Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 13 (30.3.1870)
- Date
- 1870-03-30
- Page
- Seite 115 (sequence 7)
- Language
- German
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115 K*f ’3K DWn vtSk "* rwi „ich bin ein Hebräer und verehre Gott u. s. w." __ _ Haß nun diese Männer den Thatbestand zweier weit äü»- einandergehenden Atichtunz«, wenn auch nicht im ganzen Um- 'fange ersannt, doch ziemlich kla^ geahnt haben, darf man dem diagnostischen Talente derselben mit Recht zutrauen, ivenn auch daS überhandnehmende Siechthum unsere- Patienten, de» nach» kongreßlichm ungarischm Judeitthume», diese» diagnostische Genie eben nicht mit der Aureole der höchstm Vollendung unS Unbefangenen entgegenschimmern läßt: denn „qai beoe dignoecit, bene medebitur“ sagt ein alter Kenner und Erkenner. Aber unterschätzt haben sie die Motive und die Faktoren der Divergenz und: t7e«t IL que git le lievre. Der Baumeister ist noch nicht geboren» der überbrüikte dm Oceaa, der da ttmnt den Preßburger Rabbiner von — meinetwegen vom seligm vi. Zipfer ovo!? 01> pa ‘manb — soll man sagen. Da warfen fie zu Tausmdm gelehrte Faschinm und kunstvoll behaume Quadern und mit Homilettk und Rhetorik, mtt schneidendem Emst und spmdelndem Humor gefüllte Säcke von Sand in die tosenden Fluthm, und holtm Bretter und Eichenpfostm au» allen Wäldem de» Talmud und der Midraschim und sprangm darauf, und gingm mit Lebensgefahr und noch größerer Gefährdung de» gesunden Menschenverstände» darauf und darüber, und am Ende zeigte sich'» klar nnd dmtlich: vjn re» btk iVCXT' vh *131ITOK *CTD m (daß Einer dm Andern nicht verstand —.) Ich will dir, lieber Leser! zur Kennzeichnung de» Ganzen, wie die soi-disant Orthodoren dm Gegnem au» dem Lager der Progressistm gegenüber sich geberdm, heute nur ein Pröbchm beibringm, und das zmüge dir bi» auf baldige» Wiedersehm! Du weißt e» oder weißt e» rielleicht nicht, daß der allgemein bettauerte vr. Zipfer — von dem Shakspeare mit mehr Recht al» von feinem dramatischm Heldm gesagt hätte: „Jeder Zoll ei» Mann" — in letzter Instanz einem Zungmkreb» erlegen ist. Da hieß e» nun im linkm (?) Lager drübm: Gott >T3 straft doch . mo X2 mc — die Ausführung mag ich nicht niederschreiben. Baue mir nun den Brückenpfeiler und wölbe mir die Brücke, die von einem Ufer an das andere führe! Et ex uno disce omnes! Rußland. IA«rscha«, 0. März. (Original - Eorrespondmz. Schluß.) Was Wunder, daß ein solch« Rabbiner sich der ungetheiltcn Liebe seiner Gemeinde zu erfreum hatte, so wie der Verehrung aller Derjmizen, die ihm nahe standm. Aber auch die Achtung der Behörden, die ihm allerdings wegen seines unverholmen polnischm Patriotismus grolltm, gmoß er im höchstm Maße, und vom Statthalter an gab es keine hohe Persönlichkeit im Amte, die nicht mit MeiselS persönliche Bekanntschaft hatte, und die ihn nicht bei jeder Begegnung zuvorkommend gegrüßt hätte. Bei dem am 16. v. M. stattgefundmm Begräbniß MeiselS bekundete sich diese allgemeine Berehmnz de» Seligm auf daS Glänzendste. 40—50,000 Menschen au» allen Confessionen und Ständm begleiteten die Leiche de» thmerm Manne» bi» nach dem eine halbe Meile weit liegend« Gottesacker. Die Straßen, durch welche der Zug kam, warm buchstäblich vollzepftopft. Sämmtliche Lädm jüdischer, aber auch vieler christlichm Kauflmte wurdm beim Vorbeikommen de» Zuge» geschloffm. Dem Leicheuwazm wurdm die Pferde abgespannt, und au» dem Volke dränztm sich abwechselnd Hunderte, um ihn zu zielzm. Der pomplose Zog war in der Thnt im höchstm Grade imposant. Wie bereit» erwähnt, war e» von der Cmsur dm Tageszeitung« nicht gestattet mehr al» eine kurze Rottz vom Tode Meisel» zn bringm. Die zwei hiesig« groß« illuftrirten Wochenblätter jedoch, die »Klosy* und der »Tygodnik Jllusttowany', hattm Zeit mtt der Censur zu kämpfm, und