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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-03 · 31 (3.8.1870) · p. Seite 258

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
31 (3.8.1870)
Date
1870-08-03
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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258 schon, daß man über amerikanische» Judmthum nur in Lkizzm schreiben kann, daß hi« alle» jüdisch« Lebe» nur Skizze und Fragment ist. Ja, Ir, d« Thai! wohin Sie blicken, nicht« all Skizze. Hi« hat fick ein Stück Reform »«laufen, dt« daheim in Europa Schiffbruch gelitten hat, dort «in Stück Orthodoxie, hier ein Stück Afterweißhett mit vachurtmchuzpa gepaart, dort ei» Stück englisch-polnische Unwissenheit in den Talli» süddeutsch« „Frummhett" gehüllt od« mit barhäuptigem Fortschritt süß candtrt, und hie,' endlich ein Gtiick spanisch-portugiesisch« Grandqza mit im«« Hohlheit aut'taffirt — ab« Allel nur skizzenhaft. Lassen Sie uns zuerst von uns«« Reform spreche«, wobei freilich, so gern man auch von Persönlichkeiten abseh«» möchte, auch von den Reform Helden gesprochen w«den muß. D« letzt««» giel't'S zwetttlei, nämlich schreiende und redende od« auch, wenn St' wollen, reisend« und stubensitzmd«. An d« Spitze d« schrei.mden und reisenden steht ,,d« Weise von Cincinnati." Man solle freilich, sagt Goethe, üb« einen Namen nicht spotten, denn der Name sei nicht wie eia Mantel u. s. w., die Sache liegt ab« and«». Isaak Weiß nennt sich I. M. Wise, dal liest jed« I »w via« (ich bin weife); doch die Hauptsache ist, daß wir von Spott wett entfernt sind. D« Mann ist weise in amerikclnischem Sinne. Ob man viel od« wenig in d« Jugend gelernt hat, darauf kömmt'» hi« nicht an; genug, w>mn man von Allem, wie wir sagen, ein «mattering hat, wenn man genug genascht hat, um einige Phrasen von Fortschritt, Aufklärung, Pfaffenwirttschaft, BerdummungSsystem, Geist d« Zett, Wissenschaft, Freihett geläutertem Juomthum rc. zur Disposition zu haben, um sie dein Gegner an den Kopf, dem Anhäng« tn'S Hau» zu werfen. Man versteht zwar kein Hebräisch, arbeüet ad« dennoch daS hebräische Gebetbuch um und ««bessert den alten Text durch n«e grammatische Fehl«, und da« nennt man Minhag Amerika. Schlagen Sir auf/) wo Sie wolle», Sie finden mindesten» ein männliche» Substantiv mit einem weiblichen Adjecttv in friedlich« Ehe. Und gesegnet ist diese Ehe! Wohin Sie im Westen kommen, finden Sie ihre Kind« in Form eine» schön gebundenen od« lose gehefteten Büchlein», au» dem die Schuljagend hebräisch lesen, üb«setzen und Grammatik lernen soll. Eine zweite nicht mind« fruchtbare Eh« hat H«r Wise copultrt und zwar «inen England« mit ein« Deutschen. Auch in dies« Ehe steht'» mit d« Sprach künde nicht trefflich, und ich könnte Ihnen einige Stylproben vonührm, — ab« wa» kann man von ein« Mischehe vess«e» «warten? Auch d« Eharakt« d« Kind« au» dies« Mischehe ist etwa» verwahrlost, und oft zanken sie sich üb« den Acrzug d« Nationalitäten, daß man versucht iväre an ihr« gemeinsamen Abstammung zu zweifeln, wenn nicht die dieselbe Sprache redenden Kind« eben so miteinand« in offenem Widerspruch ständen. Sie haben einmal keine Prinzipien, dies« Kind«, und da» ist ihr Eharaft«, de» sie von dem Pastor, d« ihre Elt«n getraut hat, geerbt haben. Doch e» if: Zett, daß ich Ihren Lesern «kläre, daß ich von „J»raeltte" und „Deborah", zwei von Herrn Wise redigirten Wochenblättern, rede, welche dem jüdischen Lef« jeden Sabbat- Nachmittag Gelege,heit geben, die im Laufe dn Woche von dem Ob«jäg« und seiten Unterjägern geschossenen Böcke zu zählen. Gar posfirlich nimmt sich'» auch au», wenn vorne die Reform auf d« breitesten Grundlage und hinten Megillot, Zizit, Tefilli«, *) Sit besitzen Ml Werk leib« nicht and wüsten «l darüb», wie üb« s» manches in dies« Well, mit eine« Grunzer tröste». ,F8ir haben uur mit ans«» Ohre» davon gehört" heißt