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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 13. (1903) · p. Seite 52

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 13. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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02 selbst schwierige halachische Materien behandelt werden müssen, wenn sie für die Wissenschaft fruchtbar gemacht werden sollen. Solcher wissenschaftlicher Monographien müßte es recht viele geben — der Talmud bietet ja unerschöpflichen Stoff -- und bald würde das gegenwärtig geringschätzige Urteil über den Talmud ins Gegenteil Umschlagen. Diesen Wink 3011ten vor allem die Rabbinerseminarien beherzigen. Der Seminardirektor Frankel s. A. hatte diesen Weg vor mehr denn äO Jahren in besonderen Werken, Programmarbeiten und Preisaufgaben eingeschlagen, er hat nur wenige Nachfolger gefunden. Im Schlußkapitel ״Heiligung als Vereinigung“ führt uns Lazarus auf den Höhepunkt der Ethik, die Sozialethik, die Sittlichkeit in der Vereinigung. ״Die wahre, innere Zusammenschließung, das Gefühl der Einheit, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, der Eintritt der einzelnen Person in die Gesamtpersönlichkeit, ״dies ist“ — sagt L. — ״das Ziel aller Sittlichkeit und darum der höchste Zweck unseres Daseins.“ Er zeigt uns die Anschauungen der jüdischen Ethik über Ehe, Familienleben, Freundschaft, Gesellschaft. Gemeindeleben, Kulturleben der Völker, die Ideen, von denen letzteres getragen werden muß, wenn es zum ethischen Ideal emporsteigen soll: Recht und Billigkeit, Liebe und Frieden.*) Vom Gipfel des messianischen Standpunktes gewährt er uns einen Blick auf den von Jesajas verheißenen ״neuen Himmel und neue Erde“, auf die Verbrüderung aller Völker, ihren Zusammenschluß zur sittlichen Einheit des Menschengeschlechts — wahrlich noch ein sehr hoch und ein sehr fern liegendes Ideal, aber dieses Ideal ist — göttliche Verheißung; es muß eben im Geiste der Menschheit als ein Ideal allezeit leben und leuchten, die Willenskraft wecken und zu rüstiger, sieghaft ringender Tätigkeit treiben. Da der Herr Verfasser auf alle diese Punkte im zweiten Teile seines Werkes, der von dem Wege zur Sittlichkeit und ihrer Ausgestaltung in den verschiedensten Kreisen des Menschen- und Völkerlebens handeln soll, des Ausführlichen eingehen will, so schließen wir unsere Besprechung des ersten Teils im Hinblick auf den Verfasser und sein großartiges Werk mit den jesajanischen Worten: ״Wie herrlich erscheinen auf den Höhen die Schritte des Botschafters, der Frieden verkündet, das wahre Gute und das Heil!“ (.!es. 52,7). .Nachschrift. Die Recension wurde anfangs 1899 in der Hoffnung auf das baldige Erscheinendes zweiten Teiles niedergeschrieben. Erwartungsvoll sah man diessem entgegen, doch die zunehmende Krankheit und der am 2. Peßachtage d. J. erfolgte Tod des greisen Autors ließ allmählich die Hoffnung schwinden. Nun aber veröffentlicht seine Gattin eine ״Erklärung“, welcho die Hoffnung aufs Neue wiederbelebt. Sie schreibt u. A.: * ״Um die Tragik der Situation begreillich zu machen, müßte ich die Geschichte dioses zweiten Bandes der Ethik erzählen, — müßte das Ilinzögern der Vollendung aufklären, damit niemand glauben darf, der Schöpfer des Werkes habe in seinem Eifer nachgelassen, während er tatsächlich für diesen zweiten Band lebte und — starb. ״Das achte Kapitel — Fortsetzung des ersten Bandes — ist noch von seiner Hand fertig geschrieben. Daun kommen viele vereinzelte ausgeführte und druckfertige Partien. Dazwischen im Ganzen noch etwa 1000 Notizblätter. Alles ist aber bereits in Kapitel geteilt und die Reihenfolge bis zum letzten Paragraphen festgestellt, auch was in den Anhang gehört, was im Vorwort gesagt werden soll. Die beiden jüngeren Gelehrten, dio mein Mann mir auf meine Frage, was denn mit der Ethik werden soll? — wenige Stunden vor seinem Tode genannt hat, als diejenigen, denen er dio Bearbeitung und Herausgabe seines!unterlassenen Lebenswerkes anvertraut — sie werden einen wohlgeebneten Weg gehen, voller unfehlbarer Wegweiser und immer — aufwärts! Nahida Ruth Lazarus.“ *1 ln der Nute 3 8.344 bespricht 3er Verfasser eingehend Herbart‘8 Gedanken von der Verbindung der Idee des Hechts mit der des Friedens, dass letzterer der F.rlolg und deshalb, ethisch genommen, der (;rund des Hechtes sein soll, und verweist mit vollem Hecht au( Je8.32. 