Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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. s-»°-1870- NspsetttZs-ke. J&**«*- Wochen-Schrift für die religiöse« und sociale« Interessen des Judenlhums. Grscheiut frfttfl Mttwvch. fttil btnt«ljthrllch 20 Bilbergrvsche» 9*(atUn»§iMfr (kl Ml kteitMMf* Periqeil» »kn kntn fUam IV* «T. SnoaMmtli^n fUMtrar und (miHcin Rabbiner Dr. Z. ^t«e»fets in Stettin. Breslau, 18. Mai 1870. Z» foticfra durch alc Buchhandlungen und Pvstauslalten. -useruteu-Zuuuß»« hi In Echletter'schen Buchhandlung (H. B kutsch) tu Brellau. Inhalt. Lrtteuber Artikel: Gräuel ist geschehe» tn Itreel. — Der Nulgletch »»» Soll und Habe». Veuillet»»: «eher Bärn« uud Hetue. — Lt» Berliner Gesellschaft tu de» Jahre» 1788—1815. — Maat Ittr Maat- Bericht« «ud Torrespoudeuzeu: Geutschlaud: Verl tu. Hautburg. vefterretch: Ben der unteren Daua«. Pest. Prag. Numäntea: Berla». Italien: vom. Literatur» trricht. vrieskaßr». »«a»H«»^istr. Inserat«. «räuei ist geschehen in -orael. Mal. 2, ll. Ja, wahr uud gegründet Ist die Sache, et ist dieser Gräuel geschehe» in Deiner Mittel (5. M. 1«, 16.) Unser Bericht im vorigen Blatte über die von Heß tn Eisenach vollzogene „Stauung'' einet jüdischen Mannet mit der Wtttw« feinet 8rudert, der Kinder von ihr htnterlassen hatte, ist unt noch von einem «dem Eorrespoudmt« mtt allen Detatit bestätigt worden, et ist nicht der leisest« Zweifel übrig, vir haben, u« nicht von. gerechte« Zorn mit himeißm zu kaffen, im vorig« Blatte nicht« hinzugesetzt, wir »oll« jetzt versuch« mtt möglichster Ruhe über dat Faktum zu sprechen. Schon vor viel« viel« Jahr« hat ein Jude in Westphalen sein« Tante geheirathet; gerichtliche Eheschließung für Judm gab et damalt noch nicht, irgend ein etwa aut Rußland hergelaufene« verkommmet Subjekt, welche« tn einer der verwahrlost« Nein« Gemeind« el« Ehasan, Schächter und Baal-Kiduschin fungtrte, hat die Trauung vollzog«. Dergleichm mag öfter geschehm sein. Dt« Person«, welche die Blutschande „eingesegnet" haben, Hab« „um ein Stück Brod gesündigt", für drei, fünf Thaler ihr Gewiss« verkauft, und et ist damit noch zu th««r bezahlt ge» »es«, denn fie hatten gar kein-. Sie Hab« aber auch keinerlei Phrasen gemacht oder sophistische Beschönigung vorgebracht, fie Hab« dat Geld eingestrichm und damit gut; zur Rede gestellt, würdm fie einfach gesagt Hab«: „il Laut Titre, monsieur“. Dasselbe Gelichter hat auch für ein Stück Brod die Religion gewechsett, und zwar wo möglich öfter, eia solche« Subjekt hat in einer pommerschm Landgemeinde Jomkippur noch „wunderschön" vorgebetet und Tagt darauf fich tauf« lass«; der Mann ist auch „Eultutbeamter" gewesen, und so er fich Rabbiner titulirt hätte, wer konnte e« ihm wehr«? Hab« doch fichertich die Mission« »Einfuhttabellm ihn alt Rabbiner registrirt, wie Kuttner, Mensor u. s. w. Ist die Sachlage eine andere, weil et sich jetzt um ein« Landrabbiner und Dt. handelt? An sich gewiß nicht; aber rt ist mit dem Rabbinettitel, mit rabbinischm Funktion« und Be» fugniff«, mit dem Satze „Jephtah in seiner Zett, wie Samuel in der seinigm" soviel finnverwirrender Schwindel getrieben, andererseits flagrante Ueberttetung göttlicher („mosaischer") Der» bote so alltäglich geworden, daß dieser Fall in seiner nackt« Gräuelhaftigkeit (.12P1N) besproch« werd« muß, mag auch alle«, wat wir darüber sag« könnm, für jedm, der auch nur eine Uebersetzung det pmtatmch gelefm hat, überflüssig sein. > Die Eh«, um die et sich handelt, ist »ach dm klar«, gar keinerllmdmtung fähigen Bibelwortm 3. M. 18, 16; 20, 21 verbot«. Et ist nicht» „Rabbinifchet", e« lassen sich da nicht, wie bet Ehalizah, Eheverbot« für Kohanim u. dgl., Gründe vor» bring«, über die man wmigstm» ditcutir« kan», man muß, wie et Heß thut, einfach sag«: die Thora geht mich nicht« an! .Et hat denn auch noch niemand die Frechheit gehabt, an diese nAivabote die Hand zu legen. Um nur Eiu« zu nenn«: Holdheim erklärt tn sein« „Vorschlägen zu einer Reform der Ehegesetze" ausdrücklich die Bestimmung« weg« der Verwandt» fchasttgrade für rechtsbeständig, und die Ehe mit de» Bruder» Wittwe nennt er speeiell „Blutschande" — eben» deßhalb hält er die Ehalizah für überflüssig. Die Gültigkeit der Eheverbote weg« Berwandtschaft ist unsere« Wiffmt noch nirgendin jüdisch« Kreis«, in der Literatur oder in Versammlung«, auch nur zur DiSeussicn gestellt, und w«n die Leipziger Synode die Vorlesung de- 18. Kap. im 3. B. M. am nruo 2"' abgeschafft hat — da- Gesetz selbst hat sie nicht abschaffm wollm, d«km wir. Heß sagt: da» Staat-zesetz verbietet diese Ehe nicht —. Wir haben die Gesetze protestantischer Staaten, welche dieses Ehererbot de- Pmtatmch für diSpeofabel erklären, nicht zu prüf«'); aber w«n dat Staattzesetz eine solche Ehe bürgerlich zu schließ« gestattet, wmn die fragliche Ehe, wie Heß angibt, berett« rechtsgültig vollzogen war, wat sollte dann seine s. g. Trauung bedmtm? Warum hat gerade er dm Leuten nicht einfach gesagt: „ihr seid nach dem Staattzesetz ehelich verbünd« und diegmügt vollkommm"? Oder sieht Heß die Civilttauunz nicht für voll an?! Stellt er fich und seine „Einsegnung" über da» Gesetz det Staate« und der Thora? Eine von der Bibel für Juden al» Jncest bezeichnte Verbindung kann geschlossm werd«, aber ein „Rabbiner" muß sein« Segen dazu ertheilm; bloße Civilehe gmügt nicht! — Dat kann doch Heß nicht behaupt« — handelt et sich also doch nur um die Gebühr«? hat er sein« „Segm" für Geid verkauft? — Und warum wollt« die Leute durch ein« Rabbiner getraut sein? Um ihr Gewiss« zu erleichtern. Dazu a.so hat Heß sich hergrgebm? •) Bit verlangen ja auch wieder für viele Verbindungen Lilpen» »nd Gebühr m, die nach biblischem Gesetz einfach erlaubt sind.