Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 19 (11.5.1870)
- Date
- 1870-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ni 19, —1870. IsrNelitiseke 1. Jahrgang. für die religiösen und sorialeu Interessen des Juderthnms. icktx Mittwoch. Pr«i» vierteljthrüch 20 Vllber-rvsche». -nftttt—«e»««r f», »«i dreispaltige Petitzeile oder ^ereu <iam» IV, «gr. Verantwortlicher vedakteur >«d Herautgeber Rabbiner Dr. A. Prevetfet» t.t Stettin. Breslau, 11. Mfii 1870. 3» de»lehr» durch alle vuchhaudluuxe« and Postauslalte». t» »er Schletter'sch«» vuchhandlung (H. Wutsch) i» vrrl la»- m Inhalt, ieitruver Artikel: Der jldisch.theologische verei». — »» die israelitische» Grmeiade» tu Europa »»d «merika. AeuEetoa: Ueder vlra« «ud Heiae. — «iae Prtesterwach«. Sich euch reicht, vsrtchtt »ud Uorrrspo»d««ze»: Deatschlaud: vo» der russische» Ererqe. vefterretch: Sie». Sie», «»»«»tru: veriUd. HallaaNr «wßr^a». «terattuchertcht. «rief»»»,!», «aeatch»». hpk* surfen*. » T Der södisch-therlogische Derei». vo» «. A. Der jüdisch-theologische verei» constituirle sich im Jahre 1868 und hatte im Jahr« 1869 seine erste ordentliche Leffamm» limg i» vmsla». Der Verein hatte sein- Tendenz in einem gedruckt« Circular, da« anch die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft de« Judenthnm»" gebracht, knndgegebm. Man ignortrte die Kundgebung, schob von mancher Geile dem Verein hierarchische Zwecke unter und suchte iha schon bei seinem Ent» ■fc 4. — mm..- w «..tfH-» ... |UfiMi OM WWDM JV HMNUWWW D» MCIWIMIi Trögt anch die Wahrhett ihre Bürgschaft in sich und muß die Lüge endlich vor ihr verstumme», so kan» doch auch nicht in Abrede gestellt werde», daß diese» ,Mdltch" sich häufig lauge htuzteht und manche« Luge, hierdurch au . da» trügerische Nebelbild gewöhnt, da« Licht nicht mehr erblick« will. E« dürste daher nicht zur Unzeit sein, in diesem Blatte da« Ziel, da« der Verein fich setzt und in welcher Weise er <« zu erreichen sucht, in einig« Wort« klarzulegm. vorerst Einige« über sein Entstehe«. Der- Director de« jüdischtheologisch« Seminar« zu BreSlau, Herr vr. Frankel, richtete zu wiederholt« Mal« an die al« Rabbiner entlaffmm Hörer die dringende Ermahnung, fich zuweilen tu freundschaft» licher Zusammmkunft zu begegnen, um da« frühere Band von Neuem zu befestig« und manche gewonnene wiffeaschaftliche Resultate einander mitzutheilen. Seine Worte blieben nicht ohne Wirkung: .ei» au» de« Seminar hervorgegaugener Rabbiner forderte im Beginn de« Jahre« 1867 mehrere seiner ftüher« Kolleg« zu einer Zusammmkunft in Breslau auf; diese erfolgte im darauffolgend« Sommer und hier erwachte der Gedanke an die Bildung eine« Verein«. Was er anstrebm sollte? Der vod«, dem er entwachsen, läßt e« leicht errathm: Pflege der jüdisch« Wtfsmschast, Fortbau der jüdisch« Theologie auf wissenschaftlichem vod«, Erhaltung de« Judenthum«. Erhaltung de« Judenthnm«! E« kann nicht genug betont «erd«: da« Judenthnm wurzelt in feiner Wissenschaft. Diesem Bodm entriss« stock« seine Leben«pulse, verstegt seine Leben«stärke; Forsch« und viff«, sie Hab« in dm finster« Tag« der Verfolgung und Ansftoßnng Kraft zum Widerstand und zur «u«dauer gegeben, und sich der Geist trotz der »»erhörtest« Leide» Empfänglichkett für Forsch« und wtffm behtett, legt da« tteffltchste Zeugniß für die Trefflichkeit und Tiefe de« Judenthum« und feiner Wissenschaft ab. Darum die Wissenschaft Grundbedingung der Dauer und de« Besteh«« de« Judenthum«. — Aber seh« wir von der religiös« Sette ab und wmd« un» de« literarisch« Interesse zu. Jede« auch unr zu einer gewiss« Reffe gelangte Volk hält sein« Nationalltteratur hoch, sie ist der von dm Vorvwdern «erbte Schatz, tu ihr spricht bet Geist längst vergangener Zeit« zu d« Nachwelt» und diese Stimme soll noch d» spätest« Geschlecht«» vernehmbar sein: die Nationalltt«atur ist d« wahrhast edle Stammbaum eine« Volke«, je höh« er hinanftetcht, um so stolz« darf e« auf sein Alt« zeige», lieb«lebt doch * wl_ «itt M w -» «Mi» . Ife ppr winri itt ciKunii rav wir unr »yr icuuv eMigm Daseins. Mt welchem Eif« wird in bin Pyramidm Egypten», wird in den Ruin« von Ninive und Babylon nach dm kaum zu «attäthselndm Spuren d« Littratur dies« längst untergegangen«» Völk« geforscht: und da« jüdffch« Volk, da« »och lebt, dess« Wmzeln »och immer srffch, sollte seine ött«att,r anf» gebm? Und wie all und reich ist diese Literatu.! Sie ragt, abgesehm von dm btblffchm Schrift«, mel-rne Jahrtausend« hinauf und «streckt üb« die manntgfachstm Gebiete, otf denen je d« menschliche Geist Stoff zum Nachdmkm fand. Käme je dem Äidm da« Verständniß sein« Nationallitnatur abhanden, dann stellte « fich ein ArmuthSzmgniß au«, wie e« noch nie eia Volk ge» thau, dann hätte « fich selbst aufgegebeu, sein« Uitt«gang nicht durch Feindeshand, sondem durch sich selbst gefunden und da« Mttleidm, da« jedm Gebildetm bei dem Schicksale d« jüdffch« B«ga«gmhett erfüllt, würde fich in Bnachtung de« zegmwärttgm Geschlecht« mnwandeln. — Und diffe Rationallittratir ist zunächst in dem „Talmud" bmanntm Riesenwerke nied«;elegt. Sein Verständniß darf de» Judm nicht abhandm komm«, « must vermögm in dessen Tief« einzudrtugm, die Geist Äarbeit viel« Jahrhunderte in fich auszunehmm, fich in ihim Geist zu versenk«, in seine Gänge fich zu vertief« «ud ihn fich zur klar« Anschauung zu bring«. In ixrgaugwm Tag« «kannte jed« Befähigte e« al« Beruf und Pflicht, Wächter und Pfleg« dies« Nationallitnatur zu sei», jeder Jüngling wu:de zu diesem Amte erzogen, da«, von Geschlecht zu Geschlecht übergebe», al» Gewähr für die Dau« de« Judenthum» bettachtet wurde. D« moderne Bildungsgang hat diese» Wächteramt, da« eine ausschließliche Hingebung verlangt, in die Hände Wenig« gelegt, in die d« Rabbin«. Dem Rabbtu« liegt mehr den» je die Beschäftigung mtt dies« Littratur ob; ehedem war <t der prima» intcr pan»; war « — was freilich undenkbar — sein« Aufgabe nicht eingedenk, so drohte bet der Menge d« ltundig« nnd