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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-12-07 · 49 (7.12.1870) · p. Seite 403

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
49 (7.12.1870)
Date
1870-12-07
Page
Seite 403 (sequence 7)
Language
German
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40t «tt Pulver tnb ander« Ziiudwa«« unterlegt. Wakh yeftvll tth der Sache geschehe», ist «tcht gründet. Lba bet dem Lmstaudch daß über 80V dort wohnende jüdtche Segl« de« sich«» Tode geweiht waren, zeugt dies« Nachricht von der Rohheit kn diesem Land«, vom Gelingst« an« de« Bolle angefange» bi« zum Höchst« in demselb«. (?. z. Zeit.) Petersburg. Der tSrarlisch« Gelehrt« Eion ist zum Professor an der hiesigen kaiserl. llotv-rsttät ernannt; vr. Bern» stet», bisher Docrnt in Odeffa, von der dortig« Universität zum profrffor vorgeschlagen Word« und seine Ernennung höchst wahrscheinlich. (M-ggid.) Boston. Die Nomination (r. h. Aufstellung als Candidat Seitens einer Partei) eines de» scheu Inden zu« Kongreß durch die Bürger von Boston ist -ine so »neue Neuigkeit*, daß wir ihr ein« genauer« Bericht loidm« müffm. Mr. Leopold Morse, al» Candidat der Demokratie in Boston, hat dapuri» tsttif^i Sil flffrrwfyfn unb, su) c* gwifrlt obix totx* den, so hat er immer dt« Ehre, in einer Stadt, in der nie weder ei» Jude »och ei» Fremder z» politischer Geltung komm« konnte, der Bannerträger seiner Partei geworden zn sein. (Folg« nähere Data über sein Leb« u. s. w. Er ist » »elk-mack« man, seine Heimath ist nicht näher bezeichnet) («ac. J»r.) An Baltimore ist an dm Feiertagen in NM» Synagogen GotteSdimft gehaltm Word«. >«S Mrlbo«r»e klagt ein Eorrefpondmt drS »I. Rrc.' darüber, daß im dortig« Gefäo,;niß 16 Judm inhaftirt fei«, für welche Rev. Omstetn in den Bußtagen Gottesdienst und predigt gehaltm habe. ES fei dieser traurige Umstand leicht erklärlich: eS wände« viele ein, »selche in Australien ihr Glück «ach« wollm, ohne weder Berviözen noch nützliche Kmntniff« zn besitzen. (Handwerker würd« stets ihr AnSkommm finden.) Die fall« dann erst der Wohlt Tätigkeit zur Last, dann dem Verbreche« io die Arme. Me Herkunst dieser Person« ist nicht angegebm, eS scheint, daß sie zunächst au» England komm«, aber wahrscheinlich sind sie dah» auch erst eingewandert. — Der Korrespondent beschreibt dann ausführlich die Gmndstetn» legung eine» Armenhauses» welch :» die jüdische philanthropische Gesellschaft erbaut. LiteratuiHericht. Aenediüt ». Spinoza'» System der Philosophie in gmetischer Entwickelung dargestellt und mit einer Biographie Spinoza'» versehm von Moritz Brasch. 8. (192 I.) Berlin, Würk. 1870. >l» Htfrnnt in ersten Semester seiner Universttätllehrjahrr einen berühmte» Lehrer der klassischen Philolegie und Philosephie um Rath fragte, welche» Auch er zur Borbereitung sür spätere ernste phiws«hisch« Stndin, lesen sollte, gab der gesrierte Mann bi« trockene Antwort: Lese» &t Kant « Kritik der reine» Vernunft; tt giebt keine bessere philosophisLe Propädeutik. Dies« Meinung erschien mir »rsprüagliä; so barock und widersinnig, al» hätte mir Jemand empföhle» de» van eine» Hanse» mit dem Giebel