Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 7 (15.2.1871)
- Date
- 1871-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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50 Ariefe M Schulfrage. .«. So» t*. e«lomia Aoltzschmidt, Rabbi««. L Colberg» dm 17.Januar 1871. Sofort nach seinem Zusammentritte hat daneu gewählte Abgeordnetenhaus bei Gelegmheit der Berathung über da- CultuS-Budget gegen dm CultuSminister Stellung gmommm, jedoch läßt sich die Stimmung der Majorität noch nicht genau erkennen. Am wmigstm läßt sich bis jetzt bestimmm, waS daS HauS in seiner jetzigen Zusammensetzung für oder gegen daS Judeuthum in der Schulgesetzgebung zu thun geneigt sein dürste. Doch an Symptonm fehlt eS nicht, wmn die freie und unabhängige Presse als der Pulsschlaz der Oeffmtlichkeit geltm darf. Bald nach der letzten Debatte gegm den CultuSminister habm die Zeitungm nicht verfehlt, ihrerseits in Leitartikeln ihre Ansichtm zur Sache auSzufprechm, und so brachte auch z. B. die einflußreiche »Köllnsche Zeitung' in Nr. 13 einm Artikel über »das Ministerium deS CultuS und des Unterrichts', in dem sie nicht blos auf Entfernung deS Ministers, fondem auch auf eine Reorganisation des ganzm Cultusministeriums dringt, wenn daS Uebel bei der Wurzel angefaßt werden >md alle berechtiztm Klazm endlich verstummm sollen. Der weitere Inhalt kann unS Hier ganz und gar gleichgültig bleiben, weil der Gegmstand, der zur Sprache gebracht wird, auf die politische Schapbühne und nicht in ein Blatt gehört, daS vorzugsweise jüdisch-religiösm Interest« dimt. Aber bemerkenswerth ist, daß selbst die »Köln. Zeitung', ein wmn auch katholisch gefärbtes so doch immer liberale- Blatt, bei der opposittonellen Besprechung der Reformm, die durchgeführt werden müffm, wmn mdlich die Derheißungm der Berfaflung Fleisch und Blut gewiimm sollen, ausschließlich nur an die beidm christlichm Coafessionm, die evangelische und kathq», lische, denkt, deS JudmthumS dagegen, daS sicherlich von allm freiheitlichen Verheißungen der Verfassung bisher dm geringsten Theil erhielt, auch nicht mit einer Sylbe Erwähnung thut. DaS ist ein Zeichm der Zeit! DaS will so viel heißm, alS daß auch der größte Theil der liberalen Parteim an Concessionm gegm daS Iudenthum bei der Schulzejetzzebung nicht denken würde, wenn nicht letzteres sich zu ermannm und seine Sache nach dem delp your seit-Grundsätze selbst in die Hand zu nehmm gedächte. Auf das »Wie?' und »Wann?' kommen wir noch später zu sprechen. Zunächst ist eS nöthig, uns von dem ganzm Iammachild« Rechenschaft abzulegm, unter de« die jüdische Schule bei der gezmwärttgm Gesetzgebung seufzt, — wie ja auch der >rzt nicht a» die Hell«, einer Wunde gehm darf, ohne sie zunächst bloßzuletzen, die Sande etnzuführm und die Liefe derselbm zu ermeffm. Zuckt auch der Verwundete unter dm Fingem de» SrzteS, so ist eine solche Untersuchung dennoch unumgänglich noth. wendig, und so kann auch unS eine Untersuchung unserer Lage nicht erspart bleiben, wenn dieselbe auch tief schmerzt. — Die jüdische Schule, oder eigentlicher gesprochm, der jüdische RelizionS-Unterricht (denn das ist der eigmtliche Knotenpunkt, um den sich die ganze Sache dreht) ist in unserem Baterlande bis heute recht- und schutzlos, ist » officio für vogelfrei, in die Acht und Aberacht erklärt. Anders kann man eS nicht nennm, wie aus einer kurzen Schilderung seiner Lage zur Gmüge hervorleuchten wird. 3m Posen'schea und vielleicht noch in einzelnm Gemcindm anderer Provinzen haben wohl jüdische Gemeiadeschulcn die staatliche Anerkennung als öffmtliche; ihre Lehrer, ihre Organisation und ihr Lehrplan stehm unmittelbar unter