Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 5 (2.2.1870)
- Date
- 1870-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ni S. -1870* 1. Iahrg fotmiitiitkt Wochenschrift für die religiösen «nd sorialtn Interessen des JndeathnmS. Grtcheint jeden Mittwoch. Prell vierteljLhrlich 20 Gilbrrgroschea. MMinniHft fti »k brrifi-oltige Petitzeile oder deren Ran« I'/, Sgr. Verantwortlicher «edaktenr und Her,«»geber Rabbiner Dr. A. IreitenfeK in Stettin. Breslau, 2. Kebruar 1870. Zn beziehen durch alle Bnihbandlnagen und Postanstalte». Inserate» - A««aß«e t» der Schlrtter'schm Buchhandlung <H. Skuvch) in Breslau. Inhalt. Lette »der Artikel: Die Xlllanee leraelite vntrereollo und der Gemeindelag IL goiflcten: Die Inden in Bol» «» von Fron» Manrer. (Schluß.) r«Oe»fr«,r». Wdchenberickt. vrrtchte »nd E»rresp»»dr»z«»: Deutschland: Berlin. Berlin. Magdeburg Oesterreich: Sie». Prag. Paltstina: Jernsale«. «merila: New-gort. Likeraturbrricht. tteneste Nachrichten. Sacamze» Liste. Inserate. Me ImdSUte tlulvernelle und der Semeindeta-, n. „Die Gleichberechtigung der Juden überall zu fördern und denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft al» Israelit« leiden, wirksame Hülfe zu leisten" ist die eine Richtung der Thätigkeit, welch« die Alliance sich al- Ziel gesetzt hat. Die andere geht, dahin, „jür den moralisch« Fortschritt da 3ob«LJV »irt«*.- Sie hat (tf diese« Zwecke in wichtig« Städten best Vrsent (k. h. in Afrika, Türkei und Ast«) Schul« gegründet, üba welche höchst erfreuliche Berichte lingchm. l>r. Alb. Cohen hat, wie bekannt, auf sein« kürzlich gemachten Reise mehrere derselb« besucht und ist glücklich üb« die schön« Erfolge. Mag sei», daß da '.Rann mit dem großen Herz« manches erfüllt sieht, wa» fich erst noch erfüll« soll, aba ein Anfang ist gemacht; kein Zweifel, daß die Alliance Große» schafft, und daß dies« Theil ihra Ausgabe noch wichtiger ist alda astae, denn die Befreiung de- Leistesteht höh« aldie de- Leibe». Und biö jetzt Hab« die von da Alliance gegründet« Schul« bei da israelitisch« Bcvölkerung gute Aufnahme gesund«, efind nur höchst seltene urd vaeinzelte Sturen de» Mißtrau«» bemerkbar geworden. Die morgmlänlische» Judm trag« kein Bedmkm, ihre Kinder in die aus europäische Art eingerichtet« Anstalt« zu schickai, man setzt in die Alliance Israllite Universelle kein Mißtrauen, furchtet nicht, daß sie Diffaenz religiösa Arstcht« und religiös« Praxi» in die Gemeind« va» pflanz« vadm. Warum ruft man da Alliance nicht mtgegm (wie e» Har Silbermann richtig bezeichnete): „nicht dein« Honig und nicht dein« Stachel"? Da» entgegmgesetzte Beispiel, welche» die von einem d«tsch« Dichta begründete Schule bietet, liegt sehr nahe. Warum »ersteht e» di« Alliance so aufzutreten, daß sie <lseg« verbreitet Ah« Verdacht, geschweige fanatisch« WLersta») zu weck«? Wa da Bersammlnnz in Balm beigewohnt hat, da hatte die Antwort, die Erklärung sichtbar vor Aug«! Da faß« in dem Hall kreise drei Manna, welch« die größestm Geg«sätze repräsmtiren. Da faß« R. Hirsch Kü.ischer und Crömieux — wir sehm kein Wort da Charakteristik hinzu, die Ramm bezeichn« ein« himmelweit« Untaschied in Hinfiöft auf religiöse Denk- und Leben-weise. Da faß« Lazaru» und Crömieux, da deutsche Philosoph, jede» setna Worte auf dein Wetzstein da Logik abgezogm wie ein Rasirmessa, jede Phrase und j«de Frag» ein „Sein oda Nichtsein", und da französisch« Rhetor, desto! Convasation Baedsamkeir, üba jede Schwierigkeit himv«g-let> tend, mit unwiderstehlich« LiebaiSwürdigkeit die auüeiuando' fahrmdm Strebung« leicht verünüpfend. Wa» vaeinigte diese Manna? Da» jüdische Herz — die Zwecke der Alliance — freilich; aba wesentlich, maßgebmd ist da Umstand, daß di ß! Alliance eine französische ist. Warum könn« wir Dmtfch« ^lejß« solch« Daeinigung zu Stande bring«? Oda können «fr >4 doch? Dag wir c» nicht kenn«, ist nicht unsre Schuld; daß et die Franzos« könn«, ist nicht ihr Dadi«st, ganz wie e» ir Hinsicht, auf den politischen Einfluß nicht ihr Verdienst ist, das sie ihn besitzen, nicht unsere Schuld, daß wir un» fe.aa nich erfr«m. ES ist im» deulfchen Judm nicht möglich, oda sager wir: nicht gegebm, unter unö die religiös« MeimmgSverschie dmheiten bei Seite zu schm, da» Parteischibboleth „Orthodo, oda Reform«" außn Frage zu last« (e» müßte sich d«n uu einfache Wohlthatizkeit handeln). Da» liegt in d« deutscher Gesammtverhältnissen. Die Religion, die eine Sache de» Herzen» ist» die Confession, die rar die innerste llebazeugung berührt, nach da zu ftagen eben darum jeda wahrhaft Gebildete untalaffa sollte, wird bei uu» beständig in die DiScusfion gezogm, e» wirt imma und übaall danach gefragt, inquirirt. Bei «Erth>-ilunx «in« Reiselegitimation, beim Eintrag« in die Frcmtmliste einet Hotel garni (bis vor Kurz«,) „welcher Religion?" — in Unter* suchuugSakten, bei Zeugenvernehmungen, im Ge''urrSschna und i» da Todtenliste, in da ABC-Schule und in da Kasane, bei städtisch«, laudständisch« und wa» imma für Wahl«, bei Beförderung zum Offizia cder Nachtwächta, übaall die Frag« nach da Religion! So lommt e», daß wir auch untereinander die» Juquirirm nhfyt laffm, und daß sich da üble Dufl diese» 6beldu»b-Aornes übaall da einmischt, wo cin gemeinsame»?Rrkm Weihrauchdüfte aufsteiger laffm will, ir,. E» wird auch bei uni die Ursache fall« und die Wirkung aushören. In Frankreich aba ist schon mehr al» eine Generativ» eicu'achfm, feit offiziell und im Privatvnkehr nicht mehr nach dm religiös« Meinung« geforscht wird; damit glaub« wir gmug gesagt zu Hab«. Hier liegt da Grund, n«»halb wir d« Franzos« die Initiative ülerlqssen müssen, wo e» gilt heilsame geistige Einwirkung auf unsre Glaubenszmosi« in da Ferne zu Lb«. Uu» aba liegt die Pflicht ob, da Allianc«