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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-06-15 · 24 (15.6.1870) · p. Seite 203

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
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208 oder, wenn Du willst, leichter Sinn au-, und wiedex «nder» kindliches Behagen, daß. wenn daß Kind zu seinem dmnaligen Erzieh« „Vater" sagte, e« eben keinen Sprachverstoß beginge, und sich bewußt wäre, Later und Mutter ganz richtig an den rechten Mann, an daß rechte Weib adresstrt zu haben. Daß, wie Du auß dem bisher Gesagten entnehmen koautest, im Punkt« der Verpflegung, der Bekleidung, der Leibesbewegung und Nachtruhe, der religiösen Erziehung und Unterweisung nach den vernünftig» st« Infordernngen echtjüdischer Rechtgläubtgkeit, sowie im Punkte der zettzemäheften Hyzietne nicht« zu wünsch« Übrig bleibt, wirst Du mir wohl auf« Wort glauben. Ich w«igst«S schied mit freudig gehob«er Brust auS dm traulich« Räum« dieses Vaterhauses, dmn ich hatte eS erkannt, daß die im Portale angebrachte Inschrift ittv im npk dtp mehr als bloße Devise, und hier zur voll«, greifbar« Wahrheit gnvordeu ist. A«rt»ß«tz, 7. Juni. Bei Gelegenheit de« UebertrittS eine« jikdkfchen Mädchen« zum Katholizismus wurdm in der hiesig« Ktrchr judmfeindlich« Red« gehaltw, welch« große Aufregung unter der Bevölkerung hervorrief«. (Presse.) Amerika. W. Hlordameriüa, 15. Mai. (Original-Correfp.) Sie wünsch« Mittheilnngm über hiesige Zustande im Jodmthom: sie find, wie Allehier in unserem Lande, reich an Vorzug« wie an Fehlem. Erfreulich und erhebmd ist der Anblick der täglich n« erstehmdm Gemeind«. Ei« paar arme peddler Hab« nach langjährig« Wanderung« in «ine« «ru gegründet« Städtchen endlich Ruhe und Rahmng gesund«, und kau» find fie über die qnRmdstm Sorg« de« Leben« hinwezgehobm, so fühl« fie schon da» Vedürfniß «ach Vereinigung zu gemeinsamem Gebete. Zuerst wird an ben höh« Iesttag« in einem prtvatzimmer ein Eotteikdimst improvifirt; Einer ist da, dem au« der Kindheit noch Re Melodi« und die Vortragsweise der Gebet« erianerlich find; er wagt dm kühn« Schritt und fungirt als Chasan. AuS der Umgegend komm« die peddler herbei, die von der improvifirt« GatteSstätte hören» eia Schofar wird auS einer, eine Lh«««8e a»S einer ander« älter« Gemeinde entlehnt, und am Joackippur-Rachmittag, wenn die Gebete schnell und schmucklos »ach einander rrzittrt und die Gemüther von thmrm Erinnerung« au.die Heimath und d« frommen Gin« der Eltern erwärmt find» tritt Einer auf und fordert in einer improvifirt« Sd«, die aber inniger ist al« manche knustg«echte Predigt manche« ,M«Stberühmt«" Prediger«, zur Gründung einer Gemeinde auf. Mau verpflichtet fich zu jährlich« Betträgm, ein Jeder «ach der Gabe seiner Hand, ein« Halle wird gemiethet, «in Schachet und Lehrer, btt «uch zugleich Prediger sein muß, | wird berufe», ein BeerdtgungSplatz wird gekauft, und die Gemeinde ist gegründet. Eine spLieve Geschichte der amerikauischm Eolonisation wird vielleicht dm Einfluß rtnr« 'fölchrn BersöhnuogStage« auf die Gestaltung de« Handel», de» TeschäftSdetriebr« n. s. w. tu dies« »nd j«er au« dem Bodm hervorschießend« Stadt würdig«, vielleicht aber auch, oder wahrscheinlich. «erd« diese Anfänge, »Re alle derartig« Gründung»- >RMMn(c, der Bergeflmhrtt «chetmfall«. Die jüdische Geschichte aber wird auS dieser wunderbar« Schöpferkraft de» JudmthumS in den Herzen einfacher, schlichter, von dm vomehmm verachteter Männer und Frau« dm Beweis von der Macht der jüdisch« Religion in einer Zett de« allgemein« JndiffermtiSmuS führ«. Da ist keine durch da« Land ziehende Organisation, wie die ander« Sectm fie fast ohne Ausnahme Hab«, keine Mission, keine Subvention, Convention — da vollzieht fich Alle« spontan auS der inner« Triebkraft religiösen Sinnes. Freilich ist oft eine solche Gemeinde wie da» am