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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 3. (1903) Exemplar UB Ffm · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 3. (1903) Exemplar UB Ffm
Date
1903-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 um es gleich von vornherein zu sagen, der eigentliehe Zweck der ganzen Inschrift. »Ich fühlte mich erweckt bei der Aussicht auf die Pflanze. Mein Mut kam wieder und ins Gleichgewicht trat meine Niedergeschlagenheit.“ ״Ich erliess folgenden Befehl an der Stelle, wo mein Vater, der göttliche Baumeister, weilt: ״Der König gewährt dir, Gott Chnubis, dem Herrn des Kataraktenlandes auf nubischem Gebiete, den Unterhalt als Dank für das, was du mir thun wirst.“ Der ״Unterhalt“ des Gottes lief auf Eins hinaus mit den notwendigen Mitteln zu den üblichen Festopfern und zur standesgemässen Ernährung der Priester und zu sonstigen zum Tempelkult erforderliehen Ausgaben. In diesem Falle sollte im Umkreise von 20 egyptischen Meilen, Schoinen nannten sie die Griechen, der Zehent für alle Zeiten erhoben werden. Diese heilige Abgabe ist nicht bloss egyptischen Ursprungs, sondern auch bei semitischen und indogermanischen Völkern, ich erinnere an die Ebräer und an die alten Deutschen, Brauch gewesen. Der zehnte Teil der Einkünfte aus den Bodenprodukten, aus der Gewerbsthätigkeit, aus der Kriegsbeute u. s. w. gehörte der Gottheit und ihrem Priestertume an, König Tos er fühlte sich beflissen, den Zehent dem göttlichen Baumeister zukommen zu lassen und so erfährt man aus dem Wortlapt der Inschrift eine Menge von Einzelheiten, die einen Einblick in die Auflage der heiligen Steuer nach egyptischem Brauche gestatten. Zunächst sind es die Bauern, die von ihren Ernten den zehnten Teil als jährliche Abgabe an den Gott entrichten sollten. Ihnen schliessen sich die .Jäger, Vogelfänger und Fischer an, denen der Zehent ihrer Jagdbeute in gleicher Absicht auferlegt wurde. Dem Viehzüchter wird es aufgegeben, jedes zehnte Kalb als Opfertier abstempeln zu lassen. Viel wichtiger ist der darauf folgende Zehent auf alle von Aethiopien aus nach Egypten importierte Waren. Elephantine bildete das Hauptsteueramt an der Grenze. Die eingeführten Produkte werden bei dieser Veranlassung der Reihe nach in der Inschrift aufgeführt. An der Spitze der äthiopischen Landeserzeugnisse stehen: Gold, Elfenbein, Ebenholz oder sonstige wertvolle Hölzer und Pflanzen oder deren Früchte Ausdrücklich wird vom Pharao an die Zollbeamten die Mahnung gerichtet, die Kaufleute, seien es Aethiopen oder Egypter oder wer immer, unangetastet zu lassen, nichts von ihnen zu fordern, da der Zehent des Imports voll und ganz dem Schatzhause des Gottes angehört. Auch den Karawanenführern wird der Rat erteilt, jede Art von Bestechung der Beamten zu unterlassen. Eine deutliehe Anspielung auf den Bachschisch oder das übliche ״Geschenk“, das im modernen Orient bis in die Gegenwart hinein bekanntlich eine Hauptrolle im Verkehr mit amtlichen Personen spielt. Eine weitere Einnahmequelle aus dem Zehenten bilden hiernach die Abgaben der Arbeiter und Künstler in Metallen. Stein und Holz. Ausgenommen sollen davon die Künstler sein, welche im Dienste des Gottes stehen und für den Tempel heilige Bildsäulen und Geräte aller Art herstellen. Sie werden nicht nur als befreit von jeder Steuer erklärt, sondern auch für befugt erachtet, für sich und ihre Familie den Unterhalt aus dem Schatzhause des Gottes zu beziehen. Als ob der König auf frühere bessere Zustände des Tempelkultus hätte hinweisen wollen, setzte er hinzu: ״Es sei reichlich, was in deinem Tempel ist, wie es früher der Fall gewesen war.“ Zum Schlüsse wird vorgeschrieben, das königliehe Dekret auf einen Stein an hervorragender Stelle niederzuschreiben, um den Namen des königliehen Stifters der Schenkung für ewige Zeiten zu erhalten. Das grosse Interesse, welches sich an dieses inschriftliche Denkmal mitten in dem Kataraktengebiet an der egyptisch-nubischen Grenze knüpft, besteht vor allem in der Erwähnung der sieben Hungerjahre in Verbindung mit dem Namen eines uralten Königs. Dass dieser nicht der Pharao gewesen sein konnte, unter welchem Joseph in Egypten lebte, dagegen spricht vor allem der gewaltige Zeitunterschied zwischen beiden. Joseph weilte etwa um 1800—1700 v. Chr. an den Ufern des Niles, während Pharao Toser mehr als 3000 Jahre v. Chr. im Egyptenlande sein Regiment führte. Aber eben so wenig darf angenommen werden, dass die Inschrift vom Jahre 18 der Regierung dieses Königs auf dem Felsen von Sehel wirklich aus der Zeit desselben stamme. Das wäre das älteste Denkmal menschlicher Erinnerung auf der ganzen Erde überhaupt. Dagegen spricht vor allem die Sprache und der Schriftstil, da beide einer Epoche angehören, die in die Jahrhunderte unmittelbar vor Christi Geburt fällt, als die griechischen Könige in der modernen Residenz Alexandrien längst nicht mehr an den Gott von Elephantine dachten und vor allem als dem Tempel und der Priesterschaft des göttlichen Baumeisters auf der Insel Elephantine die Mittel des Unterhalts entzogen waren. Den Priestern dieser Epoche lag aber daran, das Anrecht auf den ehemaligen Zehent in irgend einer legalen Weise wieder zum Ausdruck zu bringen. Man benutzte dazu eine uralte Legende, die sich an ein siebenjähriges Ausbleiben der Nil- Überschwemmung und an die infolge dessen entstandene Hungersnot knüpfte, angeblich unter der Regierung eines Königs Toser, um den Nachweis zu führen, dass der vernachlässigte Kult des Gottes Chnubis, des Urhebers der alljährlich eintretenden Nilflut, die Ursache des Elends gewesen sei. Mit einem Worte, man war beflissen, den verlorenen Zehent dem Gedächtnis der lebenden Könige auf eine unverfängliche Weise aufs neue einzuprägen und die Erzählung wurde in den Stein gemeisselt, um als modernes Memento zu dienen. Es ist sicher, denn die ganze Fassung des langen Textes lässt darüber keinen Zweifel übrig, dass in den geschichtlichen Erinnerungen der Egypter eine Ueberlieferung vorhanden war, welche von den sieben Hungerjähren zu erzählen wusste,

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