Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 49 (7.12.1870)
- Date
- 1870-12-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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für die religiöse« ««d soeiale« J«teresse« des Iudenihums. 1. Jahrgang Ml*.-tm Ulul ftm.u i: i: Erscheint itW« Mittwoch, frei« »irrleljthrlich *) eäWrgrof -»serttons-esützr fit Im ferrifpaltigt Petitzei'e ober betn Raum 1*/» Sgr. Bermwoertücher Rtbatest n* ^cMwtyeta: Rabbiner Dr. JU TreNenfek* in Stettin. Breslau. 7. December 1870. Zu beziehm durch all« Buchhandlsugm mrd Poftanstolreo. A»,'ers1«s-AsssS»« I» da Bchlrtter'sch« Buchhandlung (H. Skutsch) i» Breslau. Auhalt. llettettder Artikel: Zur BerftSudtguug »der di« Parteistelluug »uter de» Israelit,« tu de« »eutsch.sr,«»»sisch,a Art«,«. Kriegs-Nuchrichte». Fruillet»»- Zuauit«. (Aocts.) vertchte «u» Tornspvudeureu: Deutschland: «mgsher, i. Pr. Pume. Oesterreich: «im. vtz». «»»rika: «ew-vorl. (Echlust.) verwischt« und «uest, Nachrtchtru: lviru. Moldau. Petersburg. Boston. Baltiuwre. Meltour«. LtteuwurDericht. lvertchtiguug. l8arai^»»-8tste. Iuseratr. JT'—==- ^Aur DeMndignng iider die P«rieißeüung unter den * -»raetite» in dem deutsch-französischen Kriege.') »Sage« Eie mir Ihre aufrichtigste Herzmsmeiaung: mit wem halten Sie «», mit de« Preußen oder mit den Franzosen?' so »erde ich tagtäglich gefragt. E» darf Dich nicht wundern, lieber Leser, wie man einen preußisch« Bürger so fragen könne;' die Fragesteller find russische Glaubensgenossen, and wie bei alle» ihrm Landsleuten find ihr« Sympathien mehr ans fraa» tztslftßv «st» cheutschsr Seite. De» du ftg-wiheit und Humanität t» allgemeinen, insbesondere aber die vollkommene Gleichstellung der Israeliten mit allen übrige« Bürger» de» Staate» nur bet den Franzosen verwirklicht wähnen, darum, meinen fie, «üffe zum allermiudeste» jeder Jsraelite im Herzen gut franzö» fisch gesinnt sein. »Nfo meine wahre Meinung wollen Sie wissen? Gut, so höre» Sie! Gänzlich abgesehen von meiner Ggenschast als preußischer Bürger, sind alle meine Sympathien und alle meine Wünsche für allervollständigstea Erfolg auf unserer Seite. Die Franzos« habm dies« Krieg muthwillig provoctrt, eineStheilS well fie sich eingeredet, fie müßt« die Rheingrenze habm, anderntheil» well fie mll der fixe» Idee behaftet find, die erste Nation der Welt zu sein, und darum Prmßm, wie auch jeder audem Nation einm jedm Erfolg mißgönnen. »Ich bin Pharao und außer mir soll Niemand Hand und Fuß erheben, * — da» ist auch Frankreich» Grundsatz. Prmßm hat aber sehr eifrig Hand und Fuß geregt ohne Frankreich zu ftagm, hat diesem sei« Recht, im europäischm Staatm-Concert di« erste Stimm« zu führm, ganz emstlich streitig gemacht, darum sollte e» lahm gelegt werde». Prmßm, oder richtiger Deutschland, würde aber nie auS solch uichtigm Ursache« einm Krieg begounm haben, e» hat solchm Ehrgeiz wahrlich nicht! Damm wünsche ich ihm dm Sieg; wünsche, daß es die stärkste und einflußreichste Macht der Welt werde, weil ich dm heiligen Hort de» Frieden» in seiner Hand viel emster und treuer gehütet glaube al» tu der Hand irgmd einer anderm Nation der Welt. Und wo der Fried« ist, da ist auch meine Sympathie, sowohl in Rücksicht auf die gesammt Mmschheit, al» auch in Rücksicht aus unser israelitische» Lol.. Sie kenn« dm Spmch: »Gott hat kein Gefäß grfundm, da» so viel de» Segen» für Israel enthielte al» der Frieden, nach dem Wotte der Schrift: Der Herr wird Macht' seinem Bolle gebm; der Herr wird e» «tt Fried« segnen.' Er gtebt ihm Macht, well Fried«. Die immerhin respektable Macht, welche da» Volk Israels besitzt und auf die Geschicke der Wett ausübt, fie ist nur errungm und nur verwmdbar in und durch den Frieden.' »Da» heißt gesproch«', erwiderte mir mein Freund, »wie ei« vernünftigrr Mensch uad guter prmßischer Bürger; aber sag« Sie mir im Ernst, wmn Sie bedmkm, was wir al« Israeliten bezüglich unserer Weltstellunz Frankreich verdanken, wm» Sie bedmken, wie dieselbm in Frankreich erstellt find, wmn Sie bedmk«, daß an der Spitze der ftanzöstschen Nation gegenwärtig Mtt «nserer westlichsten-Gkmb«a«genoffeu sich. befindet, sollten sich da nicht geheime Wünsche für da» Glück der französischen Waffen in ihrem Herzm regen?' — »Die Frage, weither Freund,' mtgegnet« ich, »ist allerdings für einm Israeliten, der mit ganzem Herzm seinem Bolle zu» gethan ist, eine sehr verfängliche; doch, hoffe ich, soll auch ihre Beantwortung in dmtsch-pattiotischem Sinne auSfallm. In dem ganzm mropäischm Frankreich sollen nicht viel über 80,000 Jsrae» litm sich defindm, wovon mehr al» die Hälfte auf Elsaß und Lothringen kommen. Wenn nun letztere Provinzen noch zu Dmtschland geschlagen werdm, so kommt daS Häuflein der fran» zöfifchm 3udm gar nicht in Bettacht gegm die deutschen, wo ja der siebzigste Mensch ein Jude ist. Du antwortest vielleicht: da» ist ja ebm, waS ich schon nun der Judm weg« nicht wünschm möchte, daß jme Provinzen von Frankreich abgettennt und in Deutschland edrverleibt würden; ich aber antworte Dir: Du hast selbst nach dieser Richtung hin unrecht. Allerdings ist der Jude in Frankreich bester gestellt, aber des Judm Weltftellung im Allgemeinm macht doch vorzugsweise der dmtsche Jude. Der erheilichste Antheil der Judm am Weltverkehr, an der TageSpreste, an Kunst und Wistmschaft in Deutschland mrd andern Staatm fällt gebormen Deutschm anheim. Woher rührt da»? De» Juden innerster Kern ist — uad sei er ein noch so eifriger Pattiot eine» andern Staates — echt deutsch. Man blicke uur auf ihre Sprache al» dm Ausdruck ihre» innem geisttgm WesmS. Die drei Millionen Judm in Rußland sprechen untereinander nur Dmtsch, die französischm und mglischm *) verstehm diese Sprache wmigstm» zum größtm Theil, die amerikauischm find fast lauter gute Deutsche, ebmso die östeireichischm und ungarisch«, und merkwürdigerweise habm Reisende in Persim und Hiaterindim Inden s angetroffen und sich mit ihn« in deutscher Sprache verständig« können. Al» Erbin der griechisch« Sprache ist der deutsch« auch diese Bestimmung geword«, al» die »me »Jephje-