auznspng«. Bald indesi lernt« ich begreife», daß dieser Rach bedeute» sollte: Wer ein Studium ernstlich betreibe« will» der wähle nicht den Lehrer, der am leichteste», sonder» der am beste« unterrichte«. Lerne» ist kein leichte» Geschäft und wer di« Spitze» der Grkenntnitz erklimme» will, darf den steile» und schweren »nsgang nicht scheuen: di« >n»stcht, dir sich von diese» Spitze» biete«, ist „de» Schwei»«« der »Mm werth". Und so würde ich eine«, der mich um de» raschesten Weg tut gründliche» Kennt»i» de» Spiuozistischen System» frage, rnhig antworte«: wse» Sie Spirwza's Ethik; et ist evi dünne» Büchlein: freilich kein« Zeitnngtlektüre, aber »ach dem griechische» Sprstchwort sitzt »»» einmal der Schwei» an »er 'Werte der Weisheit «ad mn» «brrwnnde» werde», wem» wir i» ihr» Halle» eintrete» wollen. Ich würde ihn «f Ick» Eompendinm derwckse» nnv ich bedaner» z» Gemste» des Herr» Brasch kein« «»«nahm« mache» za könne». Zwar ist der Vers, wähl «ertränt mft der Philchaphi« Spftwza»; er besitzt nicht minder ein« gnoat ».—■«f »er einschlägigen Literatur (ans ein, wesmtkich» Lütke werden wir nach,z«L!kAa»mt»), «ich die übrige» grSßem philosephische» Systeme st» Ihm, wenn auch einige Jrrthümer mit unterlanseu, soweit er «»für seine Zwecke braucht, bekannt; dennach bqwrifel» wir, ab sich Jemand in diesem virrw« van DarstellnNg an» KöftA de» der Stasi gewifieemasie» ganz ^ne Zuthna de» Herrn Berfasier» errangt» zuwchisinde» wird» e» fck denn» er bes仫 für diese» Labyrinth de» Ariadnefaden — die Kenntui» der Ethik. Bom pädagogischen Gestchttpunkt an» könne» wir als», trotzdem wir bi* GckehckamkeU de» Hrn. Vers, achten und anerkennen» da» Werk nicht nfe» dingt empfehlen. Wa» den sachlichen Behalt anb«trifft, s» möchte» wdr nn» erlauben die Anfmerksawkeit der Leser «f einen Punkt ja lenke», dessen Besprechung wo» innerhalb der Dendenge» dieser Zeitschrift liegt: der Vers, kennt und schätzt zu wenig di« Bezüge, in welchen Spiuqa'ö System znm gwdntthn» steht; hierin ist auch fein« Ltteraturkennviimangelhaft; er schreibt Schaarschmidt etwa» »ach von dem Mystiker Ehc»dai Ere»ka» und scheint di« Arbeit Jo kl'»'), der di« frappante Arhnlichkeit der Auschauimgea Mischen Chasdai nnd Spiaqa in de» Angelpunkte» ihrer Systeme grnrst hernorgehobe» hat» gar nicht za kenne». Dir Sach« hat für da» Verstündniß Spinoza'» ibre tiefer« Bedemnng. Auch der hervorragendste Mann thtta, wie eigenartig er sich immerhin entwickelt, den Zasammeuhaag mit der Zeit nnd dem Bolklthum» au» dem er hervorgtwachsen ist» nicht löse» und auf» heben. Wie der Riese Antän» seine Unüberwindlichkeit zog au» der innigen Berührung mit der mütterlichen Erde unter leinen Füßen, so saugt auch da» Genie sei« Kraft an« den Wurzel» der W>lk»kildung, an» der geistgea Achmosphäe«, in der e» athmrt. Auch Spinoza „der Dealer ans einsamer Höhe" wurzelt vielfach in den Ideen, welch« da» geistige Leben de« Jndruthnm» im 17. Jahrhundert befruchtet haben, nnd er ist trotz de» philosophischen Schulklckde«, welche» er um scka System gehängt h2 «eseatüch — Mystiker. E» giebt «in Zeichen, an weichem die Mystiker aller Zeilen zu erkenne» sind: da» ist