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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-19 · 41/42 (19.10.1870) · p. Seite 346

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
41/42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
Seite 346 (sequence 14)
Language
German
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346 Freiburz (S3aben) durch Rabb. Neig in Alt-Breiiach und in Berlin, wo die Ados JiSroel eine eigene Synagoge (zu 306 Männerplätzen) in erstaunlich kurzer Zeir hergerichtet hat. Eine Jahresschau deS „Jew. Record." zählt sechs neue und zwei rencvirte Synagogen auf, welche im Jahre 5630 allein in London geweiht oder doch der Dollendunz nahe gebracht werden find. Notizen. Sunm cuiqae. Durch die TazcSblätter ging vor einiger Zeit die Mittheilunz, daß eine streng katholische Dame auS Irland, in der Eigenschaft einer Bittstellerin für dm PeterSpfmnig, Victor Hugo zu Hauteville-House cinm Besuch abge>'tattet, und ihrer Subscrivticnsliste »den VerS von ihm als Motto' voranzeschickt hatte: »Wer Ärmm schmkl, der leiht dem Ewigen!' Hugo gab ihr ein Goldstück und sagte: Nicht für den Papst» Madame, sondern für Ihre Armen. — Wie, mein Herr? — Hugo nahm alS Antwort die Feder und ergänzte soinm MottovcrS: »Wer dm Reichm ziebt, leiht auf eine lächerliche Weite.' Einm ungereimteren Vers har gewiß noch Niemand gelesen. Wenn nun solche, meiner unmaßzeblichm Ansicht nach, in den! dichterischm Pro ctionm Hugo's nicht zu dm großen Seltm» . heilen gehöre, und ich meinerseits niemals ein Verehrer seiner; ausschweifenden, excentrischcn Muse gewesen, so kommt diesmal! zu der Ungereimtheit noch der besondere Umstand hinzu, daß der erste VerS die Hälfte eines Spruches aus einemsehr altw, : aber für ewige Zeiten jugmdlich frisch tleibmdm Buche genom-! mm ist, nämlich, wie jedem mit der Bibel noch so oberflächlich j Vertrauten bekannt, aus dm »Sprüchen Salomo'S' Cap. 19, V- 17. — Bekanntlich haben sich nun jüngst englische Theologm verschiedener Bekmntnisse vereinigt, um das alte Testammt einer »Revision' zu unterwerfen, und haben jetzt bereits mit der textualischm Untersuchung des ersten Buches MosiS begonnm. (ES handelt sich nur um die Ueberjetzung. Red.) Wir wollm hoffen, daß diese ehrwürdige Congregaticn dm erwähnten Spruch des jütischm Königs ebenso als echt anerkmnm, als Victor Hugo den zweifclhaftm Ruhm der Abfassung des wmiz erbaulichm zweiten VerseS ruhig belasim werde. ,K Kr6«ie»« — ei» Prophet? Ist Herr Grömi-up nicht auch ein Bielwiffer einer neuen Gattung? G« schein», daß er ma seiner Stellung al» Mitglied der Regierung unenrgeltlich» Functionen der Prophetie verbindet. Liner unserer Freund« unterhielt sich vor einem halben Jahre mit ihm, oder vielmehr er Höne ihn sprechen. Alle Welt weiß, velch' bewunderungswürdiger Redner Herr Lrömienp ist. Lber besonders muß mau ihn von seiner lieben Revolution sprechen hören. Gr erzählt nutz: Thaisachen, er malt sie mit Lieb« und erweckt gleichsam di« Personen vom lode. Herr Grömieus sprach als» von 184*. Gr sprach hier aber mit Beredtsamkeit, mir Bewegung und der zärtlichen Bewegung eine« Greises, der sich ein« glücklich« Fugend in« Bedächtuiß zurückrnsl. Wie ist die« alle» so weit rnrsernr! seusz» unser Freund. Wie ist die« alle« so nah! erwidert lebhaft »er kleine republikanische Elia». Und indem er de» Vorhang seine« Fenster« bei Seit« schiebt, richtet er einen langen Blick aus die Tuilerien. Gin andere«mol ging er am Arme eine« brfteundetea Deputirien über den Play BendSme. Plötzlich wendet er sich ganz schnell nach recht», de» Weg nach dem Culrusministerim» «inschlageud, wobei er sorrsnhr, sich zu unterhalte». wohin gehe» S»e denn? sragte der Teputirte.! Ja« Ministerium, sagte er. Ich irne mich, und schon feit zwanzig Jahren irre ich «ich, wen» ich diesen Platz durchschreite. Mir kommt e» immer vor, al« wäre ich noch Juftizmiaifter. La« ist seltsam. Jedoch, ftchr »er berühmt« Redner fort, ist da« kein Ehrgeiz, sonder» eine Ahnung, di« ich Hab«; ich bin sicher, daß ich »och einmal Minister werde. Gr ist e« wieder geworden. (Ganloi«.) . Literaturbericht. Dr. ß. 