Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 11. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Menschen annimral, dasselbe aber zugleich als den Willen des allerhöchsten und vollkommensten Wesens betrachtet, der im Menschen als Sittengesetz wirksam ist. Auch die heteronome Ethik verwirft das utilistische Prinzip, denn schon zwei Jahrtausende vor dem Urheber des ״kategorischen Imperativs“ hat ein israelitischer Religionslehrer die idealen Worte gesprochen: ״Seid nicht wie Diener, die ihrem Herrn dienen, in der Absicht, Lohn zu empfangen, sondern seid wie Diener, die ihrem Herrn ohne die Absicht, Lohn zu empfangen, dienen; und seid stets von Gottesfurcht beseelt!“ — Hiernach hätte die religiöse Ethik mit der utilistischen gar keine, mit der idealistischen jedoch zwei wesentliche Berührungspunkte. Diese sind: 1. die Annahme der Ursprünglichkeit des sittlichen Bewusstseins, und 2. die Forderung der Uneigennützigkeit des sittlichen Handelns. Nachdem wir nun das Verhältnis der drei versehiedenen ethischen Theorien zu einander festgestellt haben, wollen wir versuchen, die Frage zu beantworten, ob die beiden ersteren Theorien es je vermögen würden, die letztere völlig zu ersetzen. ISchluss folgt.) Litteratur bericht. Recensionen. Hieronymus’ Kommentar zu den 12 kleinen Propheten. Durch Vergleichung mit den jüdischen Quellen und ältesten Versionen kritisch beleuchtet von Dr. Moritz Rahmer. Rabbiner in Magdeburg. Erste Hälfte Hosea, Joel, Arnos. Obadja, Jona, Micha. M.Poppelauer’s Buchhandlung,Berlin 1902. Besprochen von Rabbiner 1)1׳. Goldfahn. (Fortsetzung.) Dass Hieronymus ausser Jesaju, Arnos und Micha, auch noch Joel, Obadja und Jona zu den Zeitgenossen des Hosea rechnet (cf'r. Rahmer S. 3 zu Hosea 1, 1), erklärt sich daraus, dass er die Propheten Joel—Micha irr derselben Reihenfolge auil'ührt, wie diese in dem synagogalen Kanon aufeinander folgen und da der letztgenannte (Micha) unstreitig ein Zeitgenösse Hosea’s war, so seien die dazwischen eingereihten Propheten ebenfalls Zeitgenossen desselben; was auch im Talmud (Baba bathra 14b) vorausgesetzt wird. Dass Jesaja an erster Stelle vor Joi'׳l mitaufgofiihrt wird, zeigt eben, dass H. an der fraglichen Stelle den ma9soretischen Kanon berücksichtigt, da in der talmudischen Zeit, wie aus Baba bathra a. u. O. zu ersehen ist, Jesaja, aus den dort angegebenen Gründen, nach Jeremia und Jocheskel unmittelbar vor Hosea beziehungsweise, wenn, wie in der fraglichen Stelle Hosea herausgehoben wird, unmittelbar vor Joel zu stehen gekommen war. Dass nach einer anderen Tradition Joel der Sohn des Propheten Samuel gewesen sei1) und nach l) Ausser Hahba zu 4. B. M. 6, 2, Kap. 10 $. 5, worauf bereits Rahmer zu .Joi'׳l 11, S. 3 hingewiesen, ist noch zu vergleichen: Midrasch zu l.B. S. am. 1, Kap. 1, tj. 6; Rabba zu Ruth 2, 1, Kap 4. 