Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 1 (4.1.1871)
- Date
- 1871-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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7 Vermischte und neueste Nachrichten. Leipzig. Dem »Bericht aa die Mitglieder der israelitischen Religion »gemeinde über da» VerwaltmigSjahr 1869' eatmhmen wir einige Notizen. Die Gemeinde bestand am JayrrSschlöffe aa» 224 Mitgliedem einschließlich 13 au»wärttgen und 16 Frauen. Dr. Jul. Fürst ist zum Ehrenmitglied ernannt. In der Synagoge sind bauliche Veränderungen vorgenommen und Hetzavparate angebracht worden, durch welche der bisher in der kleinen Synagoge während d«S Winters abgehaltene Gottesdienst in den Hiwptraum verlegt werden konnte. Der Unterricht in der ReltgionSschule wird in drei vom Stadtrath überlassenen Klassenzimmern der 1. Bürgerschule erlheilt, 42 Knaben und 52 Mädchen nahmen an demselben Theil. Di« Zahl der Sterbrfälle betrag 15 Einheimische und 12 Fremde, ein Berhältniß, »eicheS gewiß nur io Leipzig gefunden werden kan«. Hambnrg. Hirsch Oppenheimer, vormals Mitinhaber der frühere» Firma H. u. v. Oppenheimer, ist in seinem 78. Leben»« fahre verschieden. Der Verstorbene hat in Gemeinschaft mit seinem Bruder Lehrend Oppenheimer die Oppenheimersche Stiftung errichtet und somit sich ein Angedenken in Hamburg bewahrt. Pirsche«. Rabbiner Hirsch Guttmacher, Sohn de» weitbekannten Rabbiner» zu Grätz, ist vor einigen Wochen gestorben. <kr lebte als Privatmann, war Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und in seinem letzte» Lebensjahr zum Stadtrath gewählt. Daß er einen streng religiösen Lebenswandel führte, braucht kaum gesagt zu werden. Er war ein ausgezeichneter Talmudist und hinterläßt mehrere handschriftlich« Werke über die schwierigsten Materien der Wissenschaft, so einen Kommentar über pp 'D und über Caleader-Lerechnunz. (Nach der Ja». Pr.) Advocat Pfeifer ist in Ul» wieder zum Abgeordneten gewählt werde»; er gehört der nationalen Partei an und ist eine» ihrer thätigsten Mitglieder. Pest. Zwei Juden au» Polen oder Galizien, Juda Grünbaum und Jos. Friedmann, find gefänglich eiagezogen, weil dieselben mit gefälschten, zum Theil amtlichen Papieren, Siegeln »nd Unterschriften betrügerischer Weise wohlthätigen Juden Gelder für einen angeblichen Synago^enöau au-zelockt haben. Unter dm Betrogmen figurirt auch da» Hau» Rothschild mit 40V Frc». (Hamag.) Wie». Vorige Woche nach der Ankunft de» Krakauer Zuge» vermißte der Kaufmann Ignaz Löscher au» Stry feine Brieftasche, in der sich ein Betrag von 35,400 fl. in Barem und fällige Wechsel befanden. Al» er in größter Angst zum Waggon zurückeilte, wurde er von einem ihm entgegenkommendm polnsschm Judm (Hausierer) mit dm Worten angehaltm: «Hier ist die Brieftasche, die Sie verloren und die ich so glücklich war zu finden.' Der überglückliche Kaufmann belohnte dm redlichm Finder mit 3000 fl.' (N. Fr. Pr.) Soustautiaopel. Bor Kurzem starb der hiesige Ober- Rabbiner Jqpob ben David im Alter von 80 Jahren. Derselbe wirkte hier seit 30 Jahrm, zuerst ah» RabbinatS-Affeffor, dann al» Ober-Rabbiner und hat sich während dieser langen Zeit die allfeitige Liebe und Achtung seiner zahlreichm Gemeindemitglieder im hohen Maße erworbm. Wie .Hamagid' unlängst berichtete, bezog der Berstorbme tu besonderer Anerkennung seiner Verdimste fest mehrerm Jahrm eia regelmäßige» Gehalt von der Pforte. Baltimore. Dr. I. 3. Kohn, Professor der Mineralogie a» der Maryland Universität, ist gestorben. — Die Jude» in Eiueiuuati tragm nicht weniger al» 8 Million« Dollar» zu dem Unterstützung»-Verein der Stadt bet, während im Ganzm die dortig« Armm-UnterstützungS-Gefellschast eine jährtiche Ausgabe von ungefähr 10 Million« Dollar- Hat. Jme Ziffer ist nur zu begreifm, wmn man bedenkt, daß, 12,000 Judm in Cincinnati leben. (Je«. Ehr.) (Trotzdem kommt un» die Angabe unglaublich vor.) Herr >lbert Eoh» ia Pari« hat »ach einem Balloubriefe der »Jude» pendence Belge« di« deutsche« jüdische« Soldalm tat einer Siede beschuldigt, »mit ihre« Herze« auf Seite» Frankreich« zu stehen«, wir protestirr« vor Allem gegen dies« Verdächtigung unserer Glauben«gea»fleu im Militär- oder Livilwcke, bestreite» aber a«ch Herrn Loh« da« Siecht, wegen solcher nur ans Essect berechnete« Phrasen, wegm eine« veisallNatscheu« de« Pariser Pvbel» ua« zu verunglimpse« un» damit zugleich sei»« ganze Vergangenheit, seine hingebend« Dhätigkeit sür Juden «ad Judeurhum, Lügen za strafen. Mehr darüber ia nächster Nummer. Literaturbericht. Lorlefungm über Philosophie und Religion de» Mose» Maiwo» nide» von Dr. Moritz EiSler. Wien, WalliShauser'sche Buchhandlung. 