Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 31 (2.8.1871)
- Date
- 1871-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935499--0827-5370497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
N«#t—l«7t J'n i l'. I'.' j.!i.<Ji;r \i. itn'i i 2. Aal^rgani;. ♦; r. für die religiösen und socialen Interesse« des Jndenthnms. Erscheint jede» Mitttvech. Drei» viertePlhrlich 2l) Silbergrosche». fh Mc dreispaltig» Petitzeile »der dere» Raum vera»t»«rtllch«r IbMtnr n»d Hemusgeber Rabbiner vr. A. PreRettfet» in Stettin.!> Breslau. 2. August 1871. Zu beziehe» durch alle Buchhaudluuge» uud 'Posta, galten. Auserateu-Aumchm« i» »er e-chtrtter'sche» vuchhaudlmlg (H. Skuvch) io Breslau. Inhalt. Leiteudrr Artikel: Da« deutsch« Bell uud di« Jude». (Schluß.) Fruitetv«: «»alerte» «ach Immau. be» Salem»'« «achdereth. »«ckeburger Staatsrecht. vertchte uud Lseaespondeazm: Deutsch!»,d: vresiao. «u» vecli». »u» Silddeutschlaud. Imerika: R-rd-«merika. vermischte uud »euest« Mach richte»: «ugsbarg. Brauche». Llzep. Sa»d«berg a. W. Sir». Pari«. Sordou. Padua. Warschau. Warschau. Silo». Odessa. New-Kort. v«ea»,en>Liste. Iaserate. Pas deutsche Kolk uud die Jude«. Bo» vr. Buchholt. (Schl»»-) '' Kann e» nun noch fraglich sein, warum die Deutsche» Inden und Indenthum mehr zurücksetzm und unwürdiger fo handeln all die übrigen Kulturvölker Europas? Man hat in dem nun beendeten Kriege oft und mit Recht von dem fturor Gallien», dem französische« Größenwahnfin«, gesprochen, der ech dm Franzosen unmöglich machte, die Thatsachm in ihrem wahrm Lichte zu sehm und dadurch dem Friedm so lange hinderlich war. Wal ist denn nun diese Betonung des Christlichen auf dem ganzm Gebiete der Humanität und Sittlichkeit, diese Bezeichnung der Tugend und Menschmliebe all christliche Domäne anderl all ei« stuor edri»ti»ni»«iwu», der die Wahrheit verdunkelt, den mdgültigm Friedm der Ccnfesfionm und die Anerkmnung des Judmthuml unmöglich macht? Braucht «I denn erst gesagt zu werdm, daß alle sme Lehrm der Humanstät und Sittlichkeit, welche dal Christenthum für sich in Anspruch nimmt, aul dm Reiigionlquellm des Judmthuml geflossen find? Wer hat dmn zuerst dal Gesetz von der Nächstenliebe aulgesprochm? Wer dieses Gesetz all Grundlehre aller Religion hingestellt? Hat nicht dal Iudmthum die werkthätige Mmschmiiebe lange vor dem Christenthum gelehrt und geübt? Ist etwa die Bethätigung derselbm hinter der Lehre zurückgeblieben? Hat dal Iudmthum 1« seinem viel länger« Bestände gegm die Menschmliebe so oft und so schwer fich versündigt, wie dal Christenthum? Beweist nicht die Geschichte der Indm ebmso unwiderleglich wie seine Lehre, daß die Bezeichnung irgend einer Tugend all ausschließlich christlich auf dwselbe Stufe mit dm franzöfischm Siegel «Tele» grammm zu stell« ist? Wir gesteh« de» Christmthum eine eigme Dogmatik z», ein« autvchthone Ethik sprechen wir ihm durchaus ab. Biß arif dm heutig« Tag macht man dm Judm dm Vorwurf, daß fie „dal auserwählte Volk" fich nenn«! Ist nicht vielsuehr der umgekehrte Borwurf gerechtferttgt, daß dal Christenthum in Deutschland besonders all dal auserwählte Be» kmntniß der Humanität und Mmschmiiebe, der Tngmd und Sittlichkett fich gebehrdet? — Wie können wir nun aber Achtung uud Anerkennung des Judmthuml von eine» voll» erwarte», dal Jahrhunderte laug fich gewöhnt hat, alle! verwerflich« jüdisch, alle! Srhabme uud Lobenlwerthe christlich zu nmnm? Bon einem Ztolke, in «reichem dieser Gegmsatz so lebendig ist, daß er von Geschlecht zu Geschlecht fich sortpflanzt? Nein, dal deutsche Lolk ist irfdi freizusprechm von der Schuld»^ dal Iudmthum gleichsam systematisä» in gehässigster Weise chembgewürdigt zu haben. El hat vielmehr dieser Herostratmthat in seiner Sprache ein Denkmal gesetzt, dal selbst eine Fortsetzung derseibm ist. — Dürfen wir nun hoffen, daß hi^iu ballein: Besserung eintreteu, daß dal dmtsche Volk rielletchr, um mit dem Dichter zu redm, mit sein« höher« Ziel« wachs« weide? wachsen über seine Vomrtheile hinaus? Die Zeichen der Zett eröffnen uns gerade keine sehr erfreulich« Aussicht in die «nächste Zukunft, und wmn der Schluß »ach der Analogie vom ftiror Gallicoa erlaubt ist, müssen wir überhaupt daran verzweifeln, daß in der Auffassung der Begriffe jüdisch und christlich im dertschen Volke überhaupt jemals eine Amderung fich vollzieh« werde. — Allein diese Hypothese darf «ns nicht die Hände in den Schooß legm lassen, sondem wir müflm uns frag«: Wal haben wir dmtschm Judm zu thun, um diese von unfern »kchtjütischen Mitbürgern und ihrer Sprache dem Iudmthum zugekügte Schmach zu ttlgen? Und dal könnm wir von den Preußen lernen! Wal habm diese gethan, um dm ftanzöfischen Hochmuth, sow«it diel über- Haupt möglich ist, zu bekehren? (Denn von dem gewaltsamen „Brechm" könnm wir freilich keine Parallele hernehiam.) Zweierlei: Zuerst habm sie gezeigt, daß die „pruaaien»“ keine Barbaren und dann, daß die Franzos« nicht die gründe natlon find, all welche fie fich selber Ixei jed»i Gelegmheit aulgeschriem. — Dieselbe Ausgabe habm «ir dlmtschm Juden un» sem ntchtjüdischm Vaterlandlgmossm gegmüleer: vor Allem dm jüdischen Namen wieder zu Ehren zu bringen und dann dem Worte „christlich" die ihm rast Unrecht viudicirte Bedeutung des allein sittlich Gaten zu uehmen. Wie? Jüdisch wieder zn Ehr« bringen? -liebst Du also d« Dmtschm Recht? Nein! Aber fie habe» auch nicht durchweg Unrecht! El gmügt, um dal Julrenthui» zur Anerkmnung zu bring«, wie die Erfahrung lehrt, nicht, d,rß nach stattstischm Nachweis« «ehr jüdische Kinder all christlich« die öffent» lichen Lehranstalten besuch«, daß hingegm die Zuchthäuser «ehr christlich« Jnsaffm habm; es genüg!: ferner «licht, daß jüdisch« Geldmänner mtt groß« Suinm« fich betheiligm bet allgemeine« Wohlthättgkeitl-Veranstalttmgen, bei Sammlung«