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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-09 · 10 (9.3.1870) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1. Jahrgang Ni IC . -1870. ffir Dir religiösen und socialen Interessen des Judenthums. Erscheint iebtn Mtt»»ch. Preis eiertelj«hrlich 20 «Sergr-sche». Kit Nt dreispaltige Petiqeile oder derea «aom l'/, «gr. Bereu t»»rNich«r NedaAeur und Herausgeber Rabbiner vr. A. Trenenfeks in Stettin. r Breslau. S.Mrz 1870. Zu beziehe» durch alle Buchhandlungen und Poftanstalten. Inserate». Annahme •j* der. Schletter'schen Buchhandlung (H. Skutsw) iu Breslau. Jf Auhalt. SeUenbct Ittihl: Dtp Parteien im heutigen S»de»thn« UI. gtttilttoii: Dt» jüngste vlutbeschuldignn, gegen ^f« Jndeiu Jüdische und rkmisch.Iatholisch» rehrweise. L«O»«sra,e» Zioet Baten über dt» Orgelfrage, «ntwart »ns den «rief eine« «letastädterS. «»chendertcht. Beichte «nd «»nestwnd«,«: Dentschland: v«li». vnli». «refeld. Magdeburg. Hamburg. Sitrratnrhericht. »triefkasten. «aeanzen-Ast«. Ansernlr. . " Die Parteien im heutigen Andetützum. m. Wir habet ali äußerste Linke diejenige Partei charaktertstrt, welche das gmye Gesetz de« Judmthum» zu den Lobten wirst. Bon ihr unteifcheidet sich die nächststehende Partei nur dmch eineKleinigkeit: sie „wirst" nicht, sondem sie „legt" e« z« de« Lobte«, almäliHg, mit gewissen Formalitäten. Doch mit einem Wortspiel, obgleich e« mehr als Spiel ist, läßt sich die Sache nicht erlrtige»! wir müssen vielmehr, um diese besonder« wtch^ ttg« parteirichtan'g kennen zu lernen,^ einige« über die.allmählige Entwickelung ihrer Ansicht« sage«. Die Männer dieser Partei, die Führe: wenigsten«, sind, im Gegensatz zu der vorigen, zumeist jüdisch gelehrt. Sic haben etwa« „gelernt" und hattm sich meist in ihrer Jugend in da« überlieferte Judmthum eingelebt. Sie finden dasselbe in einem unerfreulichen, ja bedenklichen Zustande. Wir meinen die 20 er und den Anfang der 30er Jahre diese« Jahrhundert«. Hier und da Einer, der Kenntnih de« Judenthum«, warme, thätize Liebe zu ihm, durchgeistigte« Lebe» in ihm mit entsprechender allgemeiner Bildung vereinte; die Menge stumpf, im ausgetretenen Geleile sich bewegend, »der theilweise auch schon stark durch den „Zeitgeist" und da« Beispiel inficirt, .'hne Festigkeit, schwankend; die Höherstehenden, d. h. Reichen, großentheil« der Ansicht, daß man sich die zum Vermögen gehörende „Büdung" am leichtesten erwerbe, «mn man arfhöre als Jude zu leben; die Gebildeten kalt, spottend und höhnend, dar Judenthum als „ein Malhmr" ansehend; die geistige Blüthc der deutschm Juden zum Abfall bereit oder ihn in Masse vcllziehend. E« mußte etwa« geschehen, und so erschien Bielen eine Reform de« Judmthum« al« der einzige llöeg der Rettung und Nmbelebung. Die Männer warm gewiß zunächst von der bestm Absicht geleitet, sie wolltm da« Judenthurr erhaltm und stärkm; fern, fern sei e« vön un«, hier oder bei :iner anderen Partei, Absichten zu verdächtigen! Man erkannte also, daß an da« Bestehend« anzuknüpfm und von dem gegebmm Bodm au«zugehm sei; da» Gesetz der Lhora wurde im Prinzip anerkannt, vettheidigt, auch die Tradition nicht direct bekämpft. Die bedeutmderm Führer erkanntm auch, daß mit bloßm phrasm ur d losm Cttatm nicht« gethan sei; man wollte gründlich verfahr«» und da« Bestehende in feüier geschichtlich« Entwickelung erkennen. Die Wissenschaft der Geschichte de«!)udenthum« verdankt einzeln« Mäunem dieser Richtung viel, obgleich hervorzuhebm ist, daß die hervorragmdstm Begründer und Bertteter sich von der praktisch« Reform fern hielt« und nur der rbeoretischm Forschung oblag«. . Ran legte nun zuerst Hand an „Rabbintsche«", z. B. die TraNergebrä'.iche, und suchte die Zulässigkeit mancher Reform nachzuwetsen. Mit besonderem Eifer wurde die gottesdienstliche Reform in Angriff gmommm, da auf diesem Gebiete die Thora gar keine speziellm Vorschrift« giedt, und Mischna und Talmud noch zpoßen Spielraum lass«. Weiter suchte man dann nachzuweism, chaß sich manche biblische Gesetze an der Hand de« Talmud reformiren ließen. An Stelle de« früher« Schimpf«« auf de» Talmud und seine Lehrer trat die Ansicht, daß diese alten Weis« große Reformator« gewesen, und daß man, in ihren. Bahn« weitergehmd, ziemlich weit kommen und zur „Ausgleichung von Lehre und Leben" viel thun könne. So fchim ein Ausgangspunkt gesund«, man glaubte den Talmud durch dm Talmud rekormirm zu könnm. Da« war der „ fortschreitmde Rabbini«. mu«", der fteilich bald ein „fortkriechender" gmannt wurde. Denn wa« war doch mit allem dem denjenigen gedient, welch« da« ganze Gesetz im Wege stand, oder richtiger gesagt, längst nicht mehr im Wege stand, die aber ihr Thun sanktionirt f eben wollten? Man hatte ursprünglich diese Leute dem Juden» thume wiedergewinnm und zugleich die Anhänger deS Bestehen» d« für die Reform gewinnen wollen. Je mehr .)a« Letztere mißlang, desto mehr trieb da« Verlangen, es den Erster« recht zu machen, dem „Leb« Rechnung zu trag«", immer weiter auf der Bahn, auf der bald da« ganze Gesetz wegreformirt «erd« mußte. Doch sollte die« auf „wissenschaftlichem" W:;e begründet werden. E« ist nicht möglich hier alle die Wege inzugeben, welche eingeschlagen wurden. Manche ging« emsthast forschend, manche recht frivol zu Werke. Man versuchte v'rwärt« zu komm«, indem man rückwärt« ging, vom Gchu Han aruch zurück auf den Talmud, von diesem auf die Mifchne vom Rab» btniSmu« auf dm KaräiSmuü, endlich auf dm „ rei.'.» Mcfai«- mu«". E« half alle« nicht«. Man schid also da« .Politische" vom „Religiös«" und erklärte für „politisch", d. l für unsere Zett unverbindlich, alle« daSjmige, wal im The.igesetz« sich nicht mit dem „Zeitgeiste" »ertrag« wollte. Da> u ging man noch weiter und suchte kritisch zu beweisen, daß de- Pentateuch, also dir Quelle de« Gesetze.il gefälscht, verstümm „ ganz und gar tmdeuziö» entstellt auf un« gekomrim sei, ein : Ausgeburt — — etwa gleich deu psealo-tfidorsschn Dekretal,::.

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