Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-23 · 12 (23.3.1870) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935152--0185-5369922
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1. Jahrgang Ni HL-1870* für Me religiöse« ««d seeiale» Interesse« des Jlldntthims. Irscheint jeden Mittwoch. $rtil viert-ljährlich 20 Säbergroschen. -nserttousgesshr für * dreispaltige Petitzeile ober bereu Raum 1‘/* ««t. Verantwortlicher Rebataar-sgb Herausgeber Rabbiner I'r. A. Ir«st»fetr in Stettin. Breslau, 23.Mrz 1870. Zu beziehen durch alle Buchhanbluuge» und Postanstalte», Anferate» - Annas»e GchlrNer'sche» Buchhaublung (H. Stutsch) i» Breslau. Inhalt. «eil«»»«, «rtikel: Die '»arteten i« heutige» Jnbiothum V. FentRet,,: Die jüngste »lutbeschulbigun, gegen bie Juden. Lsochenbertcht. Berichte «»I» Torrespvudenzen: Dentfchtanb: Berlin. Hamburg. Hannover. Aus Südoeutschlaud. Oesterreich: «em Pr»,. Russland: Warscham Warschau. Likeratursttricht. Bries^ößrm vacanzen^tiste. Inserate. Aofforiitrung ^vr Erneuerung der Abonnements auf bie' . „Israelitische Wochenschrift" für di« religiöse» sak sseiale» -»trrchr» krt Aukknth«»». tzerausgegebeu von vr. T. Drenenfeis tu Stettim Wöchentlich eine Nummer von l bis!>/, Bogen im Format der lßarteulaute. At«»»e«e»1»-Hkre1» : IGierteltihrlich; Dmch den Buchhandel und alle Postailstalten: (laut Nr. i«ia de« zweiten Stachwoge« zu« Preußische« Zeituu,«.Preis. -«anmu« m 1870).-2Q Sgr. (In Oesterreich »ach Lours.) Direct v»n der Verlagshandlung mit wöchentlicher frankirter Zusendung unter Streifband: Nur >g»zjihrllch: Nach bew ilorbbeutsche» unb dnuselbeu vereiutgteu Post. Bezirken.3 Dhlr. 10 Sgr. Noch Oestetreich.« Fl. Nach Belgt», Italien, Rußland unb der Schweiz. . . 3 Dhlr. 13 Sgr. Nach Dänemark, den Louau-Fürsteuchümern, Frankreich «ab den Niederlanden.4 . — - Nach ben llereinigten Staaten «merika's unb Schwebe« 4 . — . Nach Inglaub'..S * — Um 4 Störunge« in der Zusendung der.Wochenschrift" zu vermeibe«, ersuchen uw baldmögltchste Abonnements. Erneuerung. Pie Verü»g»ßa«dt»«gi Schletter'sch« Buchhandlung, H. Dkutsch. lüe Parteien im heutigen Audenthvni. v. Wir haben schließlich die s. g. „Orthodoxen" zu betrachten. Auch diese zerfallen wieder in zwei deutlich geschiedene Klaffe«, die wir füglich al» die polnisch-ungarischen und die deutsche» bezeichnen können, und von denen dt« entere« die letzter« durchaus nicht „fiir voll anfeheu"; doch hat die Aehnltchkeit zwischen beiden Nuancen immerhin da» Uebergewicht über dir Verschiedenheit, was fich schon dadurch genügend aussprtcht, doch die brutsche« Orthodox« eifrig bemüht sind, den Unterschied z» venvtsihe» und zu beweise», daß sie von jenen wesentlich nicht »erfchteten feie». Wir werden daher von dem Unterschiede mir am ^Schlüsse reden uud beide vorläufig zusammerisaffen. «äh-end wir bei de».h<sher besprochene» Richtungen (mit Allsnahu« der Thasfidd») bestimmte Pattetname« tüchi: gebraucht haben, «den wir hier von.Orthodoxen", weil et» Thetl der V«rt«i diese« Nam« > ausdrücklich adopttrt hat und — weil er ist der Thal hier paffend ist. Bo» Orthodoxie, Rrchtgläubigkett, füllt« im Judeuthum, welche« nicht nach dem Rechtglaub»», sondern nach dem Recht t hu n fragt, eigentlich gar nicht grrirdot »erden, aber diese Partei hat eben doch die Rechtgläubigkeil in das Judenrhum etnziehen lasten. Wir sind genöthtgt. um nicht bloß den Gekehrt« verständlich zu sein, eine Einleitung voraus« ßuschick«. ..x Der Lalmud hat jnxi Bestandthetle: die Halacha, d. t. bie Märttniug und Bestimmung der Gesetze des Judmthums, und ^Vßvdir ddsfHtkMO'd7k7 fi<A'Gchklfl>Mrg«g m»»lchs ge« festliche n Inhalt, Aussprüche der Weis« über Glaubens» und Sitten! ihren, Lebensweisheit und «Klugheit, dazu Parabel» und Legenden, Deutungen der Geschichte, geschichtliche Ueberliefe» rangen u. s. w. Cs ist nun eine alte feststehende Regel, daß nur die gesetzlichen Entscheidung« des Talmud als dic eigentliche Ueberlieferung zu berracht« sind, daß aber die Agada durchaus keinerlei maßgebende Autorität für uns besitzt. Dieser Grundsatz hat durch viele Jahrhunderte in voller Geltung bestand«; man hat die Agada auch berüeksichttgt, obwohl 'mehr nebmher, man ha'! sie erläutert und sich besonders viele Müh« gegebm, um sie dm jedesmalig« Zeitanschauungm gemäß zu d«tm, umzudratm und viel« ihrer Aussprüche das Hatte, Anstößige zu ben>:hmm — aber man hat eS jedem überlast«, sich mtt der Agada nach seinem Gutdünken abzufind« *). *) vielleicht gelingt es uns durch Beispiele auch dem Laien dtesen Unterschieb deutlich;« machen, ben gleichwohl mancher, der ba lernt unb lernt unb für einen Lamban passtrt, sich nicht zum Bewußtsein bringt. Es heißt in der Agada: „Aon hat dm Mose« den Knoten der Dephilin gezeigt" — die berbfitmliche Ftffung de» Satzes ist anstößig, man hat ihn in hundert Weisen umgebeutet, imrchaus bildlich ausgesaßt; minder philosophisch, seustble Naturen habm es auch bet dem Wortlaute bewenden kaffen. Dagegen wird in der Halacha Form, Farbe, Beschaffenheit der Tephilltn bestimmt; wer da nun eine dieser Bestimmungen umbeuten, etwa bildlich anffaflen wollte, der würde sich von dem. Boden de« traditionellen Indenthnms entfernem Es giebt auch halachische Sätze, die anstößig klingen nud diese« und jene» Gefühl verleben, »»er umbeuten, bildlich auffaffeu, das geht nicht an — Halacha für sich, «gada für sich. Wenn ferner zwei halachische Sätze einander widersprechen 'der nur zu widersprechen scheinen, so wird alles Mögliche verfurbt, um su «szngleicheu, nud gelingt die« nicht, so muß der ei« als ungültig fallen — agadifche Sätze widersprechen einander tausendfach ganz direkt, ein Maggid giebt.sich wohl einmal Mühe einen «nsgleich zu suchen, zur Unterhaltung seiner Zuhörer; aber sonst liegt an de« Wrder» sprnche g,r nichts, keiner denkt daran zu entscheid», welcher Satz richtig sei — es ist «gada. So ist schon im Dalmud uud Midrasch selbst dir Dar-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.