3 und Schocher tobli zu Ps. 80, ij. 1. ln der letzten Stolle iindet sich auch die von Rahmer zu Joi'1 a. a. י ). citierte agadische Deutung Pliatuel Bathuel. Ks ist aber ״keine andere Ansicht“, wie R. uunimmt, sondern auch nach dieser ist Joi'l, der Prophet, ein Sohn des Propheten Samuel, wie bereits M. A. Padua zum Sch. tob, a. a. O. ed. Warschau 1SG5, richtig bemerkt. einer dritten hingegen erst unter Manasse, König von Jehuda, gelebt haben soll (Seder Ulam rabba Kap. 20, worauf Rahmer zu Hosea S. 4 Anm 2 hinweist), ändert nichts an der Sache, da es auch sonst nicht an Beispielen solcher einander widersprechenden Agadoth fehlt. Man vergleiche nur die vorsehiedenen Meinungen über die Entstehungszeit des Buches Hiob, bozw. die Lebenszeit Hiobs (Baba bathra 15, jerus. Sota 5, 8 cd. Krotoschin 20 c.), oder die einander widersprechenden Agadoth über die Lebenszeit und Abstammung des Propheten Elijahu. Die letzteren hat der Lector M. Friedmann in der Einleitung zu seiner Edition des Tanna d’be Eliahu Kap. 1, S. 2—13, zusammengestellt und besprochen. Dass 11. auch den Propheten Jona zu einem Zeitgenossen Hosea’s macht, darf nicht Wunder nehmen. H. folgt, wie R. zu Jona I, 1. S. 12 selbst angi6bt, II. Könige 14, 25, wonach Jona unter Jerobeam II, dem Sohn des Joasch, gewirkt habe. Da nun nach Hosea I, 1 dieser unter demselben Jerobeam gewirkt bat, so konnte H. mit Recht Jona zu einem Zeitgenossen Hosea's machen. Zu den von Rahmer (Hosea S. 4) citierten Worton Abrabanols will ich noch kurz bemerken, dass II. im Anschlüsse an Josephus (Ant. IX), wonach Nahum unter Jotham, oder an Eusebius (im Chronicon bipartitum), dass er unter Hiskia geweissagt habe, diesen Propheten ganz gut zu einem Zeitgenossen Hosea’s machen konnte.2)!Schluss folgt.) Litterarischer Anzeiger. Durch die Expedition' des ״jüdischen Litteraturblatts“ in Magdeburg sind billig zu beziehen: 1 Die Chanukawunder von D. Jussuf. Ein Festspiel in 3 Akten für Schulen, Familien und Vereine. Ermiissigter Burpreis 60 Pf. (franko gegen franko). 2. Lichtstrahlen vom Chanukaleuchter. — Gedichte und Lieder zum Chanukafeste für Schule und Haus. — In buntem Einschlag steif brochiert 25 Pf. (5 Exemplare für 1 Mk.) franko. *) Wie aus Raschi zu Joi'l I, 1 und zu Megilla 14a s. v. נבואה שהוצרכה zu ersehen ist, hat Raschi das Seder Olam nicht Vorgelegen, da er die Daten des Seder Olam aus dem Halachoth gedoloth (c.fr. ed. Hildesheimer, S. 632 - 633; ed. A. S ׳!’raub Warschau 1874 S. 285 b—286 a) citiert. Raschi hat ein defektes Exemplar der Halachoth gedoloth Vorgelegen, was der selige Dr. Hildesheimer nicht erkannt hatte, weshalb er die Lücke in seinem Halachoth gedoloth Seite 638, Zeile 12 von oben irrtümlich nach Raschi ergänzt, während die ״Halachoth gedoloth“ ed. Traub Seite 286a, Zeile 4—6 von oben das Richtige bieten. (Der zweite Band des יאב| ספיר auf den Dr. Hildesheimer ,ע״ף Note 64 verweist, und Seder Olam ed. Rattner stehen mir nicht zu Gebote.) Inhalt. Wissenschaftliche Aufsätze: David Deutsch. Von Dr. .Immanuel Deutsch. — Ist die moderne Ethik im Stande, die Religion zu ersetzen? Von J. Feinstein. — Recensionen: Hieronymus' Kommentar zu den 12kleinen Propheten. Besprochen von Rabbiner Dr. Goldfahn (Fortsetzung). — Litterarischer Anzeiger. Verantwortl. Redakteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer, Magdeburg. Druck von Arthur Seholem, Berlin.