Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 14 (6.4.1870)
- Date
- 1870-04-06
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935155--0204-5369939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 dem, damit der Prozeß selbst verloren?! Freilich scheint der Richter sehr voreingenommen — doch dakann sich ändern. Wahr ist ferner, -aß die Orthodoxen et» BündNiß mit den Radi« taten geschlossen Halen, daß da- Eintreten -okay'« n. >. für den Echulchan Sn,ä> nicht dies« vertheid igm oder verherrlich«», fondem dem Müftftermu ein« Niederlage bemtt» will*); gewiß ist, daß ein solche- Bündniß, wenn auch in politischen Dingen nicht ungewöhnlich, in riltgiös«« Angelegenheiten mehr albedeutlich ist. Doch wir lass« diese Sache hier fallen; wir denken nicht daran, den Ungarn unfern guten Rath anbieten zu wollen. Wir billige« vollkommen di« Worte, mit denen „3-r. K." zu« -u-harren «rmuthlgt. Wir zollen dem Herrn Rabbiner Roth in Giklounsere volle Anerkennung für seine „Aufforderung", welche dahin geht, daß gegen die Behauptung, „egebe zwet verschiedene 3» wnlhümer mit verschiedenen Dogmen" energisch und allseitig Protest erhoben werde. Kehren wir nach Deutschland zurück. Muß un» um den Frieden bang« »erde,? Haben di« ungarischen verhältntffe wirtliche Aehnltchkett mit den «nsrigen? Der „J-raeltt" bringt die Nachricht au- Pest mit all« Zeichen der Freude und de- Jubel-. „Die berüchtigten Eongreßftatutm find verworfen!!" Wir haben schon einmal gelegentlich erklärt, daß wir unnach der Seite hi» über nichtwundern. Aber einigermaßen neugierig wärm wir doch zu wissen, ob der „3-raelÜ" glaubt, daß irgmd ein Mensch glaube» u sei mit dm ungarischen Schomre hadath wirklich—) von gleichem Schrot und Korn? Und wenn ja, glaubt er, daß auch die Schomre hadath ihn für ihresgleichen halt«? Wie? hätte die Welt dmn schon vergessm, daß derselbe vr. H i l d e -» *) Wem» die hierauf bezüglich« Leutzerung mifere« Wiener Comfrmu b«»te» (im heutige» Blau«) »ruft gemeiut sei» fallt», s» würde er aus «iß. verfiaude» habe». Wir mutzte» die Tharfach», datz Iaka- und Laufarten für de» Schulcha» Nruch «ine -«uze eingelegt haben, berichte» uud all sehr bemerien«werth hervorheben. „Bekrsam" and „eigenthümlich" hatteu rnir'e geuauu»; weitrr »ich«»! **) Um Mitzaertzänduitz p, vermeiden erUtlren mir, datz mir hierbei nicht au Heuchelet deute»; mir neiuen lediglich, ab er sich selbst darüber tüufche, datz sein« Orthodoxie dach nicht die jener sei. heim er» dm der „3»raelit" allwöchentlich aldm Elia», ja aldm Mesfia» der deutsch« Judm preist, um nicht zu sag« ,,ver« göttert", daß dieser Mann von dm ungarchch« Orthodox« mit beid» Händel» weggestoß« und an« Unga« «-geräuchert «or» dm ist, «ad zwar Mcht mit Weihrauch? «awill also der „S-raeltt"? „Wat fell diese Frmde?" Sir bedauern tief und schmerzlich außsprechm zu müss«: die Frmde de- „3«roelit" güt dem' Umstande, daß adermal» ein Keil in die Stntgkett i-raelittscher Gemeind« geschlag« ist, daß abermal« von Nichtjudm au-gesprochm ist: „rt gibt zweierlei Iudmthum!" Da» ist fürwahr kein« edle, religiöse Freude (rratD TV mxf), »ein sie hat ftappante Aehalichlett mtt der bacchantischen Frmde de- Ehasfid, der seine „dritte Mahlzeit" in seiner Weise gefeiert hat! Und da» ist e», «a» ««» von dieser Richtung, mit der wir ja sonst in Lekeantntß und Thal da- Meiste! gemeinsam haben, scheidet, daß unsere Wege nicht zu» j sammengeh« können! Parum erheb« wir unsere Stimme und j rufen: wir wollen kein Zerreiß« de- Bande-, wir «ollm nach wie vor mit all«, di« fich 3udm nenn«, an unser« Theile! Ein» bleib«. Und well wir fest überzmgt find, daß die über- «älttgende