'JKttgenSern, Die französische Akademie und die »Geographie deS Talmud'. Zweite vollständige Auflage. Herr vr. Morgenstern will mit seinem Büchlein einen neuen Beleg z» der alten Wahrheit liefern, daß auch in der wiffenschastlichen Welt nicht immer diejenigen, die di« Krön« tragen, sie auch verdienen, daß nicht all« preisgekrönten Werke auch preiseu»werth sind. Herr Neubauer har aus Veranlassung eine« Prei«au»schreiben» der französischen Akademie eine »Geographie de« Talmudverfaß«, welch« den Beifall und den Prei» dieser erhabenen Versammlung gewann. Sein Bach fand in Folge deffen Loher nach Gebühr, vielleicht über Gebühr; säst gar keine Tadler. Da erhob sich Herr vr. Morgenstern und erhebt sich jetzt aus« neu«, «m au« dem Lorbeer de« Herrn Reubauer Blatt für Blatt ,« reißen, indem er Blatt für Blatt von deffen Buch al« Jrrthum und Plagiat nachzuweiseu stch bemüht. Dr. Morgenstern nun besitzt, wie wir glauben, kraft seiner lkennwiffe die Berechtigung zu einer gründlichen, ja zu einer scharfen und schneidigen Kritik de« in Rede stehenden Werke«, aber die Zornepplofi nen über leinen Gegner schleudern ihn nicht selten au» der Bahn ruhiger Forschung. Ueberhaupt widerstrebt nn«, offen gestanden, in der gelehrten Polemik jener Ton unge» leckrer, urteutonischer Rauflust, der in dem Streit dieser beiden Herren Platz gegriffen har; wir sind keine Freunde jener überkecken stilistischen Attitüden, welche durch ihre dramatische Lebendigkeit unsere Phantasie mir der Befürchtung ängstigen, al« würde in raschem Scenenwechsel der wiffenschaftliche Disput zu einem Fauftkampse stch steigern — »der vielmehr herabsinken. Ta« Publikum giedt mit richtigem Instinkt dem Schreier Unrecht, und wenn erst beide schreien, so wird der ruhige Klang der Wahrheit ganz überhört. Dr. Sak. Hokdschmidt, Kurzgefaßte hebräische Grammatik für Anfänger zum Gebrauch beim Unterricht auf Gymnasien, jüdischen RelizionSschulen rc.. mit Uebungen und Beispielen zum praktischen Erlernen deS Hebräisch-Schreibens und zum Lesen des vokallesen TetteS. Referent hatte einen Ordinarius in der Secunda, der jeden Moment einmal sein Liebling-wörtchen citirte, »daß erst mit der Sekunda da« Gym-! nasium ansange.» Gr sagte da« mit dem beglückenden Selbstbewußisein, eine der wichtigsten Säulen de» SlaatSgebäude« zu sein; aber leugnen läßt e« sich nicht, daß eine gute Dost» Wahrheit in dem Satze steckt. Fast alle hebräischen Gymnasial Grammatiken leiden an dem Fehler allzu großer Fülle, ihre - Verfasser vergaßen eben, »daß da» Gymnasium erst in der Secunda ansange«; sie pfropften ihre Bücher mit gelehrter Forschung voll und dachten nicht daran, daß die Secund» keine Akademie sei, daß vielmehr die Herren Sej cundaner dem unreifen Knabenalter kaum entwachsen find, in dem min etwa« ' primitiv die Grammatik in Großgedruckte« nnd Kleingedruckte« eintheilt; da» { Gine brauche man zu lernen, da» Andere nicht. Und litt der eine Theik i dieser Schulbücher an übergroßer Fülle, so der andere an Dürre und Mager- ' keil; da» waren die Arbeiten, deren Bersaffer jüdische Religion«schulen im. Auge hatten. Der jüdische Religionsunterricht, da» Aschenbrödel unter den. kehrgegenftänden, sollt« recht anspruchllo« ansrreten; da bot man denn in , einem Büchlein für wenige Groschen Religion, Geschichte, Lese« nnd Ueber- ' setzung«stücke «. s. w.; hinten in einem Anhänge aus einige« Seiten stand die Grammatik in nn«; aber diese« Rußschalensormat war doch etwa« zu eng und »er grammatische Unterrich« verkam ganz. Herr I>r. Goldschmidt hat in richtiger Grkenntniß dieser Uebelstände aus 134 Seiten ein Werk abgesaßt, da« nicht zu viel und nicht zu wenig bietet, und deshalb warm empfohlen zu werden verdient. Rur fürchten wir, daß in jüdischen Religion»sch«l«n, deren Schüler zumeist kein Lateinisch verstehen, die lateinisch« Terminologie' dem Buche nicht geringe Hindrrniffe bereiten wird. Z. Berichtigung. Rr. 40, S. 376b, Zeile 4, streiche: nicht. Briefkasten der «edaett»». Iß. Nicht in den Papierkorb, aber für Gedichte selten Raum; Brief nach den Feiertagen. — 0. in V. Die ftaglichen Beziehungen habe ich «densowenig, wie Sie. Rur die hies. Zeit, haben den Artikel der H. M. gebracht. — in I. Der verft. vr. La». Geiger war ein Sohn de« R. Sal. G. in Frankfurt, ältester Bruder de« I)r. A. G. — #. Ju. Der Rest Ihre» Briese« ist schon in früheren Nummern der Doch, berichtet. — Red. der Iüd. Pr. Getadelt habe ich doch die sragl. Grwähnung nicht, ich habe nur gesagt, e« sei nicht gut, da« Bestreben eine« Rabbiner», jüd. Soldat« Koscherkost zu schaffen, al« etwa« besonder« Anerkennentwerthe» hinznstellen, e« solle stch «an, von selbst verstehe». Soll« wir etwaauch in »er Zeitung erwähn« und rühm«, wenn ei» Rabb. z. B. „ pt mrrto geht"?! Die« sowohl wir JeneS rhu» aller»tag« vielleicht die Rabb. vr. A. und G. nicht; aber Berlin ist nicht der irdi» tewnnrw.

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