staatlicher Controle, und die erster« genießen demgemäß auch den gesetzlichm Schutz als öffmtliche Beamte gezmüber etwaigm Zumuthungm der wetterwmdifchen Launen eines Gemeinde- Potentaten. Dem jüdischen Religionsunterricht aber kommt diese staatliche Anerkennung auch nicht um ein Iota zu Gute. Zwar stand bis vor Kurzem noch auch dieser UnterrichtSzweig unter staatlicher Aufsicht; allein bei der merkwürdigm Einrichtung» nach welcher die Aufsicht über jüdische Schulm ausschließlich in die Hände der christlichen Geistlichen gelegt war (man erinnert sich noch der hierüber im Abgeordnetenhause geführtm Debattm!), konnte eS nicht fehlm, daß oft Reibung« mtstandm und jedenfalls der jüdische Religionsunterricht darunter leiden mußte. Seitdem sind durch Minifterial-Rescript die Volks« schul -Inspektor« dahin instruirt wordm, sich jedm Einflüsseauf dm jüdischm Religionsunterricht zu begeben, und so theilt dieser trotz staatlicher Anerkennung der Schule öle ffccto da» Schicksal mit dem Religionsunterrichte in allm andern Provinz« de- Staate-. Hier nämlich genieß« die Gemeinde-Volksschulen, wo solche vorhandm sind, nicht die staattiche Anerkmnung, fondem werden von der Reziemng nur als Privat-Anstaltm angesehm, derm Lehrer, Organisation und Lehrplan der Gnade oder Ungnade der Gemeinde-Verwaltung überlaffm find und letnor andem Controle als derjmizm untersteh«, die die Gemeind«, je nach dem größerm oder geringer« Fonds der in ihrer Mitte vorhanden« pädagogischen Intelligenz, auSzuübm im Stande ist. Feuilleton. Die Kartaren und die Juden. Bo» Dr. Herma»» Lohn. (Schloß.) Gegen Ende deS IahreS 1240 warm die afiattfchm Horden bis zum Dm Per gekommm, an deffm Ufern sie ihre Winterquartiere aufschlugen. Don den Kundschafte«, die sie währmd dieser Zeit nach Norden und West« ausgeschickt hatten, wurdm zwei gefanz« und zum Könige (Bela IV.) von Ungarn gebracht. Dieser beauftragte sein« Bischof, die fremdm Gesell« über ihr Volk, ihre Heimathund ihre Sittm zu befragen. DaS Resultat diese- Verhöres ist unS nun in einem Briese deS erwähnt« Geistlich« an einm Pariser Collegm (vom März 1241) noch erhalt«'). Er schreibt: »Nach ihrer Aussage wohnen sie an einem Flusse, der Egog heißt, und ich glaube, daß eS daS Volk Gog Magog fei. Ich ftagte nach ihrem Glauben, ffie glaub« an Nichts. 3hre Bochstabm sind die jüdischm, eine eigme Schrift besitzen sie nicht. Ich frug sie, wer ihn« diese Schrift gelehrt habe, und sie antwortet«: Bleiche Männer, die viel fast«, lange Kleider trqgm und Niemand« beleidig«; Und da sie außerdem von jmen Männern BieleauSsagtea, «,S mit dem pharisäisch« und sadducäischm Aberglaub« übereinstimmt, glaube ich, daß jene Sadducäer und Pharisäer seien.' — Dieser Brief war nun die Quelle, auwelcher die Iudmfeinde ihr albeme- Mährch« schöpften. Der bischöfliche Bericht war gewiß nicht bloß »ach Pari-, fondem auch noch anderswohin gedmngm; war fein Verfasser doch der Erste im gebildet« Europa, der über diese» räthselhafte Barbarenvolk einige Auskunft geb« konnte. Di« christlich« Völker, die zum Widerstand« gegm die schrecklich« Asiat« zu schwach warm, nahmen mit Frmd« jene Sage auf, um sich wenigsten» a» dm vermeintlich« Glauben«, gmossm ihrer furchtbaren Feinde, an dm verhaßt« Sud«, zu rächen. WaS nun da- Inhaltliche der bischöflichen Diagnose «tfr belangt, so liegt e» auf der Hand, daß ihn nur eine eigen, thümliche Jdeea-Affociation von Gog Magog auf die Sud« brachte, wenn wir überhaupt »och zugeb«, daß er sich mit d» wild« Fremdling« verständig« konnte. Die »jüdssch« Buchstab«' warm die erste Frucht seiner sonderbar« Gedanken- Verbinduag; dm» selbst ohne der Gelehrsamkeit eine« Geistlich«