17, wo der Kern dieses Gedanken»« schon ausgesprochen sei: ,.Der Gerechtigkeit Frucht wird Frieden sein.״ Wir können nicht umhin, zur ferneren Stütze dieses Gedankens auf die enge sprachliche Verbindung —* -Mischpat-Schalom — in .Sacharjah 8, 10. hinzuweisen und ihre ethische Anwendung in Aboth 1,18 wo Sachs ’übersetzt: ,.ein Hecht, das' zum Frieden führt,־‘ Horovitz, Dr. S. Der Mikrokosmos des Josef Ibn S ad dik. (J ahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars.) Breslau 1903. In der vorliegenden Neuausgabe des Mikrokosmos des Josef Ibn Saddik. eines weniger bekannten jüdischen Reliligionsphilosophen des Mittelalters, war der Herausgeber bemüht, soweit es ihm aus dem ihm zu Gebote stehenden Handschriftenmaterial möglich war, einen korrekten lesbaren Text herzustellen. Herr Horovitz ist seit einigen Jahren an der schwierigen Arbeit, den Entwickelungsgang, welchen die Psychologie bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters genommen, wie diese die psychologischen Probleme und Lehren des Altertums aufgefaßt, weiterentwickelt und mit den Lehren der Schrift in Einklang zu bringen gesucht haben, systematisch darzustellen. Wir haben vor drei Jahren מי diesem Blatte seine Psychologie Saadia’s und Gabirol's besprochen. Bei der Beschäftigung mit der Psychologie des Ibn Saddik überzeugte sich der Herausgeber, daß eine Neuausgabe des Mikrokosmos not tue. Herr Horovitz begleitet diese Neuausgabe mit einer Einleitung, in welcher er uns mit den andern Schriften des Philosophen, sowie mit den Quellen, die er benutzt hat, bekannt macht, und schließlieh die Tendenz des Mikrokosmos in seinen wesentlichsten Zügen zeigt. Ueber die Lebensverhältnisse des Religions- Philosophen ist nichts weiter zu sagen, als daß er im Jahre 1138 in Cordnva zum Richter ernannt war und dieses Amt bis zu seinem Tode bekleidete. Der erste, der den Mikrokosmos nennt, ist Muimonides. Ein längeres Citat aus dem Mikrokosmos liudet sich bei David Kimchi in seinem Kommentar zur Genesis. Sonst wurde dieses Buch, wie es scheint, nicht viel studiert. Die Quellen, welche von Ibn Saddik benutzt und von ihm genannt worden, sind: Empedokles, Plato, Aristoteles, Galenus. Außerdem haben noch andere Philosophen auf ihn einen Einfluß ausgeübt. So zeigt eine Prüfung des Mikrokosmos, daß er aus den Schriften der ״Lauteren Brüder“ unmittelbar geschöpft hat. — Namentlich geht diese Beeinflussung der Lauteren Brüder bei Bachja so weit, daß sie bei ihm im ganzen Ton der Darstellung und in vielen Ausdrucksweisen zum Ausdruck kommt — auch die Theologie des Aristoteles, sowie die ״Lebensc|uelle“ Gabirols scheinen ihm nicht unbekannt gewesen zu sein. Was die Tendenz des Mikrokosmos betrifft, so geht sie schon aus den Eingangsworten dieses Buches hervor. Ibn Saddik will nämlich die verkehrten, anthropomorphistischen Ansichten über Gott, Seele, Unsterblichkeit, Jenseits, Lohn und Strafe u. s. w. beseitigen. Zu diesem Zwecke soll der Mensch nachdenken und forschen. Der Mensch gelangt aber zur wahren Erkenntnis durch Selbsterkenntnis. Die Selbsterkenntnis schließt die Erkenntnis des Alls in sich, weil der Mensch die irdische und intelligente Welt in sich abspiegelt, daher wohl auch der Name des Buches. Es liegt auch dieser Arbeit ein außerordentlich lleißiges Studium der Quellen in der einschlägigen arabisch-jüdischen I-itteratur zu Grunde, sie zeichnet sich in philosophischer wie in philologischer Hinsicht vorteilhaft aus. Seligkowitz-Göthen. Briefkasten der Redaktion. I)1־n geehrten Lesum meines ״Litteraturblatts*־ mache ich die ergebene Anzeige, dass von nächster Nummer an bis zur Wiederaufnahme der Redaktion meinerseits der Herr Kabbioer I)r. L. Rosenthal in Preussisch Stargard die Freundlichkeit haben wird, dio Sehriftleitung vertretungsweise zu übernehmen. Bad Kimen, den 10. Juli 1903. Rabbiner Dr Rahmer. Inhalt der Nummer 13. Wissenschaftliche Aufsätze: Pharisäer und Sadducäer. Ein Vortrag von Bezirksrabbiner Dr. Landsberg-Kaiserslautern. (Schluß.) — Litteraturberieht. Recensionen: Lazarus’ Ethik des Judentums.“ Von Rabbiner Dr. Rahmer. (Schluß.) —Horovitz, Dr. S. Der Mikrokosmos des Josef Ibn Saddik. Von Rabbiner^Dtr. Seligkowitz. — Briefkästen der Redaktion. Verantwortl. Redakteur: Rabbiner Dr. M. Rahm er, Magdeburg Druck von Arthur Scholem. Berlin.

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