Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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N: *L -1870 1.JahrgL«g Wochen-Schrlft für tote religiöse« m»d focUIt« J«teresse« des J«de«thnms. IrscheiM jede» Mittwoch. Preis viekttlglhrlich A) Silbergroschen. ftt m dreispaltig« Petitgeile »der deren Raum IV* «gr. BernntwoMicher UtdaAe» und Hernnsgebrr Rabbiner Dr. JU UreNenfets in Stettin. Breslau, 25. Mai 1870. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Vaftaustaltrn. Auserateu-Aumch«« t» der Schletterstchen Buchhandlung (H. Skutsch) tu vre»!«». Inhalt, «cttnbct Arttkel: Bo« deutsch.israelitisch« Gemeiodetage. L Feuilleton: Ueber Börae und Heine. — Die Berliner Gefellschast in de» Jahren 1789—1815. B«4nM4t Berichte und Lorresdondengeu: Deutschland: Berlin. Berlin, feto». Hamburg. München. Oesterreich: Bon der untere« Dana». — Gattes Waisenkind. — Notizen. Literatur bericht. Briefkasten. Bueunzetöstiste. Inserate. Pm> dentsch-irrarlitischen Gemeindetage. Jade« wir den nachstehend«, rmS von dem Herrn Protokollführer der BemeindetagSversammlung übersendeten Bericht an erster Stelle mittheil«, glauben wir einer gut« Sache zu dieue» und hoffen vielen Lesern Gemigthuung zu bereite«. E« mag sein, daß manche Letter und Stimmführer dm zu gründend« Gemeindebund in die Bahn der antitradttionellm Bestrebung« leiten und zu einem Werheuge für solche mach« wollte»; so Hinwegräumunz dieser Verdachtsgründe nicht betheiligm". Die ttt Leipzig öffentlich und offen gegeb«nm Erklärung« bieten die Garantim, welche z. B. die Gründei: der „Hochschule" auszusprechen verweigert Hab«. Wir Hab« eS hier eben mit Männml von praktischer Auffassung zu thun. Nunmehr halt« wir aber Mißtrau«, Unterschieben von Hintergedanken, Forschen nach dm Privatanfichtm und dem religiös« Privatleben hier für unwürdig. Die Ziele, welche sich der Gemeindetag stellt, find von unverkennbarer Wichtigkeit, die Durchführung ohne Zweifel schwierig, aber nicht unmöglich. Sollt« wir nicht dasselbe zu schaff« ver» mög«, waS die englischen, französisch« und amerikanisch« Judm längst gegründet haben? Für die Gemeinden handelt eS sich nur um I pCt. der jährlichen direkte« CultuSsteuern als Beitrag, und sie machen sich nur auf ein Jahr verbindlich! Da sollte der Versuch nicht gewagt werden?! I. st. Leipzig, im Mai 1870. Unsere Stadt hat, wenn die Bergleichung erlaubt ist, mit der heilig« Stadt, die einst dm Mittelpunkt de« jüdisch« Reichebildete, da« gemein, daß sie alljährlich drei Mal jüdische GlaubmSbrüder aut d« verschied«« Gegend« in ihr« Mauern versammelt sieht. E« dürfte kaum eine größere Gemeinde unsere« Vaterlandes zebm, die nicht durch Borsteher oder doch wenigst«» durch eine Anzahl von Mitgliede« auf der Leipziger Messe vertreten Word« wäre. Dies« Umstand glaubte der zeschäftSführmde Ausschuß de« deutschiSraelitischen GemeindetageS mit Recht kumutzm zu müssen, um in umfaffmderer und wirksamerer Weise, alS diebisher geschehm konnte, für dm zu gründmdm Gemeindebund — sagen wir eS off« heraus — zu agitirm. Da diese« ebenso großartige und heüige al« schwierige Werk schon in dm erst« Stadi« seines Entsteh«- nicht nur mit Gleichgültigkett, fonde« sogar mit Lerkmuuug seiner wahr« Zwecke zu kämpf« hat, so gestatten Sie mir wohl, Ihn« in Kolgmdem über die beiden Versammlungen, die währmd der verfloss«« Messe in der hiesig« Synagoge stattfandm, ausführlich zu belichten. Die erste war am 28. April. Herr Moritz Kohner, Vorsitzender deS Ausschusses, begrüßte im Ramm desselbm die Anwesend«, hob unter Hinweis auf die Präsenzliste die erftmliche Thalsache hervor, daß in der Versammlung auch eine Anzahl fr ** g11* M1 -Qcn konservativer Seite dieser Berdach^, Mfrptscher Gemeind«, die sich bisher noch am lauest« zu dem off« auSgesproch«, daß betont wurde: „wir könum un« ohne Vorhaben deS GemeindetagS verhalt« hättm, vertretm fei, und legte dann in glänzender und von feuriger Begeisterung getragener Rede die Zwecke deS in Angriff zu nehmend« Gemeindebundes dar. Mit Befriedigung müsse constatirt werden, daß da» alte Judmthum, abweichend von ande« jungem Confessio««, sich in völliger Harmonie mit dem Zettgeiste befinde, ihn nicht fürchte, seine Bekmntnisse nicht ängstlich und argwöhnisch von der modemm Cultursttömung absperre. Nur habe mit diesem vor» geschrtttm« BildungSzustande die Organisation und Administratton der Gemeind« nicht gleichen Schritt gehakt«. Besonders aber sei die dmssche Judmhett, die doch an Zahl nur der msfisch« nachstehe, an BUdung aber die höchste Stufe in ' der Diakpora einnehme, in jüngster Zeü einer erschreckmd« täglich! wachsend« Zersplitterung anheimgefallen. ES solle nun ein j Cmtralorzan geschaffen werden, daö dieser Zersplitterung ent- J gegenwirk«, ein« dauernden Verkehr unter all« Gemeind« > deS Vaterlandes herstellm und die gut« und fruchtbar« Ein» | richtungen der einzelnen Körperschaften der Gesammtheü zuführ« [ solle. Wie kläglich sei eS aber, daß angesichts so großer und herrlicher Aufgab«, von 1500 zum Beitritt aufgefordett« Ge- | meindm bis jetzt nur 46 dieser Einladung uachzekommm. ES : bestehe aber der Beschluß des GemeindetageS, daß mit der desini- ' ttv« Gründung de» Gemeindebundes nicht eher vorzugehen fei, al« biS 100 Gemeinden ihren Anschluß erklärt hättm. Nur durch schlmnigste und möglichst allgemeine Bethettigunz könne da» Wer! zu Stande kommen, cs thue also Aufklärung in dieser ' Sach« dringend noth, und eS sei Pflicht eines Jedm in dieser Versammlung, der sich von der Wichtigkeit und Gemeinnützizkett de» Unternehmens überzeugt Hab« werde, als S«dbote und Vorkämpfer für dasselbe in seiner Hcimath auszutretm. Der Redner legt nun sehr eingehend an einzelnen Frag« die Rothwmdigkeit eines solch« Gemeindebunde» dar. Er weift zuerst auf die brmnende Frage de« jüdisch« Bettelwesm» hi», das,