es in Job von d« .Hörilheit", und wenn d« H. Lorr. Siecht hat, daß in de« Buch« d« prb *pn verkehrt ist, sei paßt auch das andere dort von d« Weisheit Gesagt« fisvi pn denn sreiüch Gott versieht auch fehlerhafte« Hebräisch. (Ach.) I Arba Kaufst und Talesstm von derselbe» Firma aunonctrt werde». S» ist doch fchö», wem» et» Rabbi»« zugleich still« Theü nehmer an eine» Geschäft« ist u«d zu gleich« Zeit dt« Reform predige» und di« Orthodoxie verkaufen kau«. Ueb«haupt besitzt Wise di« groß« Kunst, di« schroffst«» Gegensätze mtt einand« zu vereine». Crhat ein« wotorze of the Jewiah Nation geschrieben, wollte ich sage», zu schreibe» versprochen und Subskriptionen für dal w«k ausgenommen, von dem jedoch G. L nur d« erste Vaud erschien«« ist. Hi« können Sie Hengstenberg'sch« Orthodoxie mtt Ewald'sche« Rationali«mu», Iba Esra'tz KritictSmu» mtt Raschi'» schlicht« Gläubtgkett gepaart finde», ab« Ein» hat d« verfass« sich gemerkt: hi« in Amerika braucht Niemand einm Paß oder Heimathschei», darum bedürfen auch sein« Cttate keine» Stellennachweise»; mau könnte ja auch sonst nach Hauseschreibe» und sich nach d« Heimath»b«echttg«ng de» unglücklichen Zeugen erkuadigm. »Seist ihm ab« dennoch ein Recensent nach, daß « de« Text seine» Autor» nicht v«standen, daß « z. B. N2HV im Iba Esra mtt „Gchlachtrethe" üb«setzt, wo es ,^immel«const«llatiou" heißt» und darau» den Schluß zieht, daß schon d« eben genannte Eommentator da» St«bea bet Erstgeborenen in Egypten al» die Folge eine» Kampfe» zwischen den Israeliten und ihren Zwing» herren auffaßt — nun denn, so antwortet d« kühne Geschichtsforsch«, « Hab« eine aod«e Ausgabe de» Jb» Esra im Manuskript vor sich gehabt. Litte, lachen Die nicht, «» ist «ein voll« Ernst und reine Wahrheit! Und Phasen hat dies« Weis« durchgemacht, daß Ihre deutsch« Reform« dagegen konsequent «scheinen. St« wissen, bei ua» zu Land« muß jeder Redn« sich «st He Platform zimmern, auf die « sich stellen will. Glücklich, wmn sie bi» zum Ende d« Rede au»hätt! Bon den mir bekannten Platformen de» Herr« Wise führe ich Ihnen nur zwei an. Dt« eine heißt: „wir «ollen keine Reform, welche gegen dm „Dia" ist" — die andere: „weg mtt dem christlichen, weg mtt dem jüdischm Talmud, die Bibel ist uns« Führ«". Zwischm dtesm beidm Platformm liegen nur einige Jahre und mehr«« Plankm and«« Platformm, auf dmm d« Redn« durchgebrochm ist. Die Bibel ist uns« Führ« — dt« Bibel? Nun, wie steht'» denn da mtt dm Bebotm, wie: Ihr sollt kein Fm« anziadm in allm eurm Wohnungm am Sabbattag, od«: st« sollm sich Schaufädm an dm Eckm ihr« Kleid« machm? Da weiß man Rath, man sagt: da» Judmthum ist kein Gesetz mehr, den» trab tpj6 nvos mo, bat ist ab« kein Htnderniß, rin andermal» d. h. in derselbm Nummn de» „Jüraeltte" zu sage», da» sei da» Schöne am Judmthum, daß Alle» in ihm Gesetz sei. > „Ab« da» ist ja ein Widnspruch!" Ja, so ftagm alberne Europä«; ei» am«ikantsch« Weis« gleicht alle Widersprüche i» i dn Praxi» au«, und gefragt, «amm « am Sabbat kein« Etga«e rauche, sagt «, da« Rauchm sei ihm nicht so sehr Bedürfntß, daß « e» nicht auch einm Tag lass« könnte. Damtt hat man nach allm Seiten hin genügt. Die Cerimonialm sehen, daß Wise nicht raucht; die Reform« höre«, daß Wise rauchm würde. (Schluß folgt.) , Asten. PaflM»t»a. Bor Kurzem starb dahi« d« in Syrtm allgemein geachtete ab« auch in Europa bekannte Joseph Elia». V Nicht blo» die Judm ttauem um diefm verdienstvolle« Mann, sondern auch die Christm und Muselmänn«, bet den« « t» hohem Ansehm stand, Md die» besoad«» durch seine ftrmge RechÜtchkett; gar oft wurde « von verschied«« Parteien zu« Schiedörichtn ernannt. Er sprach und schrieb 8 Sprache«. SV Jahre lang war « bei dem öfterr. Consulat angestellt. Al» die Judm von DamaSku» d« ErmordMg von Ehrtftmkiadern beschuldigt und darum grausam verfolgt wurde», war « «», der

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