Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 11 (15.3.1871)
- Date
- 1871-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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87 hat bol »Lradtt. Jvd.' bei Besprechung des MmistexwechselS die Behauptung ausgestellt, daß uur der CoasavatiSaulS liberal sei. Red.) Die neue Constituiruug der Gemeinden ist nun schon allenthalben vollzogen, leider aber gewinnt die Trennung immer mehr Raum, und e« ist jetzt nicht nnr keine Seltenheit, in einem und demselben Orte z«ei Gemeinden, eine »autonome orthodoxe' und eine »autonome Fortschritts-Gemeinde' — so nennen sie sich größtentheil« — zu finden, sondern ich köunte Jhnm die Gemeinden, in welchen bloeine religiöse Richtung ist, aufzählen, ohne viel Raum zu beanspruchen; die »Gesetze-wächter' wachen ja darüber, daß die Zahl immer kleiner werde. DaS alle» darf und nicht bestimmen, di« Hoffnung auf Einheit im ungarischen Israel aufzugeben, eS ist eben dies der Läuterung-Prozeß. »Der Krieg ist der Vater aller Dinge,' sagt eia griechischer Philosoph, also auch deS Guten. (?) — (Der Herr Corresp. fügt noch einige Angaben über eine EötvöS» Trauerfeier in der Synagoge zu Liptü St. M. hinzu; ebenso haben wir solche au- Stuhl »Weissenburg, wo eia vom Rabb. vr. Alex. Kohut verfaßtehebräische» Gebet von einem Chor vorgetragen wurde, ». a. O. erhalten. Zum Abdruck fehlt Raum. Red.) Zrankreich. Paris, 5. März. So eben geht un» v. a. D. und mit der Leberschrift nwon nrw vw ei» Brief de» Herrn S. Bloch, Redacteur deS „llniv. J«r.", zu, mit der Anzeige, daß während der Belagerung noch einige Stücke feiner Zeitschrift erschienen find. Wir fteuen un« sehr, daß unser geehrter Herr College die Schrecken-zeit glücklich überstanden hat, und werden mitBergnügen den Austausch unserer Publikationen wieder iuS Lebe» rufen. Mögen alle gestörten md zerrissenen Beziehungen bald wieder fteuudfchaftlich angekuüpst sein unter der alten Devise '"an! Vermischte und neueste Nachrichten. Bernburg, 15. Februar. Herr vr. Sal. Herxheimer, seit 40 Jahren Rabbiner Hierselbst, feierte heute unter großer, freudiger Theilnahme seine» 70. Geburtstag. Brüssel, 27. Februar. „Etoile beige" meldet, daß zufolge einer Verordnung vom 23. d. Mt«, den im Lande befindlichen protestantischen Kirchen und israelitisch« EultuSgemeinden da« Recht der juristischen Person für ewige Zeiten verliehen worden sei. Load»«. Ueber MissionSkniffe berichtet ei« Eingesandt de» »Jew. Rec.': »ES find hier feit einem Jahre durch die Mäßigkeits-Gesellschaft »WirthShäufer ohne Getränk' eingerichtet. Durch die Zeitungen aufmerksam gemacht, beschloß ich mir ein solche» Lokal aazusehea; mir ahnte, da ich daS Treiben kenne, eine Schlinge für Arden, die zu« Trunk sonst am wenigst« g«etgt find. Richtig, an der Thür eines solch«, dar in einer Gegeud, wo sich fremde Jud« meisten» aufhaltm, beleg« war, fand ich in mächtig« Buchstabm die Inschrift ’TtnB” '12^. Bei meinem Eintritt in da« Zimmer fand ich darin ungefähr ein Dutz«d junge Leut«, eifrig mit Lesm und Schreib« beschäftigt. An der ein« Zimmerwand befand fich ein riesmhafter Anschlag mü folgender jüdisch-deutsch« Aufforderung: pwl? VtT! DS ~om px lwnc’D jx |Kp NX pm6 vrhxv pmh 10 to 8 ps *uU2t< "UMiOifl; auf einer andern bemerkte ich ei« Placat mit dm Wort«: em pai nm Dv6k h tro TWB Ä> OTpO. Ein dritter Anschlag mdlich sordette in hebräischer Sp.ache zur Theilnahme an dem unmtgeltlichm Unterrichte auf. Er begann mit dm Worten: aber cobv htTttn v«. Ich unterhielt mich mit dem Klassenlehrer und fand in ihm ein« tüchtig geschult« Bachm, der aber Mitglied de» Vereinchristlicher junger Leut« war. Ich glaube, Herr Redaetmr, daß über d« Grund dieser Aufforderung kein Zweifel bleib« kann. E« ist einfach ein de» lkebter Bekehrungskniff. Ich sprach mit d« jung« Lmten und rieth ihn« vom Besuch der Klaffe zurüchublekbm, nachdem ich ihn« die ganze Jntrigue klar gelegt hatte. Vorgestem war ich wieder da, und e» fteut mich ungemein Jhnm berichten zu können, daß ich nur noch zwei junge 8«te