Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- Seite 408 (sequence 2)
- Language
- German
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408 Zeitung de- Jvdmthums* viele Jahre hindurch gegen die Alliance beobachtete und die ich zwar nicht »ach Gcbühr bezeichn« wag, die aber jedenfalls und wohl zugeftnidmermaßen eine höchst unfreundlich» war; ich erinnere fodau» an de» «»tschiedeae» Versuch zur Gründung einer deutsche» A»' ane», de» schon die vertrauliche Rabbiner-Versammlung zu Frankfurt a. M. im Sommer 1865, natürlich ia ihrer Weise, d. h. zugleich behufs Durchführung von religiöse» Reforni-Tendeuzen, gemacht hat und für de» man unter Anderem theilweise auch in der damaligen Rieffer- Stiftung eine feste Grundlage gewonnen zu haben glaubte; ich erinnere ferner an die beredten deutsch-patriotischen Worte, mit denen der Advocat Lehmann im Jahre 1868 am Schluffe seiner Schrift »Höre Israel!' fein Plaidoy« gegen die Alliance begründet: .Gelten wir deutsche Jude» denn nicht-, daß wir nicht auf eigenen Füßen stehen sollten, können wir nicht auch im eigenen Namen anklopfen an die Pforten der Mächtigen, -inttetm ia die Hütten der Unterdrückten? Danken wir eS nicht dem Jahre 1866, daß da, wo sonst nur ftanzöfische und englisch« Roten Gewicht hatten» nun auch daS deutsche Wort beachtet wird (damals seit ganzen zwei Jahren schon!)? Haben wir nickt aufgehört Nullen zu sein ia der Politik? Nun, so wollen wir deutsche Juden eS auch bewähren, fo wollen wir den Dank für die uns zu Theil gewordene Gleichstellung (???) auch darin bethätigm, daß wir unseren bedrängten Glaubensgenossen in fremden Ländern durch kräftige Hilfe Achtung und Lieb« einflößen für deuffche Juden!* Ich erinnere ferner an die unliebsame Behaadluagsweise, die man der Alliance bei Ecnstituirung deS jüd. GemeindetazeS zu Leipzig am 1. Juli 1869 angedeihen ließ, und verweise insbesondere zum Verständniß jener Vorgänge auf den Commentar, dm einer der Protokollführer zu dem kurzm Protokoll der gmanntm Sitzung im »JSr. Lehrer* Nr. 41, 1869, gab und der mit dm Wortm schließt: .So kam eS, daß eine entschiedene, klare Refolutton für die Alliance beim Gemeindetage nickt gefaßt wurde; daß die freundlichen Ausdrücke ebm nur Worte warm, die ebmfo gut eium Absagebrief in Bezug auf die praftische Thärigkeit für die Alliance in sich fassen konntm; daß, während Feuilleton. A u a n i t o. (z-ttsetzaug.) Der Tag, der zu der Verlobungsfeierlichkeit bestimmt war, war herangekommm, ohne daß sich Jnanita auch nur etnm Moment der Ueberwachung hätte entziehen könnm. Zwar war feit dem angeblichm Tode deS unglücklichen Diego nur eine ziemlich kurze Zeit verfloffm, und sc konntm leicht Bermuthungm auftauchm, die dem Grafm ärgerlich fein mußtm. DaS wußte er sehr gut. Aber einerfcit» mußte er auS der auzenblicklichm Zustimmung JuanitaS, die in ihrm Anfichtm so veränderlich schim, schnell Nutzm zu ztehm suchm, und andererseits hatte die Erbitterung, die ia der ganzm Stadt über daS lange Hinziehm deS Prozesse» gegm Antonio Perez herrschte, ihrm Höhepunkt erreicht; der AuSbruch konnte nicht mehr lange auf sich wattm laffm, di« Gemüther warm ganz mit dieser Tage-- frage beschäfttgt, und der Graf schmeichelte fich damit, daß die Familimfestlichkett, die er feiette, ebm deshalb kein Auffehm machm würde. Außerdem war er der Ansicht, daß das beste Mittel zur Eatfemung jedes Verdachte» ,ün kühne« und sichere» Sustretm fei. Weit mtfernt also, fich bet dieser Gelegrnhett auf dm mgm Kreis feiner Berwandtm und nächstm Freunde zu beschränkm, war vielmehr eine zahlreiche Gesellschaft am Abmd der Verlobung im Hause des Grafm versammelt. Man sah da die