Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 44 (2.11.1870)
- Date
- 1870-11-02
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935226--0472-5370179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
358 ftBci weise Sendung ausdrückte und mir alle Bergüustigungm bereitwilligst zu gewähre» versprach, bemerkte er jedoch, ^ß sein Corp» fast täglich engagirt sei. er also ei« bestimmte Zusage in Betreff der Theilnahme an dem Gottesdienste Setten» der J«raelüen diese« Corp» vorerst nicht machen könne. Schließlich wie« mich Se. Excellenz an feine« Adjutanten Major v. Frankenburg und dieser gab mir ein Schreiben, mit welchem ich den Weg nach Olgy ungehindert pasfirm würde. Herr Oberst o. d. Golz, von welchem ich einen Wagen erhielt, gab mir noch, da die Wege wegen der Francs-Tirmr« unsicher sind, eine reitende Ordonnanz mtt. 3» der That hatte der Weg nach Olgy ein recht kriegerische« Sussehen; beträchtliche Truppenmaffm lagen auf freie» Felde, ihr Mittagbrot am Bivouakfeuer abkochend. Ich wurde sehr oft von den wachthaltenden Soldatm nach meiner Legitimation gefragt, aber da« Schreiben de« Major v. Frankmburg und meine Ordonnanz bahntm mir überall dm Weg. — Gegen 4 Uhr in Olgy angekommen, hatte ich sofort eine Unterredung mü dem General v. Kummer. Dieser sagte mtt, daß laut Corp«- befehl« de« commandirentm Generals v. Mantmffel die i-raelit. Soldalm seiner Division am Abend de« 4. und am 5. Oktober vom Dienste im Heere befreit seien. Er werde mir gern nach geschehener Ermittelung die Zahl der jüdisch« Soldatm und dm Ort für dm abzuhaltmdm GotteSdimst telegraphisch angebm. Mein Verlangen, dm GotteSdimst in dem drei Stunden ent» ferntm Dorfe Boulais, woselbst eine Synagoge sich befindet, abzuhalten, erklärte der Gmeral für uuthunlich. Wtt müsjm, «prach er, immer darauf gefaßt sein, innerhalb 10 Minutm alar» mirt zu werdm und alsdann hat die gesammte Mannschaft gefechtsbereit auszurücken. Er versprach mir seine telegraphische Mittheiluoz für späteftm« Sonntag den 2. Oktober Vormittags, worauf ich ihm sofort antworten müsie, ob ich mich an den von ihm bezeichuetm Ott hinbezeben wolle. Um 5 Uhr war ich wie- 7 der in St. Barbe, woselbst mtt eine Stube zur Wohnung angewiesm wurde, die mich innerhalb der Verhältnisse noch sehr befriedigte. Wtt Spannung erwattete ich Sonntag Bormittag da« Telegramm de» Herrn v. Kummer, aber vergebens. Nachmittag« 4 Uhr erfuhr ich auf de« Bnrmu de» Feldtelegraphen, daß inzwischen v. Kummer in der Nacht de« 30. Septbr. mit seiner ganzm Division von Olgy aufgebrochm und auf da» linke Ufer der Mosel marschttt sei; e« wurdm überhaupt in dm Lagen de» 30. Eept. und 1. Ottober größere DiSlocationm im Lager vorgenommm. Sonntag dm 2. Oktober hätte man, daß die Division Kummer in einem starken Borpostmgefechte sich befinde; die Kunde erhiett durch dm in St. Barde deuttich vemommmm Kanonendonner volle Bestätigung. Ich unterließ dennoch nicht, telegraphisch bei Herrn v. Kummer anzuftagm, wie ich e« mtt dem FeldgotteSdimste zu halten habe, und erhielt von einem Offizier seiner Division folgmde telegraphische Antwott: »Da das Corps in dm nächstm Tagen voraussichtlich stark mzagirt ist, so vermag Exceümz keium Tag zu bestimmen. * Emm Augenblick hatte e« dm Anschein, al« ob mein Borhabm völlig mißlunzm sei; ich begab mich jedoch zum Adjutantm des Herrn v. Mantmffel, Major v. Frankmburg, und bat ihn, da voraussichtlich ein GotteSdimst mit der Division Kummer nicht zu Stande käme, einm solchen mit den i«r. Soldaten eine« andern Corps zu ermöglichen. Herr v. Fraakeaburg unterbreittte mein Gesuch dem commandirmdea Gmeral» Herrn v. Manteuffel, welcher hierauf die Abhaltung eines GotteSdimste« am Dienstag Abmd und Mittwoch in St. Barbe für da« 1. Armee-Corps genehmigt und anzwrdntt hat. — Montag dm 3. Ottober ttaf mich Herr v. Mantmffel und machte mir von seiner Anordnung persönlich frmndliche Mitthttlung mit dem AuSdmcke de« Bedauern«, daß er für die Israeliten der Division Kummer nicht» anzuordnm habe, da letztere feinm Befehlm nicht mehr unter» Feuilleton. Z u a n i t a. (Fortsetzung.) 