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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 4. (1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 4. (1903)
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 4.-1903. Jüdisches Jahrg.XXVIl■ LiUeratur-Blatt. Zur Beleuchtung aller Judentum und Juden betreffenden literarischen Er• scheinungen auf dem Gebiete der Philo• sophie, Geschichte, Ethnographie, Theo• logie, Orientalin, Exegese. Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Scholem, Berlin C., Rossstr. 8. Bücher der einschlägigen Literatur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die Redaktion, Inserate u. Beilagen an die Expe• dition franco einzusenden. Rahiaer’s ״JBilsches Utteratsr Blatt4* erscheint nosatlloh zwei Mal und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Arthur Scholem. Berlin, Rossstr. 8) vierteljährlich als• Mark — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״Itraalitltctaa Woohaaeohrlft*4. welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— ■- kostet, erhalten das Jüdische Litteratur-Blatt“ als Bratls-Beilage. — lasarate werden mit 20 Pfg• die viergespalien* Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. * Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ״Aue Rahmer'e JQd. Litteratur-Blatt" gestattet. Nioive’s Wiedererweckung aus dem Todesschlaf. Fast genau drittehalb Jahrtausende sind verflössen, seit Ninive, das stolze Haupt des assyrischen Reiches, in Trümmer sank. Es war im Jahre 606 v. Chr״ als Nabopolassar, der einst von Ninive als Satrap nach Babylon gesandte und dort unabhängig gewordene Feldherr, gegen die Hauptstadt seines alten Vaterlandes heranzog und sie in Asche legte. Fast vom Erdboden verschwand die Weltbeherrscherin, die jahrhundertelang Gegenstand des unsäglichsten Hasses des jüdischen Volkes gewesen war, eines Hasses, der in den Propheten zu einer Poesie von wunderbarer Kraft und Schönheit aufflammt. Was Jesaias, Jeremias, Nahum und andere von dem Reiche und der Stadt gesagt haben, denen ihr Volk nach langen Kämpfen endlich im Jahre 735 v. Chr. unterthan geworden war, gehört zu dem Ergreifendsten, was selbst die Bibel darbietet. So schreibt Jesaias von dem Strafgericht über Assur: ״Da kommt die Erscheinung Jehova’s aus der Ferne. Sein Zorn lodert und schwere Rauchwolken steigen auf. Seine Lippen schäumen vor Grimm, seine Zunge gleicht verzehrendem Feuer, sein Hauch dem überschwemmenden Ström, der bis an den Hals reicht. Er kommt, um die Völker in der Schwinge des Verderbens zu schwingen. Lieder werdet ihr singen wie in der Nacht der Festweihe, und freudig gestimmt sein wie die Wallfahrer, die unter Flötenspiel auf den Berg Jehova’s kommen zum Felsen Israels. Jehova lässt seine majestätische Stimme erschallen, und das Herabfahren seines Armes sehen mit tobendem Zorn und der Flamme verzehrenden Feuers,-unter Sturm und Wetter und Hagelsteinen. Denn vor dem Donner Jehova’s 8011 Assur erschrecken.“ Zweitausendfünfhundert Jahre etwa hatte Ninive schon gestanden. Die Stadt am Tigris war nach den ältesten, freilich keineswegs zweifelsfreien In- Schriften etwa um 3100 v. Chr. gegründet, und zwar von ihrer noch weit älteren Schwestorstadt am Euphrat, von Babylon, der ältesten Weltstadt der Erde. Ob damals schon die Assyrier, d. h. das später unter diesem Namen auftretende assyrische Volk, die Landschaft zwischen dem Tigris und den kurdischen Alpen, d. h. dem medischen Grenzgebirge, bewohnt haben, ist zweifelhaft. Die Namen Ninive und Assur sind nach Hommel sumerisch, einer in Südmesepotamien ansässigen Völkerschaft angehörig. Und Ninive ist noch nicht einmal die ältestete bekannte Stadt jenes Landes. Die Stadt Assur, die ja auch dem Reiche den Namen gegeben hat, ist nachweislich älter. Aber erst um 1100 v. Chr. unter dem König Tiglatpilesar I. erlangt Assyrien die Oberherrschaft über Babylonien und damit über ganz Mesopotamien. Mit diesem Könige beginnt das Reich, das fünfhundert Jahre lang der Schrecken aller Völker zwischen dem Persischen Meerbusen, dem Syrischen Meerbusen und dem Schwarzen Meer gewesen ist. Ueber kaum ein einziges Volk aus dieser Zeit sind wir so vollständig unterrichtet wie über das assyrische. Denn seine Könige liebten es, zahlreiche Monumente mit langen Inschriften über ihre und ihrer Vorfahren Thaten zu errichten, wertvolle Texte in Keilschrift, die durch die geniale Kombination des Göttinger Gelehrten Grotefend wieder lesbar geworden sind. Auch die Bibliothek des Sardanapal, viele Tausende mit Keilschrift bedeckte Thontäfelchen, deren Text sich über alles verbreitet, was den damaligen Literaturfreunden wissenswert erschien, hat man unter einem Trümmerhügel in Alt-Ninive aufgefunden und nach London gebracht. Das literarische Steinzeitalter erzeugte dauerhaftere Manuskripte als unser holzpapierenes Zeitalter. Der Erhaltung der Inschriften sind viele Umstände zu gute gekommen, namentlich auch das Klima und die Abwendung des menschlichen Verkehr- Stromes von diesen Gegenden. Die mesopotamische Ebene und das untere südliche Hügelland des armenischen Berglandes sind sehr trocken und wenig dem Frost ausgesetzt und d,arin haben ihre Bauten einen trefflichen Schutz. So gut wie unverletzt sind Steine mit Bildwerk und Inschriften, die frühzeitig unter Sand und Schutt begraben sind, so dass auch

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