Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 3 (19.1.1870)
- Date
- 1870-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ni S. -1870. bwtlitifdtt 1. Jahrgang. Wochenschrift für die religiösen und forialen Interessen des Iudentijnms. -rscheint jeden Btinwoch. Prell vieNeliLhrlich 20 Silberzrolchen. -»strlt»»»«»!!!» Ihr ht dreispaltige Peiitzeile oder deren Raum >'/, «ge. Verantwortlicher Redalitar und Heraulgeber Rabbiner Dr, A. Preuenfek» in Stettin. Breslau, Iv. Januar 1870. Zu beziehen dirr» all« Buchiwndlnngen und Peftanftalu« -nseraien.Anneh»« in der Echletter'schen Buchhandlung (H. Stnv'ch) in Bre»lau. Ir halt. Seiteader Artikel: Der Kern de» Streite» im heutigen Judenthum. -rüttlet,«: Mohammed und die Jute« vor vr. Perle». (Fortsetzung.) Die Juden in vo»niea vm Franz Maurer. (Fortsetzung.) Der Xw ii».»r«r am grünen Lisch. «N»cheu»nicht. lNertcht« und A»rrestz»»denze«: Deutschland: Berlin, Berlin. Stargard in Pommern. Oesterreiä: Wien. Smhlweißeubveg. Frankreich Pari», »in Segenproteft. «eihnachtlschatten. Siteraturtertcht. Neurste Nachrichten, »riekästen. Vakanzen-Liste. Insenare. Der Her» de» Htreite, im heutigen Zudenttzum. Etz ist de! Srrerre! und de! Streiten! viel unter den Juden, zumal in Deutschland und in den Ländern, in welchen da! deutschjüdische iZlement von bedeutendem Einfluß ist. Worin liegt der Kern, der Angelpunkt diese! Streite!? Worin unterscheidet sich die Gegenwart in dieser Beziehung von der Vergangenheit? Es ist nothwendig über diese Punkte Klarheit zu erlangen, damit wir un! nicht in Einzelheiten verlieren oder durch Phrasen verwirren. Zum Glück ist die Sache sehr einfach» e! kommt nur) aus «verhüllte! und «weefülschte! AnPsprechen an. ' ’■ Im Christerlthmn dreht sich der Streit um die Glauben!» lehren, auch die Streitigkeiten um die Kirchenverfassung hängen eng mit jenen zusammen; ganz ander! im Judenthum. Zwar hat e! auch hier nie an Meinungsverschiedenheiten gefehlt, denn seit Menschen denken, und wenn fie denken, haben sie, zumal tu Betreff übersinnlicher Dinge, nicht einerlei Ansicht und Ueberzcugung gehabt. Jndesien find die Hauptglaubendlehren de! Judenthum! einfach und faßlich. Es hat daher wohl immer Leute gegeben, die über diese GlaubenÜehren tiefer nachgedacht, sie gründlich aufzufaffen und philosophisch zurechtzulegen versucht haben, während Andere fie schlicht und einfach ohne viel eigene! Forschen aufnahmen, so wie sie geschrieben und überliefert sind. Aber zu Streitigkeiten hat die! nur in seltenen Fälle» und in einzelnen Epochen geführt. Die Philosophen ließen die einfach Gläubigen gewähren, nicht au! verwerflicher »Pastoralklugheit' oder gar .um da! Lolk in seiner Einfalt und Gläubigkeit, d. h. Dummheit zu belasten', nein, fie suchten ihre bestere Einsicht und tiefere Erkeuntviß zu verbreiten, wo fie nur irgend die geistige Begabung dafür voraussetzeu mochten — aber ei besitzen einmal nicht alle Menscheu gleiche Gaben. Wiederum sagte der einfach Gläubige (der »Edifältige' CT im Sinne der Schrift) von dem Andern: er ist ein.Philosoph, vielleicht sogar ein Stück von einem Mn, aber er ist ja ein Gelehrter, ich verstehe da! nicht. So gab e! seltm Unfrieden, so lange der Philosoph im praktischen Leben keinm Anstoß gab, und so lange nicht persönliche Feindschaften oder Hetzereien in! Spiel traten. Um so häufiger und vielgestaltiger waren dir Streitigkeitm über dag Gesetz. Diese!, da! Thun also, wurde auch im Judenthum stet! al! Hauptsache betrachtet, nicht da! Glauben und Meinen. Wie da! Gesetz vielfach al! »Zaun der Lehre' zu betrachten ist, so diente e! auck gleichsam al! Ableiter für die durch die unvermeidliche und nothwendige Reibung ,^zeugte elektrische Spannung. In diesem Gesetze hatten diejemge», welch« denken, forschen und — st leiten wollten, hinlänglichen Stoff und ein unermeßliche! Feld für ihre Thättgkett. War ein Punkt durch Majorität — wie in der alte» Zeit geschah — oder durch Autorität — wie später der Fall — entschieden, so gab e! immer wieder neue Differenzen; war ein Gebrauch festgestcllt, so gab e! immer wieder Umstände, die noch nicht vorgesehen waren, der Eine erlaubte, der Andere verbot, Der vertheidigte dies, Je.-er jene! — e! konnte und karu nicht "ander! sein. Damit wdllen wir den Werth dieser Deputationen um da! Gesetz (die Halacha) nicht etwa unterschätzen, al! handle «! sich dabei um bloße! Material für gelehrte Stteitsmht, wir haben es mit einer Derthschätzung hier überhaupt nicht zu thun, und es genügt gelrmd zu macken, daß jene! DiSputiren die jüdischen Geister wach und krisch erhalten und wenigsten! keinerlei Unheil gestiftet hat, wie die! bei Glaubensstreitigkeiten immer der Fall gewesen ist. Da! vereinigende Grundprinzip war, daß eS nach göttlichem Gesetze Gebotene! und Berbotene! gebe; oies Prinzip wurde nicht angewstet und die! genügte. Jetzt ist ei ander! geworden. Die Streitpunkte sind zahlreich und mau erhitzt sich oft über recht unwesentliche Dinge, aber der Kern de! Streite! besteht jetzc in der Frage: giebt e! ein Gottesgesetz oder nichts Giebt es für dir Menschheit und für Israel insbesondere ein von Gott gegebenes Gesetz, welches als solche! seine Autorität, feile Verbindlichkeit in sich ttägt, oder ist (abgesehen von Staatszesetzen) für den einzelner Menschen dasjenige Gesetz, was er, der Einzelmeafch, für Recht, für gut, für ihn zusagend hält? Der entsprechende altherg,brachte Ausdruck lautet: ist »Ifcorath Mosche emea* — die Thora wahr, gütig oder nicht? Man weiß ja, daß unter »Thora stet! wesentlich da! »Gesetz' verstandm worden ist, wi: 'w schon die alte griechische Uebersetzung (die s. g. Septuaginta), das N. Test, und Josexhu! das Wort so wiedergebm. — Aber soll denn der Mensch sich nicht etwa ftei bestimmen, soll er seine Vernunft gefangen geben? — Nichts von dem! Ein blindes Gehorchen wird nicht verlangt, jeder Jude darf, kann, soll, oder sollte wenigstens, sich selbst Recheuschart geben über die Verbindlichkeit der biblischen Gesetze, wiffen, warum er fie beobachtet oder nicht beobachtet. Aber die Frage bleibt, ob er etwas thut oder läßt, weil er e! so für gut findet, oder weil