11. Nach Diego« plötzlicher Entfemung drohte Juanita dm t.-übm Empfindunzm, die sich ihrer bemächtigt hattm, zu erliezm, und ttotz ihre« großen Muthe« vermochte sie dieselbm nicht zu überwältizm. Seit dem Tage der Enthüllungm, an dem ihr ihr Vater seine wahre Religion genannt hatte, war ttne vollständige Veränderung mit dem jungm Mädchm vorgezangm. Bi« dahin lebhaft und stet« »runter, war Juantta, deren Gegmwatt sonst das ganze Hau« mir Zrmde erfüllte, auf einmal ernst und nachtmklich gewordm. Dtt geheimm Unterredungen mit ihrem Vater, in dmm sie nach und nach das schmerzliche und heroische Geschick ihrer Nation kmnm lernte, machte» einen tiefm Eindruck auf sie. Da« jung« Mädchen empfand anfangs, btt der Erzählung so vitter Gefahren und Leiden, Furcht und Schrecken, aber nach und nach erwuchs auch in ihrem Jnnem der unbändige Muth ihre« Stammes; wtt alle Marannen war sie stolz auf dittm Streit, dm ihr Volk schon so lange mit solchem Gttchick zu führm verstand, war sie stolz auf die Mission, dtt sie im Lauf der Zett empsangm hatten. Diese Mission war ja nun auch dtt ihrige, und sie bttrachtett sie al« ttne httlige Pflicht, auf derm Erfüllung sie mtt Muth und Ausdauer hiuzuarbtttm entschloffm war. NichtSdestotveniger konnte sich da« arme, junge Mädchm im ersten Augenblick, al» sie sich allein dcistehm sah, ring« umgebm von droheudm Gefahrm, ohne jedm Beschützer, ohne Freund, ohne ein mmschliche« Wese», dem sie ihre Befürchtung« mttzu» thttlen vermochte, nicht enthalten tief aufzuseufzeu, und bald fing l sie bitterlich zu »vttnm an.; So hatte sie die ganze Nacht in vergeblicher Hoffnung auf I die Rückkehr de« Vater« zugebracht; sie horchte auf da« mindeste j Geräusch, bald voller Hoffnung, bald von unsäglicher Angst er-; griffen. Der anbrechmde Tag fand sie unttöstlich mit von Thrä-! nm und Schlaflosigkttt geröthttm Augm. Der Tag verging mit demselbm Schreckm, mit derselbm Angst, in die hie und da ein leichter Hoffnungsschimmer erhellmd fiel, aber Diego kehtte nicht wieder. Juanita, die schon an Klughttt und Umsicht gewöhnt war, hatte e« nicht gewagt, dirett in der »ManifestaciorE nachftagen zu lasten, ob der Alcalde in der vergangenm Nacht wirklich ihrm Later hatte rufm lasten. Sie halte sich damit begnügt, ihrm Bedimtm Jago dorthin zu schickm, um Nachttchtm von Femando zu erhallen. Dieser hatte antwortm lastm, daß er sich uwhl befinde, er bat zuzlttch sie und Diego, seinttwezm unbesorgt zu sttn; er hätte einm sttner Richter gesehm, und der Prozeß werde bald zu sttnm Gunstm endigen. Diego war also nicht im Gttängniß geivtten; der Attalde hatte ihn nicht dotthin rufm lastm; vor dm Augm de« armen Mädchen« erhob sich die unversöhnliche Inquisition, dtt ihre blutige Hand auf sie und die Ihrigen schwer niederfallm ließ! In der That bedimte sich dtt Jnquisttton mitunter dieser absonderlichm Mitttt, um sich ihrer Opfer zu bemächttgm, dtt oft aus der Mitte ihrer Famllim verschwandm, ohne je wieder etwa« von sich hörm zu lasten. Dtt arme Juantta »var in Folge destm von einer leicht erklärlichm hestigm Unruhe befallm »vordm, al« sich plötzlich am andem Tage in Saragoffa ein dunkle« Gerücht verbrettett. Holzhauer hattm auf dem Wege «ach dem Walde in ein»« Grabe», unter Strauchwerk verborg« und in nächster Nähe der Stadt