montesiore allein au« seinem Vermögen geopfert, reden vir nicht — die gesuchte Hülfe ist durch alle« Bisherige «och nicht gesunden. Neuerddig» — wir wissen nicht von wem zuerst*) — ist *) CBir nimmt uu» al« de« Ersten, de» vr. Sorte i» Frankfurt a. O., kvmen aber stb» die Priorität nicht» Bestimmte» sagen. E» körnte jedoch erst in der jstagsteu Zeit »oa Ackerbau durch Jude» die Rede fei». Erft jetzt herrscht die dazu nöthige Sicherheit de» Besitze», de» Leben» und de» Ertrage«; an d«r Hauptstraße von Jaffa nach Jerusalem ist diese jetzt vollständig hergestellt. mm der Vorschlag gemacht worden, di« Inden Palüsttna« dem Ackerbau znzoführen. Wir glaub«», «hno uWm Gründe darznlstzech daß dies«» alle» andern doqdzttße» sei. Auch ih» haß» Monltzßsre hemtt» anglhahut, tzstakÄsch Mreten, aber doch wohl »och nicht tt» Mt «chte» Weise. Endlich hat tzte Alliance Zßr. Univ. die Sach« tu die Hand genommen. Ist e« doch auch die Angelegenheit der orientalische» Jude», eben di« Begebenheit von 1840, di« de» ersten lüßlß z« Entstehung der Alliance gegeben, da« Samenkorn der Jdte gckegt hat, wen« auch erst 20 Jahre später die Frucht zu reifen anfiag. Die Alliance hat eine Ackerbauschule für die palästinensischen Juden zu gründen beschlossen. Jüdische eingeborene Jünglinge solle» dm für Bodm und Klima geeiguetm Ackerbau an Ort und Stelle erlernm, dann will man ihnm Grundstücke übergebm und fi« sollm eiam Stamm tüchtiger praktischer Landwirthe bildm. Ein ohne Zweifel richtiger Gedanke! Grundstücke erwerbm und sie dem Erstenbestm übergeben, der angeblich oder wirklich Lust hat fle zu bebau«, gmügt nicht, führt za nicht«. Jener Weg führt langsam vorwärts, aber in einer Sach«, die, buchstäblich, 1800 Jahre brach gelegen hat, ist Ueberstürzunz wohl am wmigstm gebotm. Die gmannte Schul« ist gegründet, und da« wesmtlichste Verdienst darum hat fich — so viel wir wiffen — Chatte« Netter, ein Mitglied de« Pariser Central»Somit« der Alliance, erworben. Er hat sich nach Palästina begeben, um die Schule zu gründen und zu letten. ,^U»r Netter, heißt e« in dem Bericht der Alliance 1800, 2. Sem., hat bei der türkischm Regierung um lleberlaffung von Grund und Bodm aachgesucht, der zu einer Anstalt dieser Art erforderlich ist. Der Groß-Dezir, der Staat-rath, der Gmeral-Statthalter von Syrien habm unserem Collegm «ad seinem Plane eine vorzüglich« Aufnahme zu Theit werdm kaffen. Er wurde von dem Statthalter beauftragt, ihm in der Umgegmd von Jaffa dm für die Schule best geeignetm Platz zu bezetcham; er wählte mit Hilfe eine« ftanzöfischm Ackrrbaukundtgm, Herrn Loulard» vor dm Thorm der Stadt, an der nach Jerusalem führendm Landstraße, eine wette Sttecke Lande«, von einem Flüßchm durchströmt, ftnchtbar, zum Theil bereit« urbar gemacht. Der Gmertck» Feuilleton. Der Zriütüg-Adenbei den jiidischen KmUien j im Slsrß. (Au« dem Französischen von A. L.) (Schluß.) Nach Brmdigung dieser rührendm Ceremonim begiebt man sich zum Mahle, welches selbst einen Akt de« häuSlichm Cultu« bildet. Dmn die jüdische Religion umfaßt das ganze menschliche Leben, fiweihet all' seine Aeußerunzen, indem sie dieselbm mit Gott verbindet, und fie weihet der Erfüllung feine« Gesetzes und seines Wulms. Der Sabbath ist besonders mit heißer Liebe verherrlicht. Nicht da« gewöhnliche Weißbrod dimt zur Nahrung, sondern der »Barche«', das Brod des SegmS. Der Wein wird zum Symbol der Weihe, der Fisch ist zu Ehren des heiligm Tages getauft. In den Früchten sieht man nicht die bloßm Erzeugnisse der Natur — vielmehr ist eS „Sabbathobst", und wmn man sie, wi: dm Wein, jedem Gaste anbietet, so geschieht e» nicht nur als Erquickung, sondem auch um ihm Gelegmheit zu geben, daß er Gott lobe. Darf ja der JSraelü nichts kosten, ohne sofort dem allmächtigm Geber alles Gutm zu dankm! Ich kerne kein anziehenderes Gemälde, würdiger eines großm Maler», al« eia solches Familieamahl, wo Zufriedmheü und Freud« aus allm Gesichtem ergläuzm und unwillkührlich an die Worte de« Psalmistm mahnm: »Deine Frau gleicht dem '! fruchttragenden Weinstocke, der fich rauft um deine« Hanse- Wände, deine Kinder wie Oelbaum-Sprößlinge ring« um detnm Tisch. Siehe, also ist der Mann gesegnet, der dm Ewtgm j fürchtet.' Vor dem Tischgebet recitirt man gewöhnlich die Semiroth. Da» find Gesänge, zugleich lebhaft und düster, mit einem an» gmehmen, hinreißmdm Rhythmus, wobei in demselben AuSdmcke Freude und Kummer, Schmerz und Trost sich mischm; Gesänge, wie fie nur mtstehm konnten bei dem zerstreutm Ueberreste eines unaufhörlich verfolgtm Volke», da« kein andere« Vaterland hatte, als seinm Glauben, und dessen Gedankm und Vergnüguugm ganz und allein auf sein inneres Lebm gerichtet warm. Ost oereinm sich auch andere Stimmen mit dmm der Familie zum Lobe GotteS in der Sprache des königlichm Prophetm, ihm für dm heiligm Tag der Ruhe zu danken. DaS find die Nachbam und Frmnde, die unterdeß herbeigekommen find. Damit mdet das Familimsest. Der Kreis erweitert sich. Der zweite Aft des Freitag-Abmd beginnt, der dm JSraelttm fo theuer ist, und der selbst die Aermstm unter ihnm dm Kummer der Bergangmheit und die Sorgm der Zukunft vergeffen läßt. Man muß sie mttdurchlebt habm jene ruhigm Stundm ohne Auftegung, ohne Langeweile, die friedlich dahineilm in mannigfachem Gespräche, um ganz ihrm Reiz zu würdig« — Stundm unvergleichlicher Freuden, derm man oft mtt Sehnsucht gedenket in dem Lärmm und Treibm einer Welt. — Besonder« während der langm Winterabende, an welchm Sturm und Schnee dm Osm uns doppelt lieb erschein« laffm, mtfattm fich dtfse der

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