zum Unterricht vorfand. Bei meinem nächst« Besuche tteffe ich hoffentlich kein« Einzig« mehr an. Literaturbericht. Noch ein Wort über Mekize Wrdamim. Herr Silbecmann hat mein« Bemerkung« in dieser Wochenschrift (dir. <) in seinem Hamaggid eine besondere Beilage all Antwort gewidmet. Ich bedunre den gereizten Ton, den Herr S. angenommen, al« wenn meine Wünsche, die doch nnr die Bache betreffen, gegen lseine Person gerichtet gewesen wären. Ich übergeh« di« Uebertreibnng, al« hätte ich ein Kuratorium von 30—40 Stimmen verlangt, da ich doch nur drei oder vier Gemeinden genannt, in denen fich wobi möglicher Weife «in Bertretrr hätte finden können, ohne daß dir Zahl der Kuratoren die schon früher dagewesene zn überschreiten brauchte; ebenso dir vermuthnng, daß ich den T® nicht ja lesen verstände, die wohlfeilen Späße über die Gelehrten, di« fich mit Erforschung de» Geburt»tage» berühmter Männer ab mühen, endlich den Seitenhieb, den dee ganz unschuldige Urheber de« gelungenen Scherze«: drr hebräische Kutschte, davon tragen muß. Aber bei aller Anertenmmg de« Verdienste«, da« sich Herr S. durch die Anregung zn dem Institut Mekize Rirtamim erworben, und der großen Mühewaltung, welche mit der Verwaltung und Leitung ver. bunden ist, muß doch, um der Sache willen, der Wahrheit die Ehre gegeben werden. Und diese ist, daß Herr S. nicht diejenige Kenntuiß der jüdischen Literatur und nicht di« wissenschaftliche Reise besitzt, dir ihn befähigten, eine paffende Au«wähl zn treffen und für «ine den Anforderungen der Wiffenschast genügende Bearbeitung zn sorgen. Ein Beispiel genüge: In der im Ha-Schachar (Heft 5 d. I.) und auch sonst veröffentlichten Ankündigung der nächsten« von den M. R. andgehenden PnbÜeationm ist auch ein« Antgabe (wahrscheinlich in hebr. Sprache) drr vmipffdi di awore von Iehnda Abravanel (Leo Hebreo) in Anöficht gestellt Derselbe erhält aber dabei sonderbarer Weise den Zunamen äel dlodigo O3"® l*~0i zn dem er gerade so berechtigt ist, wie Herr Silbermann, den er auch nie geführt, mit dem er von Niemandem genannt worden ist. Sollte dieser Irrthum vielleicht an« dem seine« richtigen Namen zuweilen hinzu, gefügten Charakter all Rodieo bedrso entstanden sein? — Ist e« eine unbillige Forderung, .*•» «an erwartet, daß der Editor eine« Werke« doch wenigsten« den — sehr bekannten und gar nicht streitigen — Namen seine« Autor« kenne? Iehnda Abravanel hat da« Buch bekanntlich ursprünglich italienisch geschrieben; e« find auch lateinische und 'spanische Uebersetzungen erschienen, aber von einer hebräischen Uebersetznng ist nicht« bekannt geworden. Bielleicht soll da« Buch erst jetzt in'» Hebräische Übertragen werden, und e» wäre die« «ine ganz eigenthümliche ,Bereicherung" der hebräischen Literatur. Und welche« Sachkenner würde e» überhaupt einsallen, jene vialogbi, dic im IS. Jahrhundert vielfach gelesen wurden, heute aber ganz ungenießbar geworden find, und — ton» die Hauptsache ist — gar nicht auf jüdischem Boden fußen, also eigentlich nicht in die jüdische Literatur gehören, dem Leserkreise der M. N. dvrzusährenl (Schluß folgt.) Krtlnrnng. Die Handlung Gebr. Franken stein in Bielefeld hat, wohl mit Recht, die in Rr. ü «bgedrnckte Warnung in Betreff drr Matzoch ans sich bezogen. Sie sendet nn« daher ein „von dem zunächst wohnenden Rabbiner", Herrn vr. Fahrenbach in Detmold, auögestcllte« Zeugniß, welche« vom I7.Febr. d. I. datirt ist und bescheinigt, daß di« in der Fabrik der genannten Firma angefertigt« Matzoth ritualmäßig zuberritet seien. E« ist unsere Pflicht, dir« hier mitzuth eilen, aber wir find zn unserem tiefst« Leidwes« genöthigt, die« Zeugniß zn entkräft«. Wir bedauern die» nm so mehr, da da» Motiv hierzu selbst ein nn« betrübende« Factum ist. Herr vr. F., welcher ohnehin nur Laudrabbiner in Lippe-Detmold ist and mü Bielefeld amtlich keine Beziehung» unterhält, ist seit langer Zeit an sein Zimmer gefesselt, er kann daher über die ritualmäßig» Bereitung der Matzoch in Bielefeld gar nicht« weiter, al» eine Berwnthnng anssprrcheu. StcntnfeU.