Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 22 (1.6.1870)
- Date
- 1870-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Kl 22. -1870« 1. Jahrgang. Wochenschrift für die religiöse« und sociale« Interessen des Jndenthnms. Erscheint jeden Mittwoch. Preis vierteljährlich 20 Gilbergroschen. Anserl t,»»Dett>r ft, eidreispaltige Petitzeil« oder deren Raum l'/, «gr. Verantwortlicher R-daklenr und Heransgeber Rabbiner vr. A. Trevenfets in Stettin. t Breslau, 1. Juni 1870. Zu betiehen durch alle Buchhandlungen und Poftaastaltr». An serale» - Anna»«« t» »er SchKtter'schen Buchhandlung (H. Skutsch) in Bresla». Inhalt. Leitender Artikel: vom deutsch-israelitische» Oemeiadetage. ll. -euilletvn: Ueder Börne und Heine. — Die Berliner Gesellschaft in den Jahren 1780—ISIS. Wochenbericht. Berichte und Torrespondenzen: Deutschland: Berlin. Berlin. Berlin. Hamburg. Hannover, «öl». Lu» Thüringen. Oesterreich: Brünn. von der uu-eren Donau. Lemberg. Türkei: Schmala. Notft. Briefkasten. Baeanzen-Liste. Inserat«. -om deutsch-israelilischen Semrinüetage u. st. Eine zweite Versammlung fand am 1. D!ai statt. - Dieselbe war zahlreicher besucht alS die erste. Der gefchäftSfüh.mde Ausschuß war vertreten durch die Herren Kohner (Leipzig), Adv. Lehmann (Dresden), Adv. Josephthal (Rimberg), Georg Feigl (Prag). Am Au»schußtische hatten ferner außer den Vertreter« de» Leipziger Gemeindevorstande» die Herren Rabbiner vr. Goldschmidt, Professor vr. Fürst au» Leipzig und Professor vr. Lazaru» au» Berlin, al» vorfitzender de» Berliner Lokal» verein» der All. J»r. Uuiv., Platz genommen. Die Versammlung füllte fast den ganzen Raum de» großen Synagogmschtffe» au». Der Vorsitzende, Herr Moritz Kohner, legte in einer einleitenden Ansprache den Versammelten die heilige Sache, um derentwillen sie herberufen seien, nochmal» auf» Wärmste an» Herz und beleuchtete die Frage dann von einigen neum Gesichtspunkten au». Er erinnert daran, daß kiNNtt Einheit von jeher die Parole de» Judenthum» und der Juden gewesen sei; die Einheit der Bekenner habe denselbm immer al» lebelidtgeS Symbol der von ihnen verfochtenen Einheit Gotte» gegolten. Diese Einheit und Solidarität drohe aber in ueuester Zeit unter dem Andrange der modernen Cultur in Glücke zu gehen. E» müsse also danach gestngz werden, daß zunächst unter den Gemeinden innerhalb der einzelaen Länder der Zusammenhang erhalten werde. Au» diesem Bedürfnisse seim denn auch bereit» in England, Amerika, Frankreich, ja neuerding» auch in Ungarn (?) durch freie Ver» eiuigung geschaffene Centtalorgane hervorgegangen, welche die Interessen der Judenheit in den betteffenden Ländern würdig zu repräseutttm vermögen (Board of Delegatea of American Jewa, Board of Depatica of English Jews, Alliance iarallite uni- ▼eraelle, ständiger Ausschuß de» jüdisch-ungarischen Congreffe»). Nur die deutschen Judm besitzen eine solche Ceutralverttetung nicht; über der nunmehr fast völlig erreichte« Freiheit scheinen j sie die Einheit verloren zu haben und diese Zersplitterung nehme i immer mehr überhand! E» sei hoch an der Zeit ihr Einhalt ' zu thun schon darum, weil wir ja nicht allein seien, weil e» > dringend noth thue unfern bedrängten Brüdern mit vereinten Kräften beizuspringm. Da höre man wohl eiuwende«: e» sei , nicht Sache der Mensche» jenen Unglückliche» zu helfe«, die Borj sehuug werde schon Hülfe senden zur rechte« Zeit. Hierauf sei j ju erwidern, daß die Vorsehung verschtedme Wege etnfchlage i i um zu helfen, einer dieser Wege sei der, daß sie gute und hülf»- bereite Mensche« auf die Erkenntniß de» Uebel» und der Mitte hiuleite, die demselben abhelfen könnten. Neben diese» einfälttgen gebe e» aber noch hartherzige unl> kurzsichttge Menschen, die gleich mit der Frage bereit seien: ,,Wa» gehen un» die russischen Juden an?" Al» ob nicht ihr Leiden und ihre Schmach unser Leiden und unsere Schmach wäre! Al» ob nicht die wirthschaftiliche und daher zum Theil auch geistige Verkommenheit unserer Brüder im Osten alle noch so glorreichen Erfolge der Culttnjuden in Frage stellte oder doch wenigsten» verdunkelte und unfern lauerndm Feinden eine stet» »oillkommme Handhabe sei, ihr Müthchen an un» zu kühlen. Der Redner sucht diese Gedanken durch einige zum Theil sehr ergötzliche, zum Theil aber auch sehr ernste und zu tteferer Betrachtung auffordernde Bilder au« dem Lebim zu illusttiren. Er erinnert daran, wie vor einigen Jahren, al» der Notbruf unserer Glaubensbrüder von Rumänien au» erschallte, ein hervorragender deutscher Israelit sich erboten habe, al» Mandatar der deutschen JudenheÜ nach Rumänien zu zehen, um nicht nur der augenblicklichen Noth abzuhrlfen, sondern auch ourch Gründung von Schulen, Wohlthätigkeit-anstalten re. einer Wiederkehr derselben kräftig vorzubeugen, wie man ihn aber schmählich im Stiche gelassen habe, da» Unternehmen sei an der Theilaahmlosigkeit der betteffenden Kreise gescheitert, zur Schande der deutschen Judenheit und zum Schaden unserer rumänischen Brüder, die vielleicht mancher zukünftiger Leiden im Vorhinein hätten enthoben »erden können. Dieser JndifferentiSmu» müsse aufhören, ein ikeuttalorgan müsse geschaffen werden, da» im Verein mtt der Alliance die Interessen der deutschen Juden entwicklungsfähig gestalte und ordm;. (Bravo!) In dieser Rede hatte Herr Kohner auch mitgetheilt, daß seit der letzten Versammlung die 47. Gemeinde sich dem Gemeir.de» bund angeschloffen habe und zwar Berlin. (Bravo!) Professor vr. Lazaru» schließt sich dm AuSführungm seine» Vorredner» an und beklagt gleichfalls dm schwachm Widerhall, dm der Gedanke de» Gemeindetazs bither gefimden. Schon diese Schwierigkeit und Langsamkeit, mit der da» zu gründmde Einigungswerk vorrücke, zeige deutlich, wie sehr die Zersplitterung und Gleichgülttgkeit unter un» zugmommen habe und wie nothwmdig e» sei ihr ein« Damm «ntgegenzusetzm. Erst jetzt verdienen wir, zumal in Deutschland, recht eigentlich dm Ramm „de« zerftrmtm 3«ml»", da wir weder eine Organisation oder Eeutralbehörde wie die Judm her übrigen Kulturländer, noch