Versöhnung?. tage un» iwrgeführte Kikajon de» Jonah, über Nacht mtstandm und über stacht wieder vernichtet; der Geschäftsverkehr, der für eine Zett fich in einem Orte cmttalifirm zu well« fchim, springt andertwo über» läuft einer n«en Eisenbahn nach, zieht fich in eine n« entdeckte oder von der Speculation erfundene Mine ic. Aber wa» verschlägt'»? Die hier aufgelöste Gemeinde bildet anderSwo sich wieder, und der einmal gelegte Keim wird vielleicht in Jahrzehnt« aufgehm. Ist nun eine solche junge Gemeinde gmüzmd erstarkt, so baut fie flh eine „Synagoge"' oder ein« „Tempel", je nachdem fie orthodox oder reformirt heiß« will, und — nach kurzer Zeit mtsteht die Spaltung, ja die Spaltung mst dem bestimmt« Artikel» mb eine Mitgliederzahl, die im Ganz« noch kein« selbstständig« Gemeindeverband in Deutschland bildm könnte, theitt fich in zwei Lager, die Mittel werdm zersplittert und der Humbug blüht. Jrgmd ei« hergelaufmer Metzger- oder Schusterjunge, der in seiner Jugend einmal mehr al» gewöhnlich« Elemmtarvnterricht gmoflm, wird von der Parteiclique al» Revermd Doktor auSposaunt, der so lange der Partei dimt, akS fie ihm dient und Brod verschafft. Gewöi-nlich fängt ein solcher Novize de» Humbug mit der Orthodoxie an und hört mit der Reform auf. In der letzter« hat man'S gar zu bequem. Man nennt jedm Brauch, über dm man von einem frommsinnigm Gemeindemitglied beftagt wird, ohne Auskunft geben zu köanm, einen Humbug; jo ist man zu gleicher Zeit gelehrt und aufgeklärt. (Schluß folgt.) Literalurbericht. pstdziher, I., Studim über Tanchom Jerufchalmi (als Jnaugunildiffertation gedruckt). Leipzig, LommiffionSverlag von List und Franke. 1870. 8. 56 S. deutsch und 16 S. arabisch. Diese« iLertche» handelt über einen Mann, der unter den Epigonen jener vlüthew poche, welcher Iba Gannach al» Grammatik« «nd Exeg«, waimuai al« Philosoph und Halachist »»rauleuchtete, eine hervorragende Stelle edmttmat. Such find e» besonder» diese beide» Größen, denen st», lanchm» eng anschließt, sowohl in dem lommentar »ber die Propheten »nd Hagiographe», alt in dem kexicon ,u Maimuui» Mischneh Thora. Beide werte sind ««bisch geschrieben »ad befind«, sich »u Otfnb haadschristUch; nur vom erstneu find bisher einige Partien edirt worden. Die lkinleiumg zu Letztere« Inet« in aulführlichem Antznge da» dritte Kapitel der Ab- Handlung (35—Sfl), wobei besonder» interessant die Kritik üb« den tzlruch ist, welchen Tenchn« in seine« wörterbnche sowohl ergänzen al» berichtigen will. — Im «rstea Kapitel soll »achgewiesen werden, daß Tanchum nach Kimchi gelebt hat; Loch geschieht die« nicht «tt der uöchige» Schärfe «nd Ueberze.iguug»!tast. — Gediegen ist da» »wette Kapttel» in welche« ans manche Seile der jüdische« Sprachwissenschaft, besonder« ans die bei den jüdisch, arabischen Gelrhrteu zuerst klar hervortretrade Sprachvergleichung ein Helle» Acht geworftn wird. vr»ert«!tw«ch ist fern« in demselben eine Reihe von freien Aenßenmge» Tauch««'» über die Lgada, »ährend s«n Staadpnnft auf halachischem Gebiete dnrch die Behauptung gekennzeichatt wird, daß Alle«, wa« nicht antdrltttlich verboten sei, al» erlaubt gelte. — Da» vierte Kapitel endlich liefe« Antzllge an» Laucha«'» Lommentar znm Buche der Richter, begleit« von lehrreichen Anmerkungen. I« Ganzen bereiche« die gelehne Abhandlung die Geschichte bez jüdischen Sprachwissenschaft, besonder» da fie ihre Angabe» zu« große« Theile an» Manuskripten schöpft, we»halb man dem Bersafler gern verzecht, daß er Einzelne« in seine „Studien" hiaeingebracht hat, wa» streng genommen nicht hinein gehört. ß. vrieflgstai tat Sedaetton 0 in Berl. und « in S. D. Die Lo rrefpondenzen find nebst mehreren anderen in vorig« Woche dnrch Versehen d« Post zu spät an den Druckort gelangt, Me K im» dadurch in der erste» Hälfte überholt.

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