Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 30 (26.7.1871)
- Date
- 1871-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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N» 8«. -1871. LA»chr-a«O. \ Wochen-SHrift für die religiöse« flM#«ia» |<*<a Minwich. fttU Vterteljlhrltch 20 Vtlbir-reschea. fufttUtUftHfr »rrife«tti«r fttttfrik afct Wm lUan »*«► Aahalt. «dteaMl VttiM: Da» deatsch« V»lt,»» »t« Jude» Porisetzung.) Bericht» and Torrespaubeujea: Deutsch!aud: Sorm». Aamllateu: Vukareß. «frtk»: Algter. U»«rt«»: »tard-Amertta. DetrM. vermtscht« nab aeuestr Rachrichtmr Auglbarq. Virlt». tftana. •faakta». Hachia^u. Vbatuz. «atu». Seffrutütttl. S «schau. Ratiz: Ist jüdisch«, Spetsegesetz« aad ihre vedeataag für dir Arsaathrtr. (Schluß.) IntfiMWCfU^f« VWU|nl4R|iK< )MWF»GWP»a und soeialeg Interesse« des Jude«th«ms. Rabbiner Dr. A. UrGMrfek» in Stettin. Bre-lau. 26.jguli 1871. Za beließen darch all« Eachhaudluugru uud Pajtmftalren. }»Mn>JUM<|ai «chlrttrrlcheu Sachhaudiuu- (J). Slutsch) tu Breslau. I Da, deutsche DolK und die -«den. Vau Dr. Vachtzal». (Fartsetzaa^) Denn wie da» Wort .Jüdisch' von dm Dmtschm als Inbegriff sittlicher verworfmhett gebraucht wird, so ist thnm dagegm Alle», was gut und edel, alle Mmschmliebe und Barmherzigkeit, jede Offenbarung einer groß« Seele, jede Aeußerong angegrbmm Bedeniuag der beidm Worte fast gar nicht, Erst her Protestantftmu» sah stch, bet seinem vorwiegend negirmdm Berbalt« dem Katholicitmu» gegmüber gmöthigt, noch etwa» Positivem als Grundlage und Charakter zu suche» un) erfand dazu,die besondere Signatur de» Worte» .christlich'» al» di« Beziehung aller 8ebm»verhältniffe auf Christ»» zurückführmd. 1br4rmit drang der Gegensap zuerst in alle Gebiete Bö» Volksleben». Erst mit der Reformation, so sagt der dmtsch« Protestantißmu», ist die Welt eine christliche geword«, »tuer bedeutendes. Mich« Kraft — .christlich!' -Und »MM,,, & fia-jüdische byzantinisch, griechisch, h^diisch und haben diese Wort« diese Bedeutung empfang«, - Nun. sie W mt wd) mH 9eBefen. 6o z. S. Schl.imnacher ei» rein dmtsche» GewLch», und ganz naturgemäß au» der Literatur, der Lerjüngungßquelle der Sprache, hervorgegangen. Denn keiu Volk der Welt hat eine so große judmfeindlich« LÜeratur wie da» dmtsche, uud keine LÜeratur der Welt ist so mü Jitdm» haß durchträuft wie die dmtsche. Phiiosophm, Staat»männer, Dichter von Gotte» Gnadm und elende Ecribler, von dm Theologen zu schweigm, habm da» Ihrige zu dieser Schmach de» dmtschm Volke» beigetragen. Der Name .Jude' mußte her» haltm, wo e» galt, die UngerechttgkeÜ, die schamloseste Willkür der Völker und Fürsten gegm diese» Volk zu entschuldigen. — Sie mußten vertrtebm werdm, well sie die Christm betrogm; sie mußtm in Ghetto» eingepfercht werdm, weil sie die Lrunnm vergtftetm und Ehristmkinder schlachteten; sie mußten unerschwingliche Stmern zahlen, weil sie dem Laude da» Blut au»iaugtm; sie mußtm vom Bürgerrechte außgeschloffm sein, «eil sie chai alter« uud würdelo»; sie durstm keine politisch« Rechte gmieß«, well sie feig, bestechlich und treulo» sei«. — So» Wunder, daß diese Literatur ihre üppige», nachhaltig« Früchte trug? Und wie die Prägung de» Jüdisch« zum Brandmal eiuer ganzm Nation da» Werk der deutschen Judmfeiude, so ist di« Gloristcirung de» Christlich« al» Inbegriff aller Tugend eine Erfindung de» germanischen Protestantißmu».— DerKatholici»mu« erzeugte wohl seine Folter« und Marterwerkzeuge, seine Inquisition und seine Scheiterhaufen, Dinge, di», fast au»schlteßlich von der Getstlichkett und dm ihr willig dienend« weltlich«» Behörden au»g«hmd, aus da» Volk «her abschreckend und Mitleid erregend wirk«, al» ein« dauerndm Judmhaß begründ« konnten. Daher begegnen wir in der vorlutherischm Zett nur sehr wmigm jndmseindlichm Schrift« im Lerhältuiß zu später*) und der •) »brr feit brr KcfwawÜM stab übrrhaapt erst die Vücher uud Flugschristru ia «affe «üstaabru aad uutrr da« «att -rtvauaeul (AM.) in seiner chrtstl. Glaubm»lehre, Bd. I, S. 148: .So ist die Meinung der Katholisch« offenbar die, daß wir (die Protestant«), wiewohl vir die Beziehung auf Christum festhielt«!. doch in Gefahr wärm, durch Auflösung der Gemeinschaft da» christliche Princip aufzugeben, sowie unsere (der Protestant«) Meinung von der römisch« Kirche die ist, daß, wie sehr sie auch dieselbe Gemeinschaft festhalte, sie doch in Gefahr sei unchristlich za «erden durch Vernachlässigung der Beziehung auf Christum.' Femer S. 1BO f.: »Natürlich scheint e» unß zugleich, daß diejenige Küche, welche die Gemeinschaft über die Beziehung auf Christum stellt, auch am leichtest« auß den früher« ftommen Gemeinschaft« etwa» mit hinüberuimmt, daß mithin alle», va» «in« gewissen Beischmack de» jüdischen oder de» heidnischen hat, eher der römisch« Kirche angemessen ist, wie jede auch frühere Opposition hingeg« schon etwa» dem Protestantitmu» verwandte» in sich schloß.' So will femer ein anderer protestantischer Schriftsteller (8«in Schücking, Luther in Rom, S. 2) die in nmerer Zett immer mehr Raum gewinnmde Gleichstellung Aller, in ftappanter Verkennung oer historisch«, etnmgmd« und schrankenziehenden Wirksamkeit de» Christenthum», der größer« Christlichkeit unsere» Zettalt:r» zuschreibm! .Eine»,' sagt er, »scheidet dm Geist von 1510 wesmttich von de« unsem. Alle humanistisch« Bildung hatte noch dm Gedankm der Humanität nicht zum herrschend« gemacht. Die Zeit war nicht christlich, uud die unsere ist christlich geworden, sie ist wenigsten» auf dem Wege, e« zu werden.. Da» Lhristenthum ist di« Aufhebung der Grenz« und Schranken. Der Kampf, dm unsere Zett unter dem christlick»« Banner der - Humanität, die gleiche» Recht für Alle, Sonn« und Lickst für Alle» für die Hochgeborenen sowohl vü für d« arm« Conrad verlauf, <4fit diese freie Selbstbestimmung führt, kann nicht mehr