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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-09 · 45 (9.11.1870) · p. Seite 371

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
Seite 371 (sequence 7)
Language
German
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571 berichten, all bi» ich Ihnen Gewisse» sagen kann, lleber Da» kann man aber bei unfern jetzigen politisch« Zuständen' Gewisse» sage«? — 81» Gegenstück zu dem von Ihnen (in Nr. 41-42) ab gedruckten Feuilleton-Artikel über die hiesige Jom-Kippur-Feier habe» Eie hier noch eine andere an» einem demokratischen Wiener Blatte: »Da verstehen e» die Lörsenmäkler schon besser, wie man Gott und der Welt zugleich dienen kann. Eie haben da» am DersöhmmgStage glänzend bewiesen. Während Prediger Güdemann die zerknirschten Herzen talmudistisch erschütterte und Jellinek wieder mit theatralischem Anstrich mehr auf die SiuneS- »erkzeug« der Gebildeten wirkt«, erschien schweißtriefend unter den Lndächttgen jetzt ein Galopin, dam wieder «in Dkenstmann. Augenblicklich hoben sich die Köpfe der frommen Beter in die Höh«, die Hände streckten sich au» und die CourSzettel und Depeschen, die so ähnlichst erwartet wurden, verstärkten die Andacht oder verminderten sie; nach dem jeweiligen Inhalte der Mitthei» lnugen stieg oder sank dam auch die Buße und Reue um lU oder Vb.' Ami», 1. November. (Orig.-Eorresp.) Dr. Mühsam, Prediger der hiesigen israelitischen CultuSgemeinde, eia Preuße <au» 8and»berg in Oberschlefieu), ist an der hiesigen Lande-- Ober-Realschule al» Lehrer der französischen Sprache anzestellt worden und hat da» Emennmg»decret al» solcher bereit» erhalten. ES wird wohl der erste Fall in und außer Oesterreich sein, daß ein jüdischer Seelsorger im Amte einen obligaten Gegenstaud an einer Mittelschule ttadtren wird. * ^est, 28. Oktober. (Orig.-Corr.) ^Ourch die Feiertage habe ich versäumt Ihnen eine nicht unwichtige Notiz von hier zu melden. Am 1. d. M. wurde da» neue Semester der Universität durch eine Rede de» Bc«tor nugmficns Konek eröffnet. Derselbe gab verschiedene statistische Notizen md Uebersichten und thetlte bezüglich der Frequenz der Universität mit, daß die Zahl der immatrikulirten Hörer 1988 bettagen habe, von welcher 56 pEt. auf die katholisch« Cdnfesfion fiel; bei dieser Gelegen» hett wurde auch bemerkt, daß die Israeliten den Drang nach höherer Bildung am meisten fühlen, wa» durch statistische Daten bewiesen wttd, nach welchen die iSraelttische Bevölkerung kaum 4 pCt. der Gesammt-Bevölkenmg de» Lande» bildet, während die Israeliten 18 pCt. der Hörerzahl der Universität liefern. Vermischte und neueste Nachrichten. ä. LreSla», 4. November. Dr. Glaser wurde zum Prediger «d Schuldirektor für Lipnit-Biala mit Akklamation gewählt. Herr Ludwig Kahn ist al« Adjuuct de« Ikiicheurath« Dr. ». Mater nach Stuttgart berufen worden. Hauuover. Der »J«r. Lehrer» enthält nachstehenden Bericht: »Line Entscheidung, welch« vortommeudea ssalle» auch ander«wo wichtig oder maßgebend sei» kan», ist vor einige» Lagen vom Eerichtshof in Hannover gefällt worden, vier (?) Geschworene isr. 0 stauben« stellten auläßlich de« Ncnjahr«- vnb vrrfbhmmgttagt« den Antrag, von der Sitzung ans zwei Lage di«penstrt zu «erde». Gerichvkseitig wurde dieser Antrag abgelehut, «eil nach dem Gesetze die jüdischen Feiertage nicht al« solch« auzuseheu seien, di« von der Lheilaahme au Schwurgericht«fitzungen entbinde» können.» Die Red. fügt hiuzn: »Et ist aber doch vor einiger Zeit vorgekommm, daß etu Jlraelite d» Folg« seiner Energie von de» Sänvnrgerichttsttzimgeu am Sabbat ditpenstrt wordeu?» Diese vemertuag ist nichtssagend. Di« »Energie» de« Eiuzeluea lau» eiaem Schrvurgerichtl hof gegenüber, der sich a» da« Gesetz halten muß »ad lomriveuz weder «den kau» »och will, auch gegen Renitenz leine Schonung knott, nicht Stau» halt«. Dir Sache verhält sich «der». Landradbiuer Dr. Metzer har s. Z. »Ü de» frühere» haww». gußizwiutster Leonhard mW de» «bersten Gericht« zu Cclt laug« verhaudluuge» »ege» jst». Geschw». reue» am Sabbat gepfloge» «d ei» Gatachttu »btzegedeu, welche« »« de» Reftmeftmndm (wo» wir »ich« irr«», auch tu de» -A. Z.». I.») starl «s. tztgtiffm wurde. S« kam kurz vor i«r lawstrrtzh« 1000 qnaai ei» Atko«. me» zu Staude, wonach der Krvaanwalt veranlaßt wurde, diejraigeu -üd. Geschworen«,, welche am Sabbat nicht sungirea wollte», j»de«mal zu reeusieea. Die» ist auch jetzt geschehen. Die Geschworen«, (wir wissen nur von zwei) mußten ollerding« am Bersöhamigttage erscheine», wurden aber nach Erledigung der Formalitäten altbald