Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 9. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Alles bereits geordnet ist, führt er noch einige Stellen an, die seine Behauptung näher begründen. Er schliesst mit den allerdings bezeichnenden Worten:הרי הארבגו הברייתוח השנויות בעני; הזה להעלות דברי ח״ז״ל עסהפירוש הברור יהנבוז מה שאמרו בבתובים האלו: So bewährt sich auch hier auf dem Gebiete der Halacha der wissenschaftliche, systematisch-ordnende Geist Nachmani’s. Solche Stellen finden sich unzählige, besonders im Leviticus.1) Seine halachische Exegese hat den Vorteil, dass man eine Uebersicht von allen den im Talmud und sonstigen halachischen Schriftwerken ausgesprochenen Ansichten über eine Gesetzesbestimmung gewinnt. Allein eben aus diesem Grunde sind diese Partien nur für den talmudisch Gelehrten, dem nicht in der Halacha Eingeweihten müssen sie unverständlich bleiben. Er sucht bei halachischen Stellen die Ansichten der Tannaim aus dem Bibelverse zu entwickeln und zu motivieren, zeigt wie oft selbst sich widersprechende Meinungen mit dem Wortlaute sich vertragen und dann erst führt er seine systematischen Diskussionen aus. Er schliesst dieselben einmal mit innerer Selbstbefriedigung: והוא דרך טוב ומחוור בסוגיות בגמרא הבבלית והירושלמית והחבם הבקי ישביל וימצא: Bei seinem Bestreben, die Halacha’s mit dem Wortsinn zu vereinigen, konnte es nicht fehlen, dass er unter den als biblisch circulierenden Halacha’s einige fand, die jeder inneren Begründung und Verbindung mit dem Schriftworte entbehrten und nur lose an den Wortlaut geknüpft waren; die offenbar sich nicht aus der Bibel herausentwickelt, sondern aus der religiösen Praxis sich ergeben hatten und von dem Autor sodann, um ihnen grössere Autorität zu verschaffen, an das Bibelwort angelehnt wurden. Solchen Halacha’s räumte Nachmani nur den Wert rabbini sehe!•Institutionen und nicht biblischer Gebote ein. Er gelangt zu vielen neuen Resultaten, indem er mehrere sogenannte אסמבתוח nachweist. Xachmanides bemüht sich auch bei jedem Ge- oder Verbot einen vernünftigen Grund anzugeben. Bei dem Gebote des קן צפור (Deut. 22, (!) ergreift er die Gelegenheit, sich ausführlich über diesen Punkt auszusprechen; seine Ansicht muss heute noch nach fast 700 Jahren bei jedem Bibelgläubigen als die am meisten der Wahrheit sich nähernde gelten. ״Bei der Behandlung der göttlichen Gebote, sagt er, giebt es zwei Richtungen, die eine: man fragt garnicht nach der Ursache, nimmt alles, weil Gott es so befohlen auf Treu und Glauben hin, der andere^: man bemüht sich, für jedes Gebot, so weit es in unseren Kräften steht, einen vernünftigen Grund aufzufinden. Er gehöre der zweiten Richtung an und suche deshalb für jedes Gebot einen ausreichenden Grund auf; doch gebe es freilich mehrere Gebote, für die er keine Ursache wisse, aber für die meisten liesse sich wohl eine solche auffinden. Alle Gebote sind zu unserem Nutzen da, uns vor schädlichen Einflüssen zu bewahren, von Aberglauben zu befreien, mit einem Worte, uns zu veredeln. Nicht •1 Man vergl. /.u!,in25.6 :1,5 :25,5 .־ u. a, m.; ferner zu Numeri <_19 .׳: i!1. 29,2; Deut. 21, 13. Gott bedarf der Lichter, fährt er fort, der Opfer, des Räucherwerks; ja selbst, wenn er uns befiehlt, des Auszugs aus Egypten zu gedenken, den Sabbat zu feiern u. a. m., so hat er dies für uns befohlen, dass wir zur richtigen Erkenntnis seiner Eigenschäften gelangen. Die meisten Gebote bezwecken die Veredelung unseres Herzens und Verfeinerung unseres Gefühls. Was liegt Gott daran, ob wir das Vieh am Halse schlachten, oder auf andere Weise töten? Doch er wollte uns an Barmherzigkeit und Mitleid gewöhnen. Diese Ge- und Verbote sollen nicht ein Beweis von der Barmherzigkeit Gottes selbst gegen die Thiere sein, sondern sie sind Verordnungen, durch welche dieses zarte Gefühl in uns rege gemacht, unsere Sitten verfeinert werden sollen.“ (Schluss folgt.) Bücherschau. (Fortsetzung von No. 4.) Rahmer, Or. M. Hieronymus’ Commentar zu den XII kleinen Propheten. Durch Vergleichung mit den jüdischen Quellen und ältesten Versionen kritisch beleuchtet. — Erste Hälfte: Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha. — M. I'oppelauer's Buchhandlung, Berlin 1902. (12 Bogen, 4 M. 50 Pf.) Ginzberg, Dr. L. Die Haggada bei den Kirchenvätern in der apokrvphischen Literatur. (S.-A. ausder ״Monatsschrift“.) — S. Calvary & Co. Berlin 1900. — (131 S.) Lewy, Dr. i. Interpretation des III. Abschnittes des paläst. Talmud-Traktats Nesikin. (Im Jahresbericht des jüd.- theolog. Seminars in Breslau. 1902.) Baneth, Dr. E. Maimuni's Neumondberechnung III. (Im zwanzigsten Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. 1902.1 Blau, Prof. Dr. L. Studien zum althebräischen Buchwesen und zur biblischen Literaturgeschichte. (Im 25. Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest. 1902.) Gerecke, Ad. Die Verdienste der Juden um die Erhaltung und Ausbreitung der Wissenschaften. — M. Poppelauer, Berlin. Speyer, Friedrich. Gedichte. A. Stein’s Verlagsbuchhandlung, Potsdam. 1902. (132 S., eleg. geb. 3 M.) Weyde, Dr. J. Wörterbuch für die neue deutsche Rechtschreibung. Enthaltend 35 000 Schlagwörter. Verlag von G. Freytag und F. Tempsky in Wien. Preis geb. M. 1,50. Inhalt. Wissenschaftliche Aufsätze: Harnack’s: ״Das Wesen des Christentums. II. Von Dr. Seligkowitz. — Der Pcntnteuchkummentar des Nachmanides. (Fortsetzung.) Von Moritz Rahmer. — Bücherschau. Verantwort^. Redakteur: Rabbiner Dr- M. Rahmer, Magdeburg. Druck von Arthur Scholen!, Berlin.