Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 36 (7.9.1870)
- Date
- 1870-09-07
- Page
- Seite 299 (sequence 7)
- Language
- German
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299 dem Oele verpestest, willst du eS auch noch unS aubieten?" und hiermit rissen sie dem Armen die Krüße weg und zerschlugest sie?' SoV daS die Signatur deS zn Ende gehenden Jahres all eine- Jubiläumder alten Leiden-eswche der-ZerstSrung Jerusalem-, sein, daß alle Juden dealte« europäischen Continentau den Leiden Theil haben, die Ein?» durch Pöbel-Verfolzunz» die Andern durch Krieg? rmi^Tpi -IST rhon Pest. Der Kongreß der Orthodoxen ist mit der sechsten Sitzung am 24. August geschloffen worden. Die Sitzungsberichte sind in den Pester Journalen zu lesen, enthalten jedoch eigentlich nicht- Interessantes. Die Berhandlunzen haben einen sehr ruhigen Verlaus genommen, indem die vorbereiteten Anträge und Entwürfe mit unerheblichen Aenderungen angenommen worden sind. Der bedeutendste Beschluß ist in tz 6 de- OrzanisationS» statutS enthalten, dieser lautet: »Die Specialstatuten der jüdischorthodoxen Gemeinden Ungam- und Siebenbürgendürfen weder mit den Bestimmungen de- Schulchan-Aruch, noch mit den Bestimmungen dieses Organisationsstatuts, noch mit den Staatsgesetzen collidirrn.' Zu diesem Paragraph bringt Herr Gutt» mann eine Modifikation ein, laut welcher diejenigen Funktionäre der Gemeinde, die gegen diese Bestimmung handeln, sogleich entlassen werden müssen. Diese Modifikation wird angenommen. Bor dem Schluffe wurde eine Commission als Vertretung der Versammlung gewählt, welche 1) die Autonomie der jüdischorthodoxen Gemeinden bewerkstellige, 2) als Organ diene zwischen der Regierung und den Gemeinden, 8) statistische Daten sammle über die Seelenzahl der orthodoxen Juden behufs Möglichkeit der Festsetzung der Subvention vom SchulfondS, 4) in Pest ein Centralbureau aufstelle zur Schlichtung der fließmden Agenden. In Oft« im Bade ist vor einigen Wochen der in Ungarn hochgefeierte Rabbiner Joch. Spitz zu Tab, 7V Jahre alt, gestorben und in seinem Wohnort beerdigt worden. Einem Nekrologe im »Magzid' entnehmen wir, daß der Verstorbene nicht nur ein großer Talmudist, sondern auch ein Freund der Wissenschäften und wegen seiner persönlichen Eigenschaften bei allen Bewohnern der Stadt angesehen und beliebt gewesen ist. Alsbald bei seiner Beerdigung ist der Beschluß protokollirt worden, daß im Laufe deS Trauerjahreein neuer Rabbiner ernannt werden solle, und zwar in der Person derjenigen, den die Majorität von fünf zu diesem Zwecke designirtea Rabbinern (Preßburg, llhely ». s. w.) Vorschlägen werde. — Ohne Zweifel eine sehr würdige Art, ein erledigte» bedeutende- Rabbinat wieder zu besetzen. In Holland hat eine jüdische Dame, Frl. Jacob-, ihr Examen al» Apothekerin bestanden. Sie ist die erste, die sich dieser Laufbahn mit Erfolg gewidmet hat. In Da»ateuist Joseph Elia», feit 30 Jahren öfterreichischer Cousul, gestorben. Dir Juden in DamaSru», sagt ein englischer Berichterstatter, haben in ihm ihren Beschützer, Christen und Muhamedaner einen Freund und Rathgeber, alle Armen einen Wohlthäter verloren. Elia« verstand und schrieb viele morgen- und abendländische Sprachen. Der Kaiser hatte ihm bet seiner Anwesenheit im Orient im v. I. etgenbändig den Franz-Joseph-Orden verliehen. Dl« jüdischen Rewporker Blätter in« 5. August berichteten über di« Srmordnng de« Herr» veuj. Ratha» daselbst; unter dem gewaltigen Eindruck« »er Ereignisse füllte« Nekrologe, Grab« nnd Aedächmistredrn, Resolntione» verschiedener Bereine «. dergl. säst den gangen für Mtttheillingen bestimmten »kaum jener Zeitungen. Trotzdem haben wir in voriger Sach« nicht« über de» Fall «itgettzeilt, da »al all« «emunist der Umstände de« ward«« fehlt«, nn» wir mägltcherweke falsch verstände«« nicht mittheilea wvürea. Di« gmannten Blätter haben ihre« nächsten -«fern geschrieben, sich ans die gvnrnale begehen g» tännen, welch» all,« über di« «ordthat Bekannte nn» Ermittelt« anSsührltchst svzar in Extrabiäner» verbreitet hmten. Sir lasen daher nur »an einer entsetzlich«» »nnketn That. Jetzt liege» »iel» Gpaltn, füllend« Bericht« vor. B. stkuhan war »an seine« Landsitz« |« CuM gelomme», tun am I. Ab (20. $ali) die »Jahrzeit« seiner Mutter in der Synagoge zu begehen, und wurde in drr Nacht (28. zum 29.) in seiner Staötwvhnnng ans grauenerregende Weife ermordet und beraubt. Der Thäter ist nach nnh« «Mittel«. »ach sind Zndicien vorhanden. «af die «ntdecknng sind hohe Preise gesetzt, von der Winwr Nathan in