entlassen. <M war im speciellea Falle besonder« nicht ander« möglich, da die gesetzliche Zahl ohne st« nicht »oll gewesen wäre. Die Sache war den Betreffenden unangenehm, aber am End« nicht so schlimm, da in dem bloßen Erscheinen vor Gericht doch kein« Entweihung de« Lage« liegt. Jeder, der di« Proccdm kennt, steht ei», »aß eia anderer Weg nicht zu studra ist. Daß der Staat di, Schwurgericht« - fitzungeu am Sabbat vertage, ist nicht zu verlangen; daß er jüd. Geschworeue k condition ernennen lasse, ist nicht denkbar; daß am Sabbat da« Loo, nie auf eiueu Juden fall«, läßt sich auch nicht machen, und der Geschworen« müßte auch bau» erscheinen. Ein Urlaub »der kann nur bewilligt werden, «euu die Zahl e» erlaubt. Bleibt also nur di« Recusatio». Wie». Der Vorstand der Eulm«gemeiade hat die Abschaffuug de« Schulgelde« (für die Gemeinde-Religion»schvlm) beschlossen. Wie«. Bar»» König»wa,ter hat dem Bürgermeister Dr. Felder au» Anlaß seiuer Stande« - Erhöhung einen b etrag von 15,(XX) st. zu einer »König««arter-Stiftung» übermittelt, d»ren Interesse» alljährkich an Arme ohne Unterschied der Confessio» dort heilt werden sollen. Prag, L November. Der Statthalm: schrieb au den Bürgermeister eineu vries, tu welchem er ihn verantwortlich mach: für die ordeutlich« Wetterführung der Josesstädter Schul« (diese, die ei»;ige deutsche Boll«- schule Prag», welch« vou ca. 4M slld. Ikiudern besucht wurde, war aus Befehl de» Stadtrath» geschleffeu wordeu, weil augeblich kein Bedürfniß für eine deutsche Schule vorhanden sei). Dm trotzdem zur Sperrung derselbea erschimmm städttschm vaubeamte« erklärt« Schuldire«or Uttitz: die Schule sunctionire aus Befehl der Regierung und er würde nur der Gewalt weichm, woraus die Sperrung unterblieb. — Di« kitholische Ortschaft ki ch teuft ad t h« au ihrer Gemeindeschule einm jüd. Lehrer anzestellt. (Pr.) Galizien. Die Judenhrtzea dauern sort. »Hamagidberichtet an» Sorlicr: Am erstm Rmjahrttage fielm die Christen über die in der Syua. zöge versammelten Juden her und mißhandelten sie gröblich, draugm in dem, Häuser und ranbtm. Der Stadthauptmaun erklärte keine Hülfe leiste, zu köanm, well kein Miüiär in der Stadt lieg«; die Judm möchtm sich selber wehren. Die« geschah und mit Hülse der Gm»d'armm wurde die Ruh« wieder hergestellt. Am zwriteo Lage holtm die Bürger Bauern der Umgegmd herbei, um fit ihrer Fäuste gegm die Judm zu bedienen, „der Stadthanptmann habe e» befohlen", "von der Gen«d'armerie gewarnt, machten indessm die vanem »ehrt, die Bürger setzten dm Kampf fort, Li« Judm aber haben die Oberhand behalten und per Lelegramm nach Larnow gemeldet: „Wir haben nn» tapfer gewehrt." Auch au« vrze«k» berichte! die »R. ft. Pr.« über einm von Bürgermeister «ud Rath augestiftetm Judmftawall, der mergische» Borgehm de» Bczirrlhauptmann», aber auch »nieder sofortige Freilassung der Lxcedmtm durch da» veztrttgericht zur Folge hatte. Ferrara. Kurz nacheinander sind hier der Ober-Rabbiner Leon Reggio und der Rabbiner Mose» Levi, beide tief betrauert, gestorben. Erster« hat mehrere hebr. Werke versaßt infln pw^ new, erw th und bmo re: über Frauenpflichten. Holland. Dm» -R. I. W.« entnehmm wir folgende Notizen: Die holländische Regiemng gibt für da« Jahr 187 ' zur Bestreitung der Kostm de« i»r> Cultu« eium Beitrag vou 37550 fl. — Zum Mitglied der Commission, welche vou der Regiemag beauftragt ist den Entwurf za einem »eum Strafgesetzbuch zu ftrtigm, wurde eia J«raelit Herr A. A. de Pinto ernannt. — Eine christliche Dame mit Ramm Heinfiu» hat dm fünften Thril ihre« Bermigm« dem Riederl. i«r. Waismhau« zu Haarlem vermacht. Literaturbericht. 33. Hleteker, die Gliederung des BucheS Ezechiels. Mit Erlaubniß kttchlicher Obrigkeit. Münster, W. Niemann, 1870. 8. 144 S. Kau« war unsere Recmsioa vvuReteler'« »Gliederung de« Buche« Jeremia«- in der wochmschrift abgednukt, al« ua« da« vorliegend« Buch desselbm Vers, zugiag, über da« wir leider lein andere« Urtheil fällm lönum. Retrler mißbraucht »ssmbar »di« Erlaubniß kirchlicher Odrigleit«; den» Dinge, wie wft fit auch ia diesem Buche lesen, gehm weit über da» Maaß de« Er» laubtm htuau«. Wie »vögele der Maggi»- vermag auch Reteler »Alle» iu dm Poßak zu stellm«, wa« ihm ia dm Wurf kommt. Er studet iu Ezechiel Romaum uud Germaaea, Lschecheu »ad dm Antichrist, Griechen »ud Römer, drsoatzer« aber Raßlaud, da» sich ia Acht nehmm mt-ge vor dm Prophezeihnngea, die der Vers, gegm e« »«spricht. Kurz, Reteler ist «ia Original, dessen Origiualität «der »0» keinem dmkmdm Manne ihm bmeldet werdm wird. J.

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