erstm man de« bekanate» Gegner der Alliance zu einer (a»fjes Rede da« Wort gönnte, «m gegm Zcabaq nalr prakttsche Dsä» tigkett derselbm wie auch früher an anderm Ortm zu sprechm, uns z» einer Entgegnung auf dt« offenbar falsch« und abstchtlich» Lerdrehnng» das Wort mtzogm wurde; so kam es endlich, daß erst die Synode wieder eine der Sache würdige und entsprechende Resolution faßtet Ich erinnere femer daran, taß «ch diese Resolution der Synode, wie der betr. Bericht Üxt di« Verhandlungen ic. S. 160 beweist, trotzdem nicht ohne ernfim Widerspruch und erst dann angmommm wurde, als einer der Wortführer der Versammlung die Alliance entschuldigte, daß sie »an dm Reform« der gottesdtmstltchm Einrichtung« nicht theilaehmm könnet Ich erinnere femer an die Eoncnrrmz, die der Gemeindetag off« «ad mtschiedm der Alliance machte und die nammtlich ia der westrussischm Judm-Aagelegmhett so störend hemortrat, indem er für dieselbe die bekannt« Sub-Eomttti's etablirte und dadurch die organistrte Hilfe der Alliance zu paralyfirm suchte; ich erinnere femer an die heftig« Debatt«, die auf dm Berliner Eonfereazm zu End« v. I. dteserhalb unter dm Augm der Pariser Deputtrtm stattfand« und dir mit «ehr als wünschmSwerther Klarhett die seParattstssch« Bestrebnnxm einer gewiss« Pattet bekundet«; und ich erinnere endlich an t« übrigmS fruchtlos gebliebmen Aufms des Berliner Lokalcomitö'S der Alliance, in welchem auSdrückli^ von einer zu erstrebend« »Selbstständigkeit, die geboten* fei, die Red« ist (Leitartikel dieser Wochmschrift Nr. 23) und der nach dieser Sette hin aufs d«ttlichste vervollständigt wird von der Eröffnungsrede, welche in der am 18. Aprü c. stattgehabtm Gmeral- Versammlung des Berliner Zweigvereia» der Alliance gehattm Word« ist (Hamagid Nr. 20). ES geht aus dies« Thassachm wohl zur Genüge hervor, daß es weder der furchtbar« Niederlage Frankreichs, «och 1« immmsm Machtvergrößemng Deutschland« bedurfte, um dm Gedanken einer deutsch« Alliance anznreg«, der vielmehr lavg« vor AuSbruch des gezmwärtigm Kriegeia »erschiedmster Wesse bereit» mächtig gmug zum AuSdmck gekommm. wenn ich mich Adelig« Saragossa-, lauter «sschiedme Lertheidiger ihrer Vw» fassung, die heimlich oder öffentlich in die Verschwörung gegm dm König und da» hellige Officium verwickelt warm. Ter Graf hatte eS aber auch für angemeffm gesund«, di« Juquifl» torea und einige ihrer Parteigänger eiuzuladeu. Hatte doch das heilige Officium ihm während des ganM Verlaufs der Ewhe keinm Stein in dm Weg gelegt; und zugleich war dies eia Mttttl — der Graf wmigstens glaubte das — sein« Anordnung« de» Anschein der Noblesse zu gebm und jedm Verdacht einer vor» schwörung gegm da- Anfehm des furchtbar« Tribunal« für immer zu zerstrmm. Juaaita, der man ein« Platz unter dm dem Hanse »erwandt« Damm angewiefm hatte, bettachtete mit gespannter Amgstlichkeit die glänzmde Versammlung; ihr« Augm sucht« ein« theilnehmmdm Blick, eine ermuthigmde Teberd«; aber kotn befteundete» Gesicht zeigtt fich. Ihre ganze Umgebung war nur dazu erschimm, um ihr nacheinander in kalt« Wort« ihr« Glückwunsch zu ihrer Verbindung mtt de« Sprößliug eine» so erlaucht« Hause» darzubring«; das junge Mädchen fühltt sich verlor«, und ihr letzter Hoffnungsstrahl verschwand, als I« Graf zu ihr hinttat und ihr sein« Arm anbot, um sie in I>ie Mitte de» Saale» an dm Tssch zu führen, an dem fich Alorizo und Herr von Tumo bereits befand«. Juantta» Lage war schrecklich. Durch ^heilige, unlösltche Bande an Femando geknüpft, sollte sie jetzt einem and«» Gatt« die Hand reich«; und sie durste ihr tödüiches Gehetnmlß niemals eingestehen. Al» d« Graf das Schwank« de« jung» Mädchens be-