di« Behauptung, daß e< ein vermöge» gebe, kraft deffe» der Mensch ganz unmittelbar di« Wahrheit erkennt, kraft besser: er sie schaut ganz ebenso unvermittelt wie wir uni die Sinnr»wahrnehmuugea denken. Am schärfste» spricht sich dies! Meinung in dem bekannten Satze an«: „Wozu bedarf ich für da» Dasew Gotte« eine» Beweise», da er mir dach näher ist al» ich mir selber bin." Die demonstrative Methode ist den Mystikern nur ei» Rothbehels; da sie in ihrem vermöge» namittelbaren Schauen« Daedalu»' Flügel besitzen, »eiche sie in den Aether der Wahrheit hebe», so könne» sie imtürlich auf da» Berfahrcki, welche» die gewöhnliche Logik an die Hand giebt, kein entscheidende« Gewicht legen. Und dtese» Bundeszeichen aller Mystiker» die intuitiv« Erkeuatniß, st« liefert dem Spinoza Grundstein und Krone seine» philosophischen Bau'». Ls verschlägt hierbck nicht viel, daß Spinoza den übrigen Theil de» Bau'» durch logische Beweise «cktersührt» di er den bei weite« wichtigsten Begriff, den Begriff der allumfassenden Substanz, au» dem da» ganze System sich gleichsam herausschälea läßt, der Intuition verdankt. Mau wende un» auch »ichr ein» daß er die Werk« der Kabbalisten leere« Geschwätz nennt. Je leichter «in« Verwechslung möglich war, um so energischer mußte er sich dagegen «erwahren; zudem verhält sich fckne geklärte g, läuterte Mystik zu de» verworrenen Phantasier» der Kabbala wie der klare Wein zum ungegvhreneu Most. Spinoza steht z» de» Kabbalisten ungefähr in demselben Verhältnis wie Schelling zur deutschen Mystik, nur daß dieser letztere seine «ffseaschaftkichen BeUern niedriger» Range« nicht so unsanft bei Seit« schiebt. Man verstehe un» recht: nicht die „HimmelsPforte" de» Errera, nicht das „Go«te«licht" Lhasdai's, klein bestimmter Mann und kein bestimmte» Buch ist dir ansschließliche Quelle seiner Gedanken; aber die geistige Strömung, welche damal» da» jüdische Erdreich ttäukte, hat auch seinen Geist besiutet, deffe» Schärfe die »»Narr» Gewässer lä itrrtr und klärte. E» geht den Schriften de» Spinoza fast so wie den „Evmigckiea": an» de« voden de« Jndeuchum» eatsproffra, kann ihr Wese» und Wachsthum nur an» diesem ertlätt und begriffen werde«, wie müffen un» au dieser Stelle mit uuvollftLudige» Andeutungen begaüg-u; schade, daß da« Buch de« fleißigen Hru. versaffer» grade diese» Problemen nicht die gebührend« Aufmerksamkeit geschenkt hat. Au» Lemberg erhalte» wir da» Prabeblatt einer neuen hebräisch geschriebene» Zeitnng njn. Sie enthält politische Rachrichten, Berichte Uber jüdisch« Aogelegenheilen und in einer besondere« Abtheilung, njTI nn» Gedichte na» Abhandlungen. Ein Programm ist nicht gegeben und «ine destimmte Dendenz nicht ausgesprochen. Di« Ausstaltuag ist für ei» Prvbeblat» nicht sehr empsehleud. Wir erwarten die weiteren Rummeru. (Zum Austausch bereit.) von dem bekannte» Werke »an Deutsch» „tat Dalmnd", ist eine russische Uebersetznng erschiene». verichttping. I» Er.48. g.395«, 8-3 ».*. fii» .seiner Fesinnggtied. (st. sied). *) Da» Ebu«dck Errska's reNgiontphilolophisch« Lehren in ihre« geschicheüchr» «WÜsie dargestrllt. Bwsic, im.

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