fie hielten dm .Gegenstand für wichttg genug uw dm Kampf zu führ«, indem sie, wie ihre Redatteure (beiläufig gesagt: keine Judm) vor dem Schreiber dieseäußerten, eS a!» ein 'Vergehen 'gegen ihre Aufgäbe erachten würden, einm solch« Mann wie MeiselS mit Sttllschweizm zu übergehen. Sie remrrtrtm bi» zum Statthalter und erwirktm von ihm die 'Zrlaubniß, da» Bild de» Verstorbenen nebst warmem Nekrologe (der eine au» der Wieder Wojcicki», eines der erst« polnisch« Publicistm) zu geben; nur dürft« auch sie der pokttischm Wirksamkeit Meise», d. h. defsm Wahl zum Deputirtm de» österreichisch« RinchStage» (1848 49, da er noch Krakauer Rabbiner war) und zum Mitglied« de» bicfigm StadtrathS im Jahre 1861/62, nicht erwähnm. Dergangme Woche fand« in dm größerm der hiesig« zahlreich« Syttazozm Trauergottesdienste nach alter Art (TDOn) für dm Hingeschiedenen Rabbiner statt. Aber auch die nach deutscher Art geordnete größte Synagoge Warschau'», di« deshalb schlechtweg die Dmtsche heißt, und an der vr. Jastrow segenSreich gewirkt hat, gab dem verstorbmen Rabbiner die gebührmde ' Ehre. Dieser Abmdgottesdienft war sehr feierlich und erhebmd. Me.mit schwarzem Tuche behnngme und glänzmd erleuchtete Synagoge war überfüllt, und auch sehr viele Nichtjudm bildeten einm Theil de» Publikums. Mit Begleitung de» Clors und einer Orgel (die di« Synagoge besitzt, die aber nur an Wochentag« bei feierlichm Gelegenheit« angewendet wird, und bei derm Klängm der orthodoxe Rabbiner MeiselS so oft Tiauungm abhielt) sang der Cantor Jacob Weis nach abgehaltmem Mincha- Gebet den Sulz-rischen Pialm 91, worauf der Predige: l>r. Cylkow die Trauerrede in polnischer Sprache hielt, in welcher er daran erinnerte, daß der jüdische Geistliche keineswegs erhabm über die Gemeindemitglieder und ihr Gewissen stehe, daß er vielmehr >'hnm nur im Wissen voransein muß, und daß er als Rabbiner nicht aufhött Bürger gleich all« Andern zu sein, wohl mit größeren Pflichten, aber nicht mtt größerm Rechter. Diese Pflicht« wurdm aufzczählt, besonders die Theilnahme an dmi zeitlichen Wohl der Gemeinde hervorgehobm, und nachgewiesm, wie eben MeiselS diele Pflicht« erfüllte, und wie unter Anderem er so Vieles zur Aufhebung der Schranken beitrug, die bi» 1861 die Judm Polen» drücktm. Nach dieser meisterhaft« Rede trug wieder Herr Weis das in Manheimers Machsor abgedruckte hebräische Gebet für die Todtm vor. Wir können diesen Bericht recht schließen ohne dm Wunsch hinzuzufüzen, daß es der Warschauer Gemeinte glücken möge, wmn auch nicht einen so bedeutend« Mann, der unter den Rabbinem alter Schule schwer zu find« sein würde, so doch wmigstms einen so friedfertig« und klugm zu wähl«, der einen Karnpf zwischen dm Partei« nicht aufkommen laste, einen Kampf, der hier bei der alle Zeit ausgestteckteie Hand der Behörde in Alles roh einzugreifm, doppelt schädlich sein kö rnte. — Literaturbericht. A«ß«ü, Praktischer Lehrgang der hebräisch« Sprache (s. Nr. 2 der Wochenschrift). Dal erg« Heft dicke« nenne Lehrbuches bietet in der Thal eine neue Methode und ist nach einem nmfaffenden Plan angelegt. will non vorn herein z. K. auch zmn Lesen nnpnnktirter Texte anleiten, dabei ist auch die s. g. rabbinifche Schrift berückfichtigt. Die Anmerknnzen find l heilweise gelehrter Art. Bergleichnngen mit der lateinischen und griechischen <L> ammarik fieed für Schüler, denen dicke Sprachen bekannt find, ohne Zweifel zweekmchjig. Obgleich em Unheil erst nach Erscheinen Weitem Hefte sich bilden Ußt, glauben wir doch da« Werk solchen Lehrern, welche Tüchtige« leiste» w»2en und können, empfehlen zn mllffen. — Herr vr. Aoök hat soeben eine Predigt heran« ge ge de», betitelt: Lin altjüdifche« Slenergesetz. Wir können diese »efiliehe Rede de« gediegenen Lanzelreliner« unseren?efern nur ans« wLrmstii empfehlen. J.