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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 11. (1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 11. (1902)
Date
1902-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 11■-1002. Jüdisches jahtg. XXVI. Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden litterarischen Er• acheinungen auf dem Gebiete der Philo• sophie, Geschichte, Ethnographie. Theo• logie. Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Scholem, Berlin C., Rossstr. 3. Bücher der einschlägigen Litter&tur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die Redaktion, Inserate u. Beilagen an die Expe• dition franco einsusenden. Rlkaar'i!,JllitcliM Lltteratsr Blatt“ erscheint noaatlloh zwei Mal und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Arthur Scholem, Berlin, Rosssjr. 3) vierteljährlich ela• Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״IsraeiltliohM W00l1s**Qlirlft“v welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— ■. kostet, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt״ als Qratll-Beilage. — lateral• werdon mit 20 Plg. die vicrgespallene Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. Abdruck •lazelner Artikel nur mit der Angabe! ״Au■ Rahm er'■ JOd. Litteratur-Blatt" gestattet. David Deutsch.*) Herr Dr. J. Norden, Rabbiner in Myslowitz, hat irn Februar d. innerhalb seiner Gemeinde im Vereine für Talmud-Thora, jetzt zum Verein für jüdische Geschichte und Literatur erweitert, einen Vortrag über David Deutsch gehalten. Nicht nur die Genossen der Gemeinde Myslowitz, sondern auch Mitglieder der Nachbargenieinden fanden sich ein, um den Worten des Vortragenden zu lauschen. Die Person des Gewürdigten, die Worte des Vortragenden erregten nach Form und Inhalt ein so aktuelles Interesse, dass allgemein der Wunsch ausgesprochen und der Entschluss gefasst wurde, diesen Vortrag drucken zu lassen und ihn so der grossem jüdischen Gesamtheit zugänglich zu machen. Herr Dr. Norden liess mich freundlichst Einblick in sein Manuskript nehmen, berichtigte, erweiterte, vertiefte und ergänzte auf Grund meiner Angaben manche Punkte seiner Ausführungen, begab sich nach Sohrau O.-S., der letzten Wirkungsstätte des Helden seiner Darstellung, informierte sich dort noch eingehend über ihn, suchte seine Grabstätte auf und copierte die demselben gewidmete Grabschrift. In erweiterter Form und Fassung hat Herr Norden seine Arbeit zum Drucke befördert. Sie bietet mehr, als durch den Vortrag zu Gehör gebracht wurde. Was veranlasste den Verfasser zur Abfassung seiner Schrift? Norden ist seitmehreren Jahren RabbinerderGemeindeMyslowitz. Ueber seine Vorgänger im Amte Näheres zu erfahren, lag ihm dringend am Herzen. Bei diesen Forschungen und Nachforschungen stiess er immer und immer wieder auf den Namen David Deutsch. Dieser gehörte zu den ältern Rabbinern der Gemeinde Myslowitz. Etwa 8 Jahre, bis zum Jahre 1845, bekleidete er das Amt eines Rabbiners daselbst. Im Jahre 1845 folgte er in gleicher Eigenschaft einem ehrenvollen Rufe der Gemeinde Sohrau in Ober- Schlesien. 28 volle Jahre wirkte er segensreich in *) David Deutsch (1810—1873) — ein Lebensbild. Vortrag, gehalten von Dr. J. Norden in Myslowitz im Vereine für jüdische Geschichte. 1902. Verlag des Vereins für jüdische Geschichte zu Myslowitz. Sohrau. Er arbeitete unverdrossen und gewissenhaft im Dienste seiner Gemeinde, bis ihn der Tod am 31. Juli 1873 abrief. In Dr. Norden reifte, je genauer er sich über seinen Amtsvorgänger unterrichtete, je mehr die Ueberzeugung, David Deutsch sei nichtein Duodez-Mensch von ephemerer Bedeutung, er habe nicht nur seinen Gemeinden in Myslowitz und Sohrau angehört, sondern er verdiene auch nach Massgabe der geschichtlichen Gerechtigkeit der Vergessenheit entrissen zu werden. David Deutsch darf einen Ehrenplatz in der neuesten Geschichte der deutschen Juden beanspruchen. Nicht nur die Juden Schlesiens, die Juden Deutschlands, sondern auch die Juden der Diaspora überhaupt, gleichviel welcher religiösen Parteirichtung sie sich anschliessen, dürfen den Ausführungen Nordens mit berechtigtem Interesse folgen. Ich, der Sohn des Verklärten, stehe den Kundgebungen des Verfassers sicherlich nicht unbefangen gegenüber und doch muss ich der Ansicht des Verfassers beipflichten, gerade der eigene Sohn sei der Berufensten einer, die Würdigung seines verewigten Vaters von unparteiischer Seite angemessen zu bewerten. Gern zolle ich dem gelehrten Verfasser die hohe, wohlverdiente Anerkennung, er sei seiner Aufgabe in vollem Masse gerecht geworden. — Leicht hat sich Herr Dr. Norden seine Arbeit nicht gemacht. Gründlich und gewissenhal't hat er mit bienenartigem Fleisse das hier in Betracht kommende literarische und historische Material mühsam zusammen gestellt. Er hat vielfach und weitläufig zu diesem Behufe korrespondieren müssen. Oft gelangte er gar nicht oder doch nur halb zum erwünschten Ziele. Erschien der eingelaufene Stoff ihm arbeitfahig und spruchreif, stellten sich ihm oft genug erwartete oder unerwartete Amtsverpflichtungen ein und die begonnene Arbeit musste wieder auf längere Zeit unterbrochen werden. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, Jahrzehnte hindurch im kleinen Orte gelebt und gearbeitet hat, weiss von der Misere, wissenschaftliches Arbeitsmaterial aus der Ferne sich beschaffen zu müssen, manch trauriges Lied zu singen. Meist war das gewünschte Buch gerade ausgeblieben und schon 4—5 fach anderweitig vorgemerkt. Ein Manuskript

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