Mehrheit mit «n» von diesem Wunsche erfüllt ist, darum ist un» um den Frieden nicht bange. Ob für die Gemeind« 3-rael» in ihrer Gesammtheit, für groß und klein, der Schulchan Aruch je wieder unverbrüchliche» Gesetzbuch sein, ob e» kein« mehr gebm wird, der in dm S'firatagm sein« Bart abuehmm oder in dm ueun Tag« Fleisch gmießm wird, da» steht dahin; aber in einer Gemeinde vereingt könnm sie alle bleib«, auch mtt dmm, die in schwerer« Ding« vom Gesetz« weich«. Wir schreib« am Donnerstag 28. Adar ll. ES gibt gar Manche, die dm 3om Kippur nicht mehr halten, e» gibt auch noch 3«dm, die h«t' nach altem Brauche 3om Kippur Kat an halten. Wir vereinig« unh«t mtt einer klein« Zahl zum Gebet, ein« kleine Gemeinde in der groß«; wollim wir un» de-halb von der ganz« Gemeinde trenn«? Da bet« wir: pca ircnp inm l?RCttQ qn poms *p -wk "pv bmtr» „3-rael, Dein Dolk, welche« an Dich glaubt, müßtest Du mit Feuilleton. Wie fitugst« (ob auch die letzte?) Mutbefchul-iguu- -ege« die Außen. Nach aurheurifchen Berichten bargesiellt von vr. Rülf. (stortfetzuug.) Der Gmeralgcuverueur sah sich genöthigt die ganze Sach« einer nochmaligm gründlichm Prüfung zu unterztehm, weil man vom grundherrlichm Hofe in Schawlan au» da- Gerücht zu verbrellm gesucht, der erste Bevollmächtigte de« Gmeralgoaverumr», Graf Tolstoi, sei durch 6000 Rubel von dm Judm zu Schawlan erkauft «ordm, um die Sach« zu ihr« Gunst« zu wenden, eine ebmso uugerechte als unsinnige Beschuldigung; dmn erstlich wärm in dem arm« Städtchm nicht einmal 600 Rubel aufzutteibm gewesm, und zweiten« ist der Graf einer der reichst« russisch« Magnat« und solcher Bestechung unzugänglich. Der Generalgouverneur bettaute mit der nochmaligm Untersuchung sein« zweit« Adjutant«, dm Oberstm Mtchanow, ein« klug« und trotz der strmgm Außenseite sehr wohlwollend« Mann. Am 23. April ttaf dieser in Schawlan ein. Sofort nahm er dm Bauer GlaseS, sowie dessen Frau, Brüder und die beidm Knechte, welche da« Kind auf dem Felde gefuudm habm wollt«, in- Berhör, und da sich in ihr« Aussagen die größt« Widersprüche zeigt«, ließ er den Bruder de- Baue« und dessen Knechte festnehmen. Nunmehr ließ er dm Kreisarzt Hartmann au- Schaulm, sowie »och «inm Arzt au» Tetschm komm«, ließ da- Kind au-grabm und nochmal» untersuchm, und beide Aerzte begutachtet« einstimmig, daß dem Kind« da» Blut unmöglich könne au-gepreßt »ordm sein. Endlich ließ er dm jungm Itzigsohn au» dem SchaulmerKret-gefän-uiff« Herholm, und der gab seine zuletzt gethane Aulsage »och mtt dem Zusatz« zu Protokoll, daß mau auch im Krei-gefängniss« durch alle möglichm Versprechung« ihn zu beweg« versucht Hab«, sein« früher« Au-sagm gegen die 3ud« aufrecht zu halten; auch die Personen, welche ihn überred« wollt«, «achte er »amhast. Vier Tage lang «bettete der Oberst Mtchanow mtt seinem Sekretakr in dieser Sache und ließ dm Gang der Verhandlung« durch Niemand unterbrechen. Eudllch am 27. Abend» verließ er die Stadt Schawlan, alle Protokolle, welch« in dieser Sach« berett» aufgmommea wordm, mit sich nehmend. Ueber den Rapport, welch« er dem Gouvernmr abgestattet, hat ntemal» etwa« verlautet, sicher aber war es kein für dir 3udm ungünstiger. Hiermit aber sollte die Sache noch lange nicht abgethan sein. Der Gutsherr Semet und Eonfortm wandt« sich dttect an dm 3usttzmtnist«r Grafm Pani» mtt einer Schrift voll gehässiger, mtstellter Angabm und Beschuldiguugm gegen die 3udm, gegen dm Graf« Tolstoi und dm Gelehrten Lewando, geg« dc« Oberst Mtchanow, ja selbst gegm dm Generalgouverueur; und Seine Excellenz der 3usti-mtnister lieh der Vrrläumdung willig sein Ohr. Zunächst fordene der Mtuister von der Registratur in Kowu»