verschiedenen Posten zusammen 47,000 Dollar, von der Börse 10,000, von dem Mayor 5000. <Hn entsetzlicher «erdacht, der sich hoffentlich al« ganz geundlo» erweise» wird, ist dabei durch ein Blatt verbreitet worden; die Andeutuugen darüber schimmerten schon in den erst erwähnten Berichten durch, wir konnten und wollten sie jedoch nicht verstehen und enthalten mit auch jetzt etwa« zu sagen, bi« di: Untersuchung den Schuldige« ermittelt haben wird. W>« nun dm Mord zu einem so bewegenden Ereignis für ganz New-gort gemacht hat, so dag »die noch frische Erinnerung an den Selbstmord Pr^vost- Paradol« dagegen zurückwitt*)», ist nicht die That an sich, -da keine Woche in Rew-Uork ohne mehr al» einen gräulichen Mord vergeht*)-, sandera da» Ansehn und der Eh-rakter de« Erschlagenen. Herr Nathan gehörte einer alten New-fsorker Familie in der Portugiesen. Gemeinde an und war 1813 geboren. Er war einer der reichsten Lanflntte der Stadt, aber auch einer der wohlthätigsten. Er hat besonderdem Monet Sinai Hospital, deffen bedeutendster Gründer, Leiter und Vorsteher er stet« gewesen, mehr al» 60,000 Dollar zugewendet, in ähnlicher Weise betheiligte er sich an vielen «ohlthängen Vereinen u. dgl., regte noch mehr Gute» an, al» er selbst thu» konnte, nnd hiateriäßt zehn Linder, die bi» aus zwei Söhne unmündig find. Die Familie hat fromm gelebt. »Iew. Mess.» hebt hervor, daß die große christliche Bevölkerung bei diesem Aller Aufmerffamkei« fesselnden Falle zweierlei mil Verwunderung, aber auch mit stiller oder au»gesprochcner Bewunderung kennen gelernt habe, nämluh die stille jüdische häusliiht Trauer nach dem vorgeschriebenen Ritus, foici: die Feier der Jahrgedächttiißtazc, und die Einsachhett und Pomplofigkeit auch de» großartigsten jüdischen Begräbnisse». S» hat der Verstorbene auch nach dem Tode noch zn einem Liddusch haschein beigewagen. L e s e f r ü ch t e. An« Goethe'« Unterhaltungen mit dem Kanzler Frtedr. v. Müller, S. 57, herau»gegeben von Burkhard», 1870. Dienstag, den 23. September 1823. Ich war kaum gegen t! Uhr in Goethe » Zimmer getreten, zunächst um Professor Umbreit für nwlgrn aiizuinelden, al« der alte Herr feinen leidenschaftlichen Zorn über unser neue» Judengesetz, welche« die Heirath »zwilchen zwei Glaubrn«oerwandt«n gestattet, au«goß. Er ähnele die schlimmsten und grellsten Folgen davon, behauptet, wenn der General Supcrmwodent Eharakter habe, müsse er lieber seine Stelle nicdcrlegen, al» eine Jüdin in der Lirche im Rainen der heiligen Dreifaltigkeit trauen. Alle fitilichen Gefühle in den Familien, die doch durchaur aus den religiöse» ruhte», würdeit durch ein solche« skandalöse» Gesetz untergraben. Wa« in seinem Judeueisw recht merkwürdig war, ist die tiefe Ächtung vor der posttiven Religion, vor den bestehenden Staat««Einrichiungen, di« trotz seiner Freidenkern überall durchblickte. Wollen wir denn überall im Adsurben v»ran«gehe«, alle« Fratzenhafte zuerst probiren? sagte er unter Anderem. Aemerkung. Friedrich der Große hat bekanntlich einst ein gegen ihn verfaßte« und in Berlin angeheftete» Pa»quill niedriger anszuhänzn, befohlen, daiiiir da« Publikum e» bequemer lesen könne. Ohne mich irzendivie mit Fried, d. Gr. aus gleich« Linie stelle.» zu wollen, möchte ich doch seinem Beispiele solgen; daher «heile ich den Lesern mit, daß ein gewisser Adolph Lohnt, der von sich selbst resp. vo:> seine« Doppelgänger Luhok sagt, daß er »zu >8 Jahren bereit« Verfasser gediegener Schriften u. d besonder« hochbegabt al» Journaüft und genialer Polemiker war», in Nr. 35 der »Gegenwart» ein« Erklärung erlassen hat, worin er sich in sehr unhöflichen Autdrückea über mich und mein Blatt ergeh». In demselben Blatt veröffentlicht derselbe ein Pa»- quill gegen Männer und Frauen, welche da« Mißgeschick hatten, ihn einmal leimen zu lernen, wahrscheinlich auch chm Wohlthaten zu erweise»; ein Schriftstück, welche« an Gemeinheit der Befinnung und de« An«druck« schwerlich seine« Gleichen findet. Soll» daher (wider vermuthen!) ein Leser der »Wochenschrift- Luft haben, etwa« recht Pöbelhafte» zu lesen, so Hab« ich chm da« Blatt genannt. Dasselbe überall und so niedrig aushängen zu lasse», wie e« chm gebührt, fleht nicht in meiner Macht. TrenenfrlS. lverichtitzung. Di» »Jüdische Presse» erscheint kegelmäßig fort. Die gegeathellige Notiz in unsrrm vorigen Blatte war einem Priontschreibrn an« Berlin entnommen, »nn wir — zu unlerm Bedauern — uiu so eher Glaube» schenkten, tl» wir die Notiz auch m eine», anderen Blaue landen. *) Beide« Aenßeraage» de« »Even. Sur.»