140 8. Sine -Ilia« nach Homer« za schreiben ist leicht und schwer; je nachdem: schwer sür den. der de» Homer übertrefiea will; leicht, wenn einer den Homer nur ab« oder ein wenig »«schreibe» will, «ine schon gelöste Ausgab« ia derselbe» weise noch einmal zu läse», ist gerade keine hallbrrchend« Arbeit, vr. Eitler hat sich eia solche« Aefchäft gemacht, und dabei allerding» — nicht de» Hal« gebrochen. Zwar könnte manche» au correcte Darstellung gewöhute« Leser schon der Lite! aaaagmehm berührm. vr. Eitler kündigt Vorlesungen an über »Philosophie und Religion de» Maimoaidet.» Di« Religion de« Maimonide« ist nun nach gebildetem Sprachgebrauch einfach da» Judenthum. Da« Lhema de« Herrn Vers, ist jedoch nur die Reügiowtauffaffnug, da« religiontphilosophisch« System de» Maimonide«; Herr vr. Eitler hat nur, um statt der schlichtm Ueberschrist »die Religion«. Philosophie m» Maimonide«» etwa« Originelle» zu drechseln, eine Sünde gegen die gebildrte und gebräuchlich« Redeweise begangen. Aber iu Allgemeine» ist der A»«druck correct,. faßlich und fließend. Freilich, wer de» Moreh und Man?« Schriften kennt, erfährt »ou Eitler nicht« Nene«; wer die Meinungen Maimuai't erst kennen lernm will, der war, selbst wenn ihm der arabische oder hebräisch« Test nicht zugangbar wäre, auch vor Eitler nicht tu Berlegmheit; indeß da« Buch epiftirt einmal, und so wollen wir gern zugeben: eine ung.-fähre Einsicht iu den Geist de« Rambam« kann ti wohl »ermitteln. Nur hätte» wir gewünscht, daß di« reichhaltige Literatur über diese» Gegenstand, ia »«reu Benutzung und Excerpirnng da» Verdienst de« Vers, besteht, auch im Buche eine Stätte gesunden hätte, wa« un» aber bei der Lektüre besonder» gestört hat, da» ist da« Haschen nach Parallelm mit modernen Philosophen. S. I« z. V. weiß sich der Vers, viel damit, daß Maimonide« schon sech«huadert Jahr« vor dem »gmialeu Kant, dem größten DeukeKder deutschen Nation» gelehrt habe, di« Worte der heiligen Schrift müßten so antgelegt werden, daß ihr Sinn mit der Philosophie tan Einklang wäre. Daran« viel Rühmen» zu machen halten wir für eine wissenschaftlich« Unredlichkeit. Der Vers, weiß, daß di« Schriftautligung die Achille«- ferf« Matmuni'« ist. Da« ist eine drollige Epegese, die in ein Wort alle» Beliebige hineinzudeuteln fich erkühnt; die Bibel wkll ia Bezug aus ihre Autleguug kein« qceptionelle Stellung; die Dalmudisten, hierin Wissenschaftlicher al« M, lehrte», von der Bibel gelte wie von der profane, Literatur der Grundsatz: jeder Ver« müsse nach seinem «insacheu Wonfinne ersaßt «erden. Auch Sant'« Genialität offenbart sich am wenigsten ia der Anpreisung dieser exegetischen Methode. Die Schrift muß stch strecken nach de» Decke» »er Philosophie; diesen Grundsatz zu proclamiren wurde 'Staat nicht durch sei» System, nicht durch die Richtung seine« Geiste« getrieben, sondern nur durch de» Pi«ti»mu», welcher damal» in der preußischen Regierung herrschte; nur weil der lkriticilmu» dem Miuifier wölluer al« schriftwidrig verdächtig war, machte <ant jene« scholastisch« lkunststück. G« ist als» gar kein Aalaß, au» dieser Ueberrinstimmung de« Rambam mit Kant in die Posaune zu stoßen. — Auch die Bewähraug der «aimouidischeu Oo» schaumig durch — Geiger ist «mugemeffeu. klingt ww eiue «aptatio doaoroloatl»« diese« literarische» Sttamnftahrer«. Daß der Vers, diese kleine» »ud »och kleinere Mittel »ich« m^chmäht, zu dieser Annahme habe» wir, wie derselbe weiß, auch sonst uusere gute» Gründe. Z. lverichlhpu»«. Am Schluffe de» Leitartikel« in Rr. M ». I., Z. 1«, stmr ^rrückkrhrr» lie» zurück st« he», uud tat Am». *), 